Heidelberger Ärzten gelingt minimalinvasive Klappen-Op

HEIDELBERG (bd). Heidelberger Herzchirurgen und Kardiologen haben jetzt eine Herzklappe am schlagenden Herzen ersetzt. Der 81jährige Patient ist nach dem einstündigen minimalinvasiven Eingriff wohlauf. Die perkutane Herzklappenimplantation ist eine Option für Patienten mit einer hochgradigen Aortenstenose, die aufgrund zusätzlicher Risiken nicht am offenen Herzen operiert werden können. Etwa ein Drittel der Patienten mit einer Aortenstenose fallen nach Angaben der Herzspezialisten in diese Risikogruppe.

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Die neue Technik, die bislang nur an wenigen Zentren in Deutschland praktiziert wird, erlaubt es, die neue Klappe bei schlagendem Herzen über einen Katheter einzusetzen. Der Katheter wird über die Aorta bis zum Aortenabgang vorgeschoben. Premiere hatte das Verfahren 2002 in Rouen in Frankreich.

In Deutschland wurde die Methode erstmals 2005 in Siegburg praktiziert. Verwendet wird eine biologische Klappe eines amerikanischen Herstellers. Die Klappe wird aus einem Rinderherzbeutel gewonnen und besteht aus drei Taschen, die in einen Stent aus rostfreiem Stahl eingenäht sind.

Zwei Zugangswege zum Herzen sind grundsätzlich möglich, erläutert das Team um den Herzchirurgen Dr. Klaus Kallenbach und den Kardiologen Dr. Wolfgang Rottbauer. Bei der transapikalen Operation werden ein fünf bis zehn Zentimeter langer Schnitt in Höhe des fünften Rippenbogens der linken Thoraxhälfte gesetzt, die Herzspitze freigelegt und ein Zugang für den Katheter mit der Herzklappen-Prothese geschaffen.

Unter Röntgenkontrolle wird der Katheter von der Herzspitze bis zur verengten Herzklappe antegrad vorgeschoben. Diese wird mit einem Ballon aufgedehnt und so Platz für die Ersatzklappe geschaffen. Das Implantationsergebnis wird über Röntgenangiografie und Echokardiografie überwacht. Noch schonender ist der Zugang über die Leistenarterie.

Die transfemorale Operation erlaubt es sogar, auf den Schnitt im Brustkorb zu verzichten. Dabei wird der Katheter, der die Stent-Klappe trägt, über Leistenarterie und Aorta retrograd bis zur Aortenklappe vorgeschoben. Auf eine Vollnarkose kann dabei verzichtet werden.

Der große Vorteil beider Verfahren ist, dass sie äußerst schonend und somit auch für Risikopatienten geeignet sind, so die Einschätzung des Spezialistenteams um Professor Hugo Katus, dem Chef der kardiologischen Abteilung und seinem herzchirurgischen Kollegen, Professor Matthias Karck. Risiken wie Organischämien oder Embolien, die bei großen Eingriffen am offenen Herzen unter Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine auftreten, lassen sich vermeiden.

Kandidaten für den minimal-invasiven Zugang sind etwa alte Patienten mit einer hochgradigen Aortenstenose, die grundsätzlich für den konventionellen Aortenklappenersatz als ungeeignet gelten. Zu diesen gehören besonders Patienten mit Porzellanaorta, mit schwerer pulmonaler Hypertonie, sowie mit ausgeprägten Verwachsungen durch vorausgegangene Bestrahlungen oder Herzoperationen. Patienten mit schwerer respiratorischer Insuffizienz und einer Vitalkapazität unter 50 Prozent der Norm sind ebenfalls geeignet.

Rottbauer geht davon aus, dass die Haltbarkeit der bei dieser Methode eingenähten Klappen aus Rindergewebe ebenso gut ist wie die der ansonsten verwendeten biologischen Herzklappen: "Nach den bisherigen Erfahrungen halten biologische Klappen 15 bis 20 Jahre und vielleicht sogar länger", so Rottbauer zur "Ärzte Zeitung". Der erste Patient, der mit dieser Methode eine neue Herzklappe erhielt, lebt inzwischen seit drei Jahren damit.

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