Studie an acht universitären Zentren

Erfolg mit spezifischer Psychotherapie

Eine spezifische Psychotherapie zur Behandlung bei chronischer Depression, bei der belastende Beziehungserfahrungen berücksichtigt werden, ist einer unspezifischen unterstützenden Psychotherapie überlegen.

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HAMBURG. Chronische Depressionen gelten als schwer behandelbar: Die Mehrzahl der Patienten spricht auf vielfache psychotherapeutische und medikamentöse Therapieversuche nicht an, erinnert die Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf (UKE). "Daher führen chronische Depressionen zu einer erheblichen Krankheitslast, welche vor allem durch eine lang anhaltende Einschränkung der Leistungsfähigkeit und der Lebensqualität gekennzeichnet ist", wird Professor Elisabeth Schramm, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsklinik Freiburg, in der Mitteilung zitiert.

CBASP neu entwickelt

In den letzten Jahren wurde erstmals eine spezifische und strukturierte Psychotherapie zur Behandlung chronischer Depression entwickelt, das "Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy" (CBASP). In dieser von James McCullough in den USA entwickelten Behandlung fokussieren die Therapeuten intensiv auf belastende Beziehungserfahrungen, über die viele chronisch depressive Patienten berichten. "Die Patienten lernen während der Therapie, den Zusammenhang der aktuellen Probleme mit früheren verletzenden Erfahrungen zu erkennen und ihre zwischenmenschlichen Beziehungen im Alltag erfolgreicher zu gestalten", sagt Professor Martin Härter, Leiter des Instituts und der Poliklinik für Medizinische Psychologie, UKE. Schramm hat zusammen mit Härter sowie Privatdozent Dr. Levente Kriston und Ramona Meister, ebenfalls von UKE-Seite, und weiteren sechs deutschen Universitäten eine Studie zu CBASP durchgeführt.

In der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Studie verglichen die Forscher die Wirksamkeit von CBASP mit einer unterstützenden Psychotherapie, einer sogenannten supportiven Therapie (JAMA Psychiatrie 2017; online 1. Februar). Zu diesem Zweck behandelten sie an acht universitären Zentren (Lübeck, Hamburg, Heidelberg, Tübingen, Bonn, Marburg, Mannheim, Freiburg) 268 Patienten mit früh begonnener chronischer Depression. Die Patienten erhielten per Zufall zugeteilt eine der beiden Behandlungen. Die ambulante Einzeltherapie dauerte ein Jahr, umfasste 32 Sitzungen und wurde ohne begleitende Medikation durchgeführt.

Mehr Remissionen mit CBASP

Beide Behandlungen führten zu einer deutlichen Besserung für die Patienten. Diese zeigte sich sowohl in der Verminderung der depressiven Symptome als auch in einer verbesserten allgemeinen Leistungsfähigkeit und Lebensqualität. Auf die spezifische Therapie mit CBASP sprachen jedoch mehr Patienten zu Behandlungsende an (53 versus 41 Prozent). Auch eine vollständige Besserung der depressiven Symptome (Remission) wurde unter CBASP deutlich häufiger erreicht (37 versus 26 Prozent). Das ist angesichts der Schwere und Hartnäckigkeit der Erkrankung ein beachtlicher Erfolg, so die Einschätzung der Wissenschaftler.

"Das wichtigste Ergebnis dieser Studie ist aus unserer Sicht, dass auch schwer behandelbare chronisch depressive Patienten mit einer alleinigen störungsspezifischen Psychotherapie geholfen werden kann, wenn diese Psychotherapie über einen längeren Zeitraum angeboten wird", erläutert Schramm. Die Studie sei im Übrigen die erste, in der die Wirksamkeit der neu entwickelten Methode im Vergleich zu einer unspezifischen Psychotherapie geprüft wurde. Härter ergänzt hierzu: "Möglicherweise lässt sich der Behandlungserfolg durch eine Kombination aus Psychotherapie und antidepressiver Medikation in der Zukunft noch steigern, dies müsste in Folgestudien untersucht werden." (eb)

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