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Vision-Zero Award

Professor Ulrike Haug: „Die Weichen Richtung Prävention sind gestellt!“

Forscher finden derzeit gute Rahmenbedingungen vor, um die Krebsprävention voranzubringen, sagt Professor Ulrike Haug. Die Forscherin hat jetzt den Vision-Zero Award erhalten.

Von Günter Löffelmann Veröffentlicht:

Ärzte Zeitung: Herzlichen Glückwunsch zum Vision-Zero Award, Frau Professor Haug!

Prof. Ulrike Haug: Vielen Dank, der Preis freut mich sehr, ist er doch ein Zeichen unter mehreren, dass Prävention heute einen viel größeren Stellenwert hat als noch vor 5–10 Jahren.

Was wird das den Menschen bringen?

Bei der Früherkennung wurde schon einiges erreicht, insbesondere beim Darmkrebsscreening. In diesem Bereich geht es vor allem um Optimierung. Wir untersuchen zum Beispiel anhand von Versichertendaten, bei welchen Personen nach Abtragung von Polypen entgegen der Empfehlungen keine weitere Kontrolle mehr stattfindet oder welche überversorgt sind – etwa wenn sie zu früh nachkoloskopiert werden.

Professor Ulrike Haug, Universität Bremen und Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie

Professor Ulrike Haug, Universität Bremen und Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie

© Alexander Fanslau

Und wir wollen noch mehr Klarheit haben, warum manche Personen die Vorsorgeangebote nicht wahrnehmen und wie wir ihre Barrieren abbauen können. Das größte Potenzial liegt aber sicherlich in der Primärprävention. Die Vision-Zero ist ohne sie nicht denkbar.

Einer Ihrer Schwerpunkte ist das familiär erhöhte Krebsrisiko. Was möchten Sie dort untersuchen?

Ich möchte diesen Bereich insbesondere an der Schnittstelle zur Primärprävention ausbauen. In einer Querschnittstudie konnte ich zeigen, dass Verwandte von Krebspatienten davon ausgehen, selbst ein erhöhtes Krebsrisiko zu haben, und diese Risikowahrnehmung sie empfänglicher für Angebote der Primärprävention macht. Spricht man Menschen dann an, wenn sie sich gerade selbst Gedanken über ihre Gesundheit machen, kann es ihnen vermutlich eher gelingen, ihren Lebensstil zu ändern, das heißt sich mehr zu bewegen, mit dem Rauchen aufzuhören, weniger Alkohol zu trinken usw. Solch ein Zeitpunkt könnte beispielsweise direkt im Anschluss an die Krebsdiagnose eines Verwandten sein. Wenn dieser Ansatz erfolgreich umgesetzt würde, könnten nicht nur viele Krebserkrankungen, sondern auch zahlreiche andere chronische Erkrankungen vermieden werden.

Logo des Symposiums „Innovations in Oncology. Vision Zero“.

Logo des Symposiums „Innovations in Oncology. Vision Zero“.

© Netzwerk g. Darmkrebs

Was wünschen Sie sich dazu von der Politik?

Ich denke, die Weichen sind mit der Nationalen Dekade gegen Krebs gut gestellt. Das Thema Prävention hat einen hohen Stellenwert bekommen und es gibt vermehrt Förderprogramme für Forschung zur Krebsprävention. Es ist jetzt wichtig, diese Chance zu nutzen und anwendungsnahe Forschung auf den Weg zu bringen. Es gilt dabei, in der Bevölkerung – also unter realen Bedingungen – verschiedene Ansätze zu erproben und zu evaluieren. Bei all dem erscheint mir wichtig, dass wir nicht isoliert den Darmkrebs, den Brustkrebs oder den Lungenkrebs betrachten, sondern umfassende Präventionsstrategien entwickeln.

Vision-Zero Award verliehen

Der „Vision-Zero Award“ wurde dieses Jahr erneut für neue Ansätze zur Prävention von Krebserkrankungen verliehen. Laureatin ist die Pharmazeutin und Epidemiologin Professor Ulrike Haug.

Die Krebsprävention beschäftigt Ulrike Haug, seit sie ihr Pharmazie-Studium beendet hat. „Nach Stationen am DKFZ und der Universität Heidelberg forscht sie heute an der Universität Bremen und am Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie, und sie engagiert sich unter anderem im Expertenausschuss „Krebsprävention“ der Nationalen Dekade gegen Krebs“, sagte Professor Heyo Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité, in seiner Laudatio.

In ihrer bisherigen Forschung untersuchte Haug, inwiefern sich Stuhlbluttests als Alternative zur Koloskopie eignen und wie die Untersuchungsintervalle für die Darmkrebsfrüherkennung optimiert werden können; derzeit evaluiert sie bestehende Programme zur Krebsfrüherkennung, wie das Koloskopie- und das Mammographie-Screening. „Die Primärkrebsprävention bei Risikogruppen spielt in ihrer Forschung ebenfalls eine große Rolle“, so Kroemer. „Es ist mir daher eine Freude und zugleich eine große Ehre, den Vision-Zero Award 2020 heute an Sie überreichen zu können.“

Mehr zum 6. Symposium „Innovations in Oncology. Vision Zero“ lesen Sie auf unserer Sonderseite.

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