DEGAM-Kongress
Ernährungsmedizin: Hilft ein „Werkzeugkasten“ dabei, Patienten besser zu motivieren?
Keine Zeit in der Sprechstunde, änderungsunwillige Patienten: Die Frustration bei Ärztinnen und Ärzten in der Ernährungsberatung ist hoch. Gibt es Auswege? Beim Kongress „Gesundheit gestalten“ wurden die Möglichkeiten diskutiert, mit einem „Werkzeugkoffer“ zu arbeiten.
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Fünfmal am Tag Obst oder Gemüse? Vielleicht sollte die Latte für Patienten nicht gleich zu hoch gehängt werden. Es könnte sonst eher demotivierend wirken.
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Göttingen. Patientinnen und Patienten zu einer Änderung des Lebensstils zu bewegen, gehört zu den am meisten frustrierenden Aufgaben für Hausärztinnen und Hausärzte. Das wurde beim Workshop „Keine Zeit für gesunde Ernährung?“ beim Kongress „Gesundheit gestalten“ in Göttingen sehr deutlich. Insbesondere, wenn es um Ernährung geht.
„Oft kommen die Patienten mit abstrusen Diäten in die Sprechstunde“ – „Manche sind extrem gut informiert“ – „Nach 20 Jahren Erfahrung bin ich frustriert, wie wenig ich bewirken kann“ – „Patienten wehren alles ab und fragen, wann sie sich auch noch darum kümmern sollen“ – „Für eine gute Ernährungsberatung ist einfach keine Zeit in der Sprechstunde“: Das waren Meinungsäußerungen von Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu Beginn des Workshops.
Die Stiftung Gesundheitswissen, eine rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts, gegründet 2015 durch den Verband der Privaten Krankenversicherung, hat sich vorgenommen, in dieser vertrackten Situation durch Aufklärung, Informationen und Material für Arztpraxen, Hilfestellung zu leisten.
„Werkzeugkoffer“ für die Beratung
Beim Workshop sollte dieser „Werkzeugkoffer“ zur Unterstützung der hausärztlichen Beratung zuerst von den Teilnehmern in Augenschein genommen und dann anhand von hypothetischen Fällen erprobt werden.
„Wir stellen evidenzbasierte, für Patienten verständliche Informationen zur Verfügung – ein multimodales Angebot, um die Ernährungskompetenz zu stärken und um das Thema zielführend in der Praxis anzubringen“, postulierte Dr. Eugenia Marbach-Breitrück von der Stiftung Gesundheitswissen. Die Informationen der Stiftung sind im Internet unter stiftung-gesundheitswissen.de abrufbar.
Zu den Materialien gehören unter anderem Kurzinformationen wie „Gesunde Ernährung auf einen Blick“ und eine interaktive Beschäftigung mit dem Thema gesunde Ernährung, die es erlaubt, sich spielerisch mehr Kompetenz in Ernährungsfragen anzueignen. Auch Adressen und Ansprechpartner für Patienten, die eine Ernährungsberatung oder einen Ernährungskurs benötigen, gibt es – sowie Hinweise darauf, Krankenkassen daraufhin anzusprechen, ob sie die Kosten dafür erstatten.
Aber auch Material für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, etwa Entwürfe für Kurzberatungen von Patienten oder für eine strukturierte Fünf-Minuten-Beratung zum Thema.
Hypothetische Fälle in der Diskussion
Im Workshop konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dann in Kleingruppen anhand von hypothetischen Fällen überlegen, welche Maßnahmen ihn erreichen könnten und wie die Materialien der Stiftung dafür passen könnten.
Zum Beispiel ging es um einen wenig zu Änderungen seines Lebensstils motivierten 60-jährigen Patienten mit Herzinfarkt in der Vorgeschichte, Übergewicht, weiterhin hohen LDL-Werten und leicht erhöhtem Blutdruck. Ein anderer Fall handelte von einer Veganerin mit leichtem Untergewicht und starkem Konsum von Nahrungsergänzungsmitteln und Eiweißprodukten.
Eine Erkenntnis aus den Diskussionen im Workshop war, dass die Schwierigkeiten in der Motivation zur Lebensstiländerung nicht so einfach mit fertigen Materialien und strukturierten Vorgaben für ein Arzt-Patienten-Gespräch gelöst werden können. Für das Beratungsgespräch gilt daher weiter, dass dicke Bretter gebohrt werden müssen – wenn Zeit dafür im Praxisalltag bleibt. (ger)










