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Finanzspritzen sollen die Herz-Kreislauf-Forschung beleben

WIESBADEN. (sko). Vier Arbeitsgruppen aus dem Bereich Herz-Kreislaufforschung können sich über eine Finanzspritze für ihre Vorhaben freuen: Die Novartis-Stiftung für therapeutische Forschung hat vor kurzem bei einer Veranstaltung in Wiesbaden die diesjährigen Preisträger bekannt gegeben. Sie erhalten je 150 000 Euro.

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Bei den Projekten geht es zum Beispiel um die Aktivierung geschwächter Stammzellen, die Untersuchung des AT1-Rezeptors sowie um die Thrombozytenfunktion und die Entwicklung eines neuen Tiermodells, mit dem das Geheimnis des Genregulators NF-kappa-B enträtselt werden soll.

Die Basis der meisten Herz-Kreislauferkrankungen bildet die Atherosklerose. Gelänge es, bereits an dieser Stelle therapeutisch einzugreifen, könnten viele Erkrankungen verhindert werden. Dementsprechend steht die Atherosklerose im Fokus der Forschungsprojekte. So zum Beispiel auch in der Bonner Arbeitsgruppe um Professor Georg Nickenig und Dr. Sven Waßmann, der das Projekt bei einer vom Unternehmen Novartis organisierten Pressekonferenz in Wiesbaden vorgestellt hat.

Wie hängen Altersdiabetes und Atherosklerose zusammen?

    Atherosklerose-Forscher nehmen die Gene in Thrombozyten unter die Lupe.
   

Und zwar wollen die Forscher die Funktion des AT1-Rezeptors als Vermittler für Altersdiabetes und eben auch Atherosklerose erforschen. Daß es hier einen Zusammenhang gibt, ließ schon die LIFE-Studie (Losartan Intervention for Endpoint Reduction in Hypertension) erahnen. Hier war bei Patienten mit einer medikamentösen Blockade des AT1-Rezeptors im Vergleich zu Patienten ohne diese Blockade 25 Prozent weniger Diabetes zu verzeichnen.

Nun wollen die Forscher klären, ob etwa aktivierte AT1-Rezeptoren über eine Ausschaltung des PPAR-Gamma-Rezeptors (Peroxisomen Proliferator-aktivierter Rezeptor-gamma) die Insulinresistenz verstärken und Gefäßentzündungen fördern.

Genregulierender Faktor steht im Fokus der Forscher

Ebenfalls um die Entstehung der Atherosklerose geht es bei dem For-schungsvorhaben von Professor Manolis Pasparakis aus Köln und Dr. Ralph Gareus aus Rom. Wie Gareus in Wiesbaden berichtete, wollen sie die Bedeutung des Zellkern-Botenstoffs NF-kappa-B bei der Atherosklerose-Entstehung aufklären.

Denn bisher gibt NF-kappa-B den Forschern viele Rätsel auf. So verschlimmert einerseits eine Unterdrückung dieser Moleküle in Freßzellen aus atherosklerotischen Plaques die Krankheitsaktivität, andererseits ist NF-kappa-B aber auch an der Loslösung der Thromben als letztem Schritt zum Herzinfarkt oder Schlaganfall beteiligt.

Die Forscher wollen jetzt mit einem neuen Tiermodell das Geheimnis des Transkriptionsfaktors lüften: mit Mäusen, bei denen die NF-kappa-B-Aktivität in den Endothelzellen ausgeschaltet ist. "Wir glauben, daß NF-kappa-B von großer Bedeutung für die Atherosklerose sein kann", sagte Gareus.

Doch nicht nur so exotisch klingende Moleküle wie NF-kappa-B können mit Atherosklerose in Verbindung gebracht werden. Auch Thrombozyten sind mit von der Partie, wie Dr. Stephan Lindemann aus Tübingen berichtete. Sie lagern sich an geschädigter Gefäßwand an und heizen den Entzündungsprozeß durch mehrere Mechanismen an, wie Lindemann und seine Kollegen Professor Meinrad Gawaz, Privatdozent Andreas May und Dr. Harald Langer bereits herausgefunden haben. Dazu scheint auch die vermehrte Freisetzung von Wachstumsfaktoren zu gehören.

Das wiederum verstärkt die Teilung der glatten Muskelzellen und das Einwandern von Freßzellen in den Plaque. Welche Gene und Eiweiße dabei in den Thrombozyten besonders aktiv sind, will das Team nun klären. Denn grundsätzlich "sind Thrombozyten ein ideales Mittel, um atherosklerotische Prozesse zu hemmen", sagte Lindemann.

Einen Schritt weiter im Krankheitsprozeß setzt das Forschungsvorhaben von Privatdozent Johann Bauersachs und Dr. Thomas Thum aus Würzburg an, nämlich beim Herzinfarkt. Hier hat es erste Versuche mit Injektionen von Stammzellen in die geschädigten Herzareale gegeben, jedoch nur mit mäßigem Erfolg.

Den Grund vermutet Thum darin, daß die Stamm- und Vorläuferzellen bei Patienten mit Atherosklerose geschwächt sind, sich nur langsam bewegen und nur mäßig teilen. Um die Stammzelltherapie bei Herzinfarkt voranzutreiben, wollen die Forscher ein Verfahren entwickeln, das die Stammzellen wieder fit macht.

Hoffnung auf bessere Therapiemöglichkeiten

Von allen vier geförderten For-schungsvorhaben erhofft sich Dr. Dieter Götte, Vorstandsmitglied der Novartis-Stiftung, daß sie auf lange Sicht die Therapiemöglichkeiten bei Herz-Kreislauferkrankungen verbes-sern. Und so ist auch das Engagement des Unternehmens zu erklären, das seine Fördergelder in Höhe von 600 000 Euro jährlich nun schon seit über 35 Jahren vergibt. "Novartis versteht sich als ein forschungsorientiertes Unternehmen. Wir unterstützen die medizinische Wissenschaft auch jenseits von rein auftragsbezogenen Aktivitäten", so Götte.



STICHWORT

NF-kappa-B

Das Eiweißmolekül NF-kappa-B (nuclear factor kappa B) ist ein zellulärer Wachstumsfaktor. Der Zellkern-Botenstoff wird auch als Transkriptionsfaktor bezeichnet, der die Aktivität von Genen reguliert sowie zur Proliferation maligner Zellen beiträgt und diese vor der Apoptose, also dem programmierten Zelltod, schützt. Als Transkription bezeichnen Molekularbiologen die Synthese von Boten-RNA-Molekülen anhand des genetischen Bauplans, der jeweils in einem Gen auf den Chromosomen enthalten ist. Diese Abschrift wird durch Transkriptionsfaktoren wie den NF-kappa-B gesteuert.

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