Suchtkrankheiten

Drogenhilfe - Ärzte in NRW gegen Einsparungen

KÖLN (frk). Ärzte, die eine Drogensubstitution anbieten, kritisieren, daß die schwarz-gelbe Landesregierung in Nordrhein-Westfalen die Förderung für die Drogenhilfe zurückfahren will.

Veröffentlicht: 12.04.2006, 08:00 Uhr

"Als Arzt kann ich diese Einsparungen nicht gutheißen", sagt Dr. Wilhelm Siepe, niedergelassener Arzt in Köln und Generalsekretär des Dachverbands substituierender Ärzte. Die Kürzungen würden zu Lasten der psychosozialen Betreuung gehen, die für die Substitutionsbehandlung Drogenabhängiger vorgesehen sei.

Hintergrund: Im aktuellen Entwurf für den Landeshaushalt 2006 ist geplant, die Förderung für die regionalen und landesweiten Projekte der Drogenselbsthilfe JES (Junkies, Ehemalige, Substituierte) und ihrer Koordinationsstelle zu streichen. Insgesamt belaufen sich die Einsparungen auf 174 000 Euro.

"Unsere Fachleute sind der Meinung, daß die Arbeit dieser Projekte auch von anderen Suchthilfeangeboten übernommen werden kann", begründet Kai von Schoenebeck aus dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales die Entscheidung. Beim Junkie-Bund Köln, einem der regionalen Partner von JES, der eine Kontakt- und Informationsstelle für Drogenabhängige betreibt, muß beispielsweise eine Personalstelle gestrichen werden, wenn die Landesförderung wegfällt.

"Da wir schwerpunktmäßig psychosoziale Betreuung anbieten, müßten sich viele Drogenabhängige einen neuen Betreuungsplatz suchen", erklärt Manfred Krekeler, stellvertretender Geschäftsführer des Junkie-Bunds.

Nach der Vorgabe der gesetzlichen Krankenkassen ist eine psychosoziale Betreuung, wie sie der Junkie-Bund anbietet, eine notwendige Voraussetzung, um überhaupt eine Methadon-Behandlung beginnen zu können. Da die Krankenkassen die psychosoziale Betreuung aber nicht finanzieren und die Zuschüsse der Stadt Köln knapp bemessen sind, bestehe schon jetzt ein Betreuungsengpaß, so Siepe.

Drei bis vier Monate müßte ein Drogenabhängiger in Köln auf einen Platz und damit auf eine Substitutionsbehandlung warten. "Fallen die Landesmittel weg, wird dieser Mangel zum Nachteil der Patienten vergrößert", erklärt Siepe.

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