Hasenpest ist selten - doch es gibt sie noch

Die Hasenpest (Tularämie) ist in Deutschland extrem selten geworden. Bei plötzlich hohem Fieber und Lymphknotenschwellungen wird daher kaum daran gedacht.

Dr. Thomas MeißnerVon Dr. Thomas Meißner Veröffentlicht:

CHEMNITZ. Eine solche Erfahrung musste auch ein 23-jähriger Bundeswehrsoldaten machen, der plötzlich starke Halsschmerzen und 40° C Fieber hatte. Die Halslymphknoten, vor allem rechts, wurden immer größer, er litt unter Nachtschweiß. Zuerst war er wegen des Verdachts auf eine Tonsillitis behandelt worden, dann hieß die wahrscheinliche Diagnose Non-Hodgkin-Lymphom, berichten Dr. Emanuela Capka vom Klinikum Chemnitz und ihre Kollegen (Internist 2010, 51: 784). Zuletzt maß die Lymphknotenschwellung an der rechten Halsseite 7 x 8 cm und links immerhin 2 x 2 cm. Die Labor-Entzündungsparameter waren deutlich erhöht, es bestand eine Leukozytose.

Bei der Lymphknoten-Extirpation hatte sich aus einer Abszesshöhle schwallartig Eiter entleert, womit auch der Lymphom-Verdacht ad acta gelegt werden konnte. Die Kulturen des intraoperativ genommenen Abstrichs blieben ebenso steril wie die Blutkulturen. Wegweisend war schließlich der histologische Befund des entnommenen Lymphknotens.

Es bestand eine ausgeprägte retikulohistiozytäre Lymphadenitis und Perilymphadenitis. Damit seien nur wenige Krankheiten assoziiert, so Capka, darunter die Tularämie. Die serologische Untersuchung brachte im Falle des jungen Bundeswehrsoldaten die endgültige Diagnose. Zudem wurde im Wundabstrich Francisella-tularensis-spezifische DNA nachgewiesen.

Mikroabszess mit zentraler Nekrose (Stern) und Begrenzung durch radiär ausgerichtete Epitheloidzellen und Histiozyten (Pfeile).

Mikroabszess mit zentraler Nekrose (Stern) und Begrenzung durch radiär ausgerichtete Epitheloidzellen und Histiozyten (Pfeile).

© Capka / springer.com

Unter zweimal 500 mg Ciprofloxacin täglich klangen die Symptome allmählich ab, nach drei Wochen war die Operationswunde verheilt und der Patient beschwerdefrei. Francisella tularensis ist einer der am meisten infektiösen Erreger weltweit. 25 Bakterien in einem Aerosol reichen aus, um eine Infektionskrankheit auszulösen.

Die Infektion erfolgt meist durch den Biss infizierter Nager, Kaninchen oder über einen Insektenstich sowie bei Kontakt mit infektiösem Tiermaterial. Auch die Inhalation kontaminierten Staubs oder Hasenkots ist möglich. Der Soldat hatte sich wohl während einer Feldübung auf diesem Wege infiziert. Mensch-zu-Mensch-Übertragungen sind unbekannt.

Mehr zum Thema

Herzinfarkt-Prävention

Diabetes: Grippeimpfung schützt das Herz!

Empfehlung des CHMP

Mpox: Anwendung von Tecovirimat wird eingeschränkt

Das könnte Sie auch interessieren
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Gastbeitrag

Sind Eier wirklich so gefährlich für Herz und Gefäße?

Lesetipps
Vorbereitung für die Obduktion eines Leichnams.

© sudok1 / stock.adobe.com

Autopsiestudie

So häufig wird der Krebs erst nach dem Tod erkannt