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Zweimal in die Klinik

Erst Pneumonie, dann Magenbeschwerden

Bei frisch aus der Klinik entlassenen Patienten sollte man nicht nur das Krankheitsbild im Blick haben, das zur Einweisung geführt hat: Einer US-Studie zufolge landet jeder fünfte Patient binnen eines Monats erneut im Krankenhaus - meist wegen eines Problems, das vorher nicht bestanden hat.

Von Dr. Elke Oberhofer Veröffentlicht:
Patienten, die beim ersten Mal wegen Herzinsuffizienz oder Lungenentzündung in die Klinik gekommen waren, zeigten beispielsweise nach der Entlassung Magen-Darm-Beschwerden.

Patienten, die beim ersten Mal wegen Herzinsuffizienz oder Lungenentzündung in die Klinik gekommen waren, zeigten beispielsweise nach der Entlassung Magen-Darm-Beschwerden.

© Robert Kneschke/fotolia.com

NEW HAVEN. Während eines Klinikaufenthalts spielt sich in der Regel so einiges ab, was der Genesung zuwiderläuft.

Mehrbettzimmer sorgen für unruhige Nächte, die Patienten werden aus dem gewohnten Rhythmus herausgerissen, sie verbringen lange Tage untätig im Bett, häufig schmeckt das Essen nicht, hinzu kommen Verunsicherung und Stress aufgrund von oft unverständlichen Informationen.

Ein frisch entlassener Patient bedarf daher besonderer Aufmerksamkeit, betont Dr. Harlan M. Krumholz, Kardiologe an der Yale University School of Medicine in New Haven, und zwar nicht nur in Bezug auf das Krankheitsbild, das ihn in die Klinik geführt hat (N Engl J Med 2013; 368: 100-102).

Für den Experten ist das "Post-Hospital-Syndrom" kein Mythos. In den USA sind zahlreiche Fälle belegt, in denen Patienten sich nach einem Klinikaufenthalt erst recht krank fühlten.

Wie eine Studie gezeigt hat, wurde ein Fünftel der frisch Entlassenen binnen eines Monats erneut eingeliefert, weil ein akutes Problem bestand. Das neuerliche Problem, so Krumholz, deckte sich in den meisten Fällen nicht mit der ursprünglichen Diagnose.

Wer beim ersten Mal wegen Herzinsuffizienz in die Klinik gekommen war, zeigte jetzt beispielsweise eine COPD, Patienten mit Lungenentzündung hatten nach der Entlassung Magen-Darm-Beschwerden entwickelt, andere waren an Infektionen erkrankt, zeigten psychische oder metabolische Störungen oder Trauma.

Fünf Faktoren macht der Autor verantwortlich für das hohe (Neu)-Erkrankungsrisiko der frisch Entlassenen: Wer schlecht schläft, ist nicht nur in seinen kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigt, schreibt Krumholz.

Die kurzen Nächte wirken sich auch negativ auf den Stoffwechsel und das Immunsystem aus. Das kardiovaskuläre Risiko ist erhöht und auch gastrointestinale Probleme werden begünstigt.

Bewegungsarmut hat Konsequenzen

Letzteres trifft auch für die Mangelernährung zu. Diese ist vor allem bei älteren Klinikpatienten ein häufiges Problem. In einer Studie war ein Fünftel der Senioren über 65 betroffen.

Ursachen sind nach Krumholz Fastenzeiten, die dem Patienten z.B. wegen bevorstehender Untersuchungen oder Operationen auferlegt werden (die sich dann nicht selten verschieben), aber auch Probleme bei künstlich ernährten Patienten, die oft erst spät auffallen.

"Malnutrition kann sich auf alle Körpersysteme auswirken", warnt Krumholz. Mögliche Folgen seien verzögerte Wundheilung, ein erhöhtes Infektionsrisiko sowie auch hier ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Jeder Klinikaufenthalt bedeutet für den Patienten zudem psychischen Stress. Unvorhersehbare Untersuchungen und Visiten sowie das Übermaß an Information trage gerade bei älteren Patienten erheblich zu Verwirrung bei, betont der Experte. Dies könne bis zum Zustand des Deliriums reichen.

Auch die in der Klinik verabreichten Medikamente können sich negativ auf den poststationären Gesundheitszustand auswirken: Werden z.B. Benzodiazepine in zu geringer Dosis gegeben, drohen Hyperkatabolismus, Immunsuppression, Gerinnungsstörungen oder eine erhöhte sympathische Aktivität. Zu hohe Dosen dagegen trüben die Sinne und beeinträchtigen die kognitive Funktion.

Nicht zuletzt führt lange Bewegungsarmut zu Einbußen bei Körperkraft und Koordination, damit erhöht sich das Risiko für Stürze und Unfälle.

Krumholz rät, bei stationären Patienten nicht nur das vordergründige Krankheitsbild im Blick zu haben. Es komme auch darauf an, die Patienten bei Kräften zu halten und ihre physiologischen Reserven nicht zu erschöpfen.

Ausreichend Schlaf, ausgewogene Ernährung, Bewegung und umfassendes Symptommanagement tragen dazu bei, den Klinikaufenthalt weniger "toxisch" zu machen.

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