Magen-Darmkrankheiten

H. pylori bei Sodbrennen rauswerfen

Die Eradikation der Magengeißel Helicobacter pylori scheint sich bei Patienten mit funktioneller Dyspepsie zu lohnen: Die Patienten brauchen nur kurzfristig Medikamente und haben eine 50:50-Chance auf eine deutliche Besserung.

Veröffentlicht:
Heliobacter pylori im Rasterelektronenmikroskop: Das Bakterium gehört zu den Hauptverursachern der funktionellen Dyspepsie.

Heliobacter pylori im Rasterelektronenmikroskop: Das Bakterium gehört zu den Hauptverursachern der funktionellen Dyspepsie.

© BSIP/Your_Photo_Today

PORTO ALEGRE (EO). Helicobacter pylori gehört zu den Hauptverursachern der funktionellen Dyspepsie. Dennoch sind sich die Experten immer noch unsicher, ob man Dyspepsiepatienten routinemäßig auf das Geißelbakterium screenen soll.

Eine randomisierte, doppelblinde, Placebo-kontrollierte Studie aus Brasilien mit 389 H.-pylori-positiven Patienten liefert nun ein starkes Argument dafür (Arch Intern Med 2011; 171 (21): 1929-1936).

Hier konnte eine Eradikationstherapie mit Amoxicillin und Clarithromycin, verabreicht zusätzlich zu Omeprazol über zehn Tage, die Beschwerden bei 49 Prozent der so behandelten Patienten deutlich lindern.

Primärer Endpunkt war die mindestens 50-prozentige Besserung der dyspeptischen Beschwerden gemäß eines validierten Symptomenscores. Dieser beinhaltete Fragen zu Frequenz, Dauer und Intensität dyspeptischer Symptome während der letzten 30 Tage und wurde nach vier, acht und zwölf Monaten ermittelt.

Therapie in zehn Tagen abgeschlossen

In einer Kontrollgruppe, die lediglich Omeprazol erhalten hatte, erreichten 36,5 Prozent der 197 Patienten den primären Endpunkt. Der Unterschied war signifikant (p = 0,03).

Dass die Antibiotikatherapie nachhaltig angeschlagen hatte, und zwar unabhängig davon, ob die Patienten NSAR oder Acetylsalicylsäure einnahmen, zeigt eine Subanalyse: Nach einem Jahr waren 88,6 Prozent der Patienten in der Interventionsgruppe "keimfrei", in der Placebogruppe 7,4 Prozent.

In der Antibiotikagruppe berichteten gut 78 Prozent der Patienten eine globale Symptomenverbesserung (im Gegensatz zu 67,5 Prozent in der Vergleichsgruppe; p = 0,02).

Vor allem konnte gezeigt werden, dass die H.-pylori-Eradikation mit einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität, gemessen mit einem 36-Punkte-Summenscore, einherging (p = 0,02). Positiv zu bewerten ist auch der Trend zu weniger Rescue-Medikamenten (p = 0,06).

Die Eradikation, das betonen die Autoren um Dr. Luiz Edmond Mazzoleni, hat vor allem gegenüber einer Therapie mit Protonenpumpenhemmern den Vorteil, dass sie innerhalb von zehn Tagen abgeschlossen ist.

Ein kosteneffektiver Ansatz

Die vorliegenden Daten sprechen dafür, so Mazzoleni weiter, Dyspepsiepatienten auf H. pylori zu screenen und im positiven Fall zu behandeln, sofern die Diagnose "funktionelle Dyspepsie" nach den ROME-III-Kriterien gesichert ist und die Endoskopie keine relevanten Befunde zeigt.

Auch wenn der Erfolg im Hinblick auf die Beschwerden mit einer Number Needed to Treat (Anzahl der notwendigen Behandlungen) von 8 relativ bescheiden ausfiel, gab ihm Kommentator Paul Moayyedi von der kanadischen McMaster University in Hamilton recht.

Die Dyspepsie sei ein multifaktorielles Geschehen, daher könne auch immer nur ein Teil der Patienten von einer bestimmten therapeutischen Strategie profitieren.

Vor diesem Hintergrund sei die Eradikation vor allem angesichts ihres Langzeitnutzens ein kosteneffektiver Ansatz.

Es sei außerdem nicht ausgeschlossen, dass man mit den dabei eingesetzten Antibiotika auch andere Erreger "erwischt", die eventuell für die Dyspepsie mitverantwortlich sein könnten.

Mehr zum Thema

Galenus-Gewinner – Orphan Drugs

Givlaari®: Chance bei hepatischer Porphyrie

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Impetigo bei einem fünf Jahre alten Kind.

© FotoHelin / stock.adobe.com

practica 2021

Bei Impetigo contagiosa ist Abstrich meist überflüssig

Gut ausgebildete Medizinische Fachangestellte werden immer häufiger aus den Praxen abgeworben, beklagt Virchowbund-Vorsitzender Dr. Dirk Heinrich. In der Corona-Pandemie habe sich gezeigt, wie systemrelevant MFA sind.

© Virchowbund

MFA häufig abgeworben

Virchowbund-Chef: „Ein Arzt alleine ist noch keine Praxis!“

Will beim 125. Deutschen Ärztetag Vizepräsident der Bundesärztekammer werden: Dr. Günther Matheis, Thoraxchirurg und Kammerchef Rheinland-Pfalz.

© Ines Engelmohr

Exklusiv Dr. Günther Matheis im Interview

„Hedgefonds werden auch im KV-System zu einem Problem“