Direkter Blick in gesamten Dünndarm möglich

WIESBADEN (ner). Der Dünndarm ist für Gastroenterologen keine Terra incognita mehr, wenn es um die Identifizierung von Blutungsquellen geht. Die Doppelballon-Enteroskopie ermöglicht nicht nur einen direkten Blick ins Innere des gesamten Dünndarms, sondern auch eine Therapie.

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Das hat Privatdozentin Dr. Andrea May von den Dr. Horst-Schmidt-Kliniken in Wiesbaden hingewiesen. Nach Mays Angaben sind etwa 100 Endoskopie-Labors in Deutschland inzwischen mit Doppelballon-Enteroskopen, die auch als Push-and-Pull-Enteroskope bezeichnet werden, ausgerüstet.

Die Geräte seien in Deutschland seit 2003 zunehmend verfügbar und ergänzten diagnostische Verfahren wie die Kapselendoskopie und Push-Enteroskopie. Die Push-Methode ist eine Spiegelung des oberen Dünndarm-Drittels mit Hilfe eines speziell dafür konstruierten Endoskops von über 2 m Länge.

"Mit dem Doppelballon-Enteroskop kann man sich wie eine Raupe durch den Dünndarm arbeiten", sagte May bei einem vom Unternehmen Pfizer unterstützten Symposium.

Bei der Untersuchung werde der Dünndarm in Abschnitten von maximal 40 Zentimetern inspiziert, wobei schon untersuchte Darmabschnitte auf einem Übertubus aus weichem Material Ziehharmonika-ähnlich zusammengeschoben und gerafft werden. Ein aufgeblasener Ballon am Übertubus verhindert, daß die dort gerafften Darmteile wieder abgleiten.

Gleichzeitig wird der Ballon mit einem weiteren Ballon an der Spitze des Enteroskopes kombiniert, damit sich das Gerät durch wechselndes Aufblasen der Ballons und Ablassen der Luft raupenartig durch den Dünndarm bewegen kann. Vier Meter Dünndarm können so untersucht und auf dem 1,40 Meter langen Übertubus zusammengeschoben werden.

Ist der Dünndarm länger, können an einem anderen Tag die restlichen, distalen Dünndarmanteile von rektal aus mit der Doppel-Ballon-Enteroskopie gespiegelt werden.

Ein Untersuchungsgang dauere ein bis zwei Stunden und sei bei drei von vier Patienten mit üblichen kurzwirksamen Anästhetika realisierbar, so die Internistin. Im Vergleich zu anderen endoskopischen Methoden kann bei 60 bis 80 Prozent der Untersuchungen eine Diagnose erhoben werden.

Die Untersuchung ermögliche die Blutstillung. Polypen oder Fremdkörper könnten entfernt, Biopsien entnommen und Stenosen dilatiert werden. Findet sich eine operationsbedürftige Läsion, wird diese mit Tusche markiert, so daß der Chirurg sie einfach finden kann.

Die Komplikationsraten liegen bei der diagnostischen Enteroskopie bei einem Prozent (Pankreatitis, Perforation) und bei therapeutischen Maßnahmen bei vier Prozent (Blutungen, Perforation).

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