Erfolg mit adjuvanter Therapie bei kolorektalem Karzinom

Trotz aller Vorsorge-Bemühungen wird ein kolorektales Karzinom derzeit bei etwa 40 bis 50 Prozent der Patienten erst in fortgeschrittenen Stadien, also in den Stadien III (Lymphknotenbefall) und IV (Fernmetastasen) diagnostiziert. Nach der Op steht in diesen Stadien nach wie vor die adjuvante Behandlung im Mittelpunkt der Therapiestrategien.

Peter LeinerVon Peter Leiner Veröffentlicht:

Vor knapp 20 Jahren wurde die Wirksamkeit der adjuvanten Chemotherapie zweifelsfrei belegt. Damals erhielten knapp 1000 Patienten nach Tumorresektion 5-Fluorouracil (5-FU) plus Levamisol oder wurden nur beobachtet. Patienten im Stadium III der Erkrankung konnten auch Levamisol allein erhalten. Die Therapie erfolgte über ein Jahr. Im Median wurden die Patienten drei Jahre nachbeobachtet. Im Vergleich zu Patienten in der Beobachtungsgruppe wurde die Sterberate durch die Kombitherapie um 33 Prozent verringert, die Rezidivrate um 41 Prozent.

In der Folge stellte sich heraus, dass Levamisol und Folinsäure als Kombipartner von 5-FU gleichwertig sind. Als Standard hat sich inzwischen die Therapie mit 5-FU/Folinsäure - oder alternativ eine Therapie mit dem oral verabreichten, besser verträglichen 5-FU-Prodrug Capecitabin - plus Oxaliplatin - durchgesetzt, wie Privatdozent Ullrich Graeven aus Mönchengladbach und Professor Markus M. Heiss aus Köln-Merheim bestätigen (best practice onkologie 1, 2008, 4).

Nach sechs Jahren lebten noch fast 80 Prozent der Patienten

Und die mittlerweile durch adjuvante Chemotherapie erzielten Erfolge können sich sehen lassen. In mehr als zehn Studien der vergangenen Dekade waren mit Hilfe einer 5-FU-haltigen adjuvanten Chemotherapie bis über 70 Prozent der Patienten nach drei bis sechs Jahren noch krankheitsfrei, etwa in der MOSAIC-Studie mit fast 2300 Patienten. MOSAIC steht für "Multicenter International Study of Oxaliplatin / 5-FU / LV in the Adjuvant Treatment of Colon Cancer". Ohne Rezidiv waren in dieser Studie nach sechs Jahren 73 Prozent der Patienten, die nach dem FOLFOX-4-Regime - 5-FU/Folinsäure plus Oxaliplatin - behandelt wurden, aber nur 67 Prozent derjenigen im Standardarm nur mit 5-FU/Folinsäure. Und: Nach sechs Jahren lebten noch 79 Prozent der Patienten der FOLFOX-4-Gruppe, in der Vergleichsgruppe nur 76 Prozent.

Inzwischen gibt es zudem viele Daten zur zusätzlichen Therapie mit dem Angiogenese-Hemmer Bevacizumab und den Antikörpern Cetuximab und Panitumumab.

Drei Antikörper stehen für die Behandlung zur Verfügung

Cetuximab ist zugelassen in Kombination mit Irinotecan zur Therapie bei metastasierendem Kolorektal-Ca, wenn eine Irinotecan-haltige Chemo versagt hat. Die Krebszellen müssen den Rezeptor für den epidermalen Wachstumsfaktor (EGF) tragen. Bevacizumab ist zugelassen zur Therapie in Kombination mit einer Chemotherapie auf Fluoropyrimidin-Basis. Es fängt den Faktor VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor) ab und hungert dadurch Tumoren aus.

Die jüngste Zulassung für den dritten Antikörper Panitumumab, einem komplett humanisierten Antikörper gegen den Rezeptor EGF, gilt vorerst nur für die Monotherapie - und zwar bei chemotherapierefraktären Patienten mit metastasiertem kolorektalem Karzinom ohne Mutation des Krebsgens KRAS.

Unklar bleibt bisher nach Angaben von Graeven und Heiss der Stellenwert der adjuvanten Chemotherapie im Stadium II des Kolorektal-Ca, wenn also noch keine Lymphknoten befallen sind. Aufgrund der Ergebnisse der Studie QUASAR (QUASAR steht für "Quick and Simple and Reliable") könne im Stadium II eine 5-FU / Folinsäure- oder eine Capecitabin-Therapie nach ausführlicher Beratung erwogen werden.

Die aktualisierte S3-Leitlinie zum Kolorektal-Ca wird nach Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft voraussichtlich noch im Frühjahr 2008 veröffentlicht.

Weitere Informationen zum Kolorektal-Karzinom finden Sie unter http://www.dgvs.de/508.php

Klassifizierung des Kolonkarzinoms
Stadium Primär-
tumor
Regionäre
Lymph-
knoten
Fernmetastasen Dukes-Klassifikation
Stadium 0 Tis N0 M0
Stadium I T1
T2
N0
N0
M0
M0
DUKES A: Tumorwachstum auf Darmwand beschränkt, Infiltration maximal bis in Muscularis propria, keine Lymphknoten befallen
Stadium II T3 N0 M0 DUKES B: Tumorwachstum über die Muscularis propria hinaus, keine Lymphknoten befallen
T4 N0 M0 DUKES B: Invasion der Serosa oder des perikolischen Fettgewebes, keine Lymphknoten befallen
Stadium III jedes T
jedes T
N0
N2, N3
M0
M0
DUKES C: Lymphknotenbefall (bei Tumorausbreitung A oder B)
Stadium IV jedes T jedes N M1 DUKES D: Fernmetastasen
Quelle: nach Graeven / Heiss, best practice onkologie (1, 2008,4)      Tabelle: ÄRZTE ZEITUNG
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