Ohnmacht oder Anfall?

Diese Symptome sind Warnzeichen

Synkopen sind meist nicht so unauffällig, wie das melodramatische Wegsacken einer Schauspielerin glauben lassen will. Deshalb kann ein Beobachter eine Ohnmacht rasch für einen epileptischen Anfall halten. Einige Symptome sollten in jedem Fall abgeklärt werden.

Veröffentlicht: 22.09.2014, 07:02 Uhr
Ohnmacht oder Anfall - einige Symptome lassen aufhorchen.

Ohnmacht oder Anfall - einige Symptome lassen aufhorchen.

© Petra Albers / Shotshop.com

MÜNCHEN. Die falsche Einordnung einer Synkope als einen epileptischen Anfall ist sicher viel häufiger als die umgekehrte falsche Zuordnung, glaubt Professor Thomas Lempert aus Berlin.

Bei der Neurowoche in München zeigte er anhand von Untersuchungen mit Medizinstudenten, wie die selbst mit Hyperventilation und Druck initiierte Ohnmacht realistisch klinisch aussieht:

Die meisten der Probanden zeigten Zuckungen, manche auch ausgeprägter und sogar bilateral symmetrische Myoklonien kamen vor - eigentlich ein Zeichen eines Grand-Mal-Anfalls.

Die meisten Studenten hatten während der Ohnmacht wie bei einem Anfallsereignis die Augen offen und verdrehten sie nach oben.

Vokalisationen und Halluzinationen kamen bei 40 und 60 Prozent der Probanden vor und waren damit ebenfalls nicht selten.

Die kleinen Unterschiede

EEG-Befunde mit rhythmischen elektrischen Entladungen wie bei einem Anfallsgeschehen zeigten sich allerdings bei den gesunden Probanden nie. Auch waren sie rasch wieder ansprechbar, während Patienten nach einem Grand-Mal-Anfall oft 10 bis 20 Minuten zur Reorientierung benötigen.

 "Das ist das wichtigste differenzialdiagnostische Kriterium", betonte Lempert. Ein Auslöser, wenn es ihn gibt, weist ebenfalls auf eine Synkope hin.

Rasches Aufrichten oder - bei älteren Menschen nicht selten - kohlenhydratreiche Mahlzeiten können orthostatisch Synkopen auslösen.

Synkopen bei medizinischen Prozeduren, langem Stehen, aversiven psychischen Reizen oder Miktion weisen auf eine vasovagale Ursache hin.

Husten und Anstrengung können durch den damit entstehenden Druck eine Synkope auslösen, anstrengungsbedingte Synkopen können aber auch auf einer kardiologischen Ursache beruhen.

Daran denken sollte man laut Lempert, wenn der Patient eine Herzerkrankung aufweist, das EKG pathologisch ist, eine Synkope im Alter ohne klaren Auslöser auftritt und über Synkopen im Sitzen oder Liegen sowie bei körperlicher Anstrengung berichtet werden.

Wegen der damit verbundenen erhöhten Mortalität sollten solche kardiogenen Synkopen in jedem Fall abgeklärt werden. (fk)

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