Schädliche Haushaltsreiniger

Fördert Putzfimmel Asthma beim Kind?

Wenn Kleinkinder in einem Haushalt aufwachsen, in dem der Putzteufel regiert, rächt sich das im Hinblick auf die Atemwege. In einer kanadischen Studie stieg mit dem Einsatz von Haushaltsreinigern die Wahrscheinlichkeit für Asthmasymptome.

Von Elke Oberhofer Veröffentlicht: 25.02.2020, 14:53 Uhr
Fördert Putzfimmel Asthma beim Kind?

Übermäßiges Putzen rächt sich im Hinblick auf die Atemwege der Kinder.

© contrastwerkstatt / stock.adobe.com

Vancouver. In Putzmitteln enthaltene Chemikalien können bei langfristiger Exposition chronische Entzündungen in den Atemwegen bewirken und so Asthmasymptome auslösen. Dieser Zusammenhang ist bekannt, er wurde bislang aber in erster Linie bei Erwachsenen nachgewiesen.

Kleinkinder verbringen viel Zeit in der Wohnung und spielen oft auf (frisch gereinigten) Böden. Insofern sind sie Rückständen von Haushaltsreinigern in besonderem Maße ausgesetzt.

Atemwegsgesundheit leidet bei vielem Putzen

Tatsächlich scheint die Atemwegsgesundheit von Kindern signifikant zu leiden, wenn zu Hause viel geputzt wird – dies zeigt eine aktuelle Studie aus Kanada. Die Forscher hatten 2022 Kinder aus der kanadischen CHILD-Kohorte (Canadian Healthy Infant Longitudinal Development) von der Geburt bis zum Alter von drei Jahren beobachtet und dabei mehrfach eine Reihe von Tests durchgeführt: Die Kinder wurden klinisch untersucht, es wurden Blutproben genommen und Prick-Tests gemacht (CMAJ 2020; 18. Februar).

In Fragebögen wurde in halbjährlichen Abständen erfasst, wie häufig die Eltern welche Arten von Haushaltsreinigern verwendeten. Zusätzlich wurde geprüft, ob in der Wohnung geraucht wurde, ob Tiere zum Haushalt gehörten und ob sich in den Wohnräumen Schimmel fand.

Punktwerte der Reiniger

Für jedes der Kinder bildeten die Wissenschaftler einen Score (Frequency of Use-Score, FUS), der insgesamt 26 Produktkategorien, darunter Fußboden- und WC-Reiniger, Geschirrspülmittel, Waschmittel, Weichspüler, Raumduft, Ofenreiniger und Möbelpolitur, erfasste. Jedes Produkt wurde je nach Einsatzhäufigkeit einer von vier Kategorien zugeordnet: „nie“ (0 Punkte), „weniger als einmal im Monat“ (1 Punkt), „monatlich“ (2 Punkte), „wöchentlich“ (3 Punkte) oder „täglich“ (4 Punkte).

Der Gesamt-Score lag bei den Dreijährigen im Mittel bei 31 Punkten, wobei Punktwerte von bis zu 76 erreicht wurden. Mit steigenden FUS-Werten stieg auch die Wahrscheinlichkeit chronischer Atemwegssymptome signifikant, und zwar auch nach Berücksichtigung potenzieller Schadfaktoren wie Schimmel, Tierhaare und Zigarettenrauch sowie der elterlichen Asthmadisposition.

Schwierige Diagnose

Da eine Asthmadiagnose im Kleinkindalter oft nicht zuverlässig gestellt werden kann, hatten die Forscher um Jaclyn Parks von der Simon Fraser University in Vancouver vor allem folgende Atemwegsparameter berücksichtigt:

  • rezidivierendes „Wheezing“, definiert als pfeifendes Geräusch aus der Lunge über mindestens 15 Minuten am Stück, wobei solche Episoden definitionsgemäß in mindestens wöchentlichem Abstand auftreten mussten, sowie
  • „Wheezing“ mit gleichzeitig nachgewiesener Atopie (Haut-Prick-Test) gegen eines oder mehrere von insgesamt 17 untersuchten, vorwiegend inhalativen Allergenen.

Ein Anstieg um 13 Punkte im FUS war bei den Kindern mit einer um 35 Prozent erhöhten Wahrscheinlichkeit von „rezidivierendem Wheezing“ und einer um 49 Prozent erhöhten Wahrscheinlichkeit für „Wheezing mit Atopie“ verbunden. Die Wahrscheinlichkeit einer Asthmadiagnose stieg pro 13 Punkte um 37 Prozent.

Wann waren die Symptome besonders häufig?

Besonders häufig kam es zu solchen Symptomen, wenn im Haushalt Raumdüfte verwendet wurden, sei es in fester oder flüssiger Form, als Spray oder für die Steckdose. Duftstoffe sind nach Parks und Kollegen möglicherweise entscheidend für das Atemwegsrisiko.

Keine signifikante Assoziation gab es bei den Kindern dagegen mit dem Parameter „Atopie“ für sich genommen. Wie Parks und Kollegen betonen, entwickeln sich Überempfindlichkeiten und Allergien oft erst mit den Jahren. Man müsse aber davon ausgehen, dass die in Putzmitteln enthaltenen Chemikalien Entzündungskaskaden im respiratorischen Epithel anstoßen. Bei langfristiger Exposition könne dies eine bronchiale Überempfindlichkeit im Sinne eines intrinsischen (nichtallergischen) Asthmas hervorrufen.

Nützliche Mikroben

Das viele Putzen ist nach Parks und Kollegen auch deswegen kontraproduktiv, weil es zahlreiche Mikroben am Wachstum hindert, die möglicherweise dazu dienen, das Immunsystem reifen zu lassen, damit das Kind später vor Allergien geschützt ist.

Keine Angaben konnten die Forscher darüber machen, wo sich die Kinder während der Putzaktionen aufgehalten hatten, ob die behandelten Flächen nach dem Reinigen abgespült worden waren und ob die Räume anschließend gelüftet wurden. Man wisse aber, dass einzelne Inhaltsstoffe oft noch lange nachweisbar seien, so das Team um Parks: „Nach nur einer Anwendung eines Fettlösers beispielsweise finden sich noch tagelang reizende Substanzen als Aerosole in der Luft.“

Die Ergebnisse ihrer Studie seien zwar kein Beweis für einen ursächlichen Zusammenhang mit den Atemwegssymptomen der Kinder. Dennoch warnen die Forscher vor dem übermäßigen Gebrauch von Putzmitteln in Anwesenheit insbesondere von Kleinkindern: Ein gesundes Zuhause erreiche man nicht nur durch Sauberkeit, sondern auch durch das sorgfältige Lesen von Produktinformationen.

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