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Harninkontinenz: Genaue Diagnose lohnt sich

Bei Frauen mit Harninkontinenz hilft eine genaue Diagnostik, frustrane Therapieversuche zu vermeiden. Ein Miktionstagebuch über drei bis fünf Tage kann dabei helfen.

Dr. Thomas MeißnerVon Dr. Thomas Meißner Veröffentlicht:
Bei Harninkontinenz gehören Urinalayse und Urethraabstriche zur Basisdiagnostik.

Bei Harninkontinenz gehören Urinalayse und Urethraabstriche zur Basisdiagnostik.

© foto.fred / fotolia.com

BERLIN. Die häufigsten Formen der Harninkontinenz bei Frauen sind die Belastungsinkontinenz und die sogenannte überaktive Blase sowie deren Mischformen.

Bei der Diagnostik der Harninkontinenz ist es wichtig, in Bezug auf die Kontraktilität des Beckenbodens zu klären, ob eine Atonie oder lediglich eine eingeschränkte Kontraktionsfähigkeit vorliegt.

Denn das Beckenbodentraining bringt zum Beispiel nichts, wenn eine Beckenbodenatonie oder eine Fehlkoordination der Muskulatur vorliegt.

Bei solchen Patientinnen müsse zunächst ein Biofeedback-Verfahren vorgeschaltet werden, erläutern Dr. Juliane Marschke und Professor Ralf Tunn vom St. Hedwig Krankenhaus in Berlin (Gynäkologie + Geburtshilfe 2011, 16: 32).

Die Urogynäkologen erinnern außerdem daran, dass anamnestisch sich häufig Symptome der Belastungsinkontinenz und der überaktiven Blase überschneiden. Sie raten, über drei bis fünf Tage ein Miktionstagebuch führen zu lassen.

Dies konkretisiert die individuelle Problematik. Einfachen Fehlern wie falschen Trink- und Miktionsgewohnheiten kommt man damit auf die Spur.

Fragen zu Medikation und Genussmitteln sind wichtig

Außer der allgemeinen und gynäkologischen Anamnese zu Voroperationen, Schwangerschaften und Entbindungen dürfen auch Fragen zur Medikation und zu Genussmitteln wie Alkohol und Koffein nicht vergessen werden, um deren Auswirkungen auf den unteren Harntrakt zu beurteilen.

Weil Entzündungen Inkontinenz- und Drangsymptome auslösen können, gehören die Urinanalyse und Urethraabstriche zur Basisdiagnostik. Bei der sonografischen Restharnbestimmung mit Hilfe eines Einmalkatheters gelten Werte von weniger als 50 ml als noch normal.

Ebenfalls zur Basisdiagnostik zählen Marschke und Tunn die Perineal- oder Introitussonografie. "Mit dieser dynamischen Methode kann die Lageveränderung der Beckenorgane beim Pressen und die Reaktionsfähigkeit des Beckenbodens beim Kneifen gut gezeigt werden."

Häufig ist beim Pressen eine proximale Trichterbildung der Urethra zu beobachten oder die Urethramobilität ist eingeschränkt. Zudem lassen sich sonografisch Urethradivertikel, die Drangbeschwerden erklären würden, erkennen, ebenso wie die bei überaktiver Blase verdickte Blasenwand.

Die erweiterte Diagnostik mit Messung der Urodynamik ist dagegen erst angezeigt, wenn die konservative Behandlung nicht erfolgreich war oder wenn chirurgische Maßnahmen geplant werden.

Lesen Sie dazu auch: Diese Wege führen zur Kontinenz

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