Infektionen

Hochvirulente Listerien entdeckt

Ein neu entdeckter Vertreter von Listeria monocytogenes trägt Virulenzmerkmale verschiedener hochpathogener Listeria-Arten, die Tiere und Menschen infizieren.

Veröffentlicht: 08.10.2019, 14:16 Uhr

Gießen. Den virulentesten Vertreter von Listeria monocytogenes hat ein internationales Forscherteam unter Leitung der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) entdeckt (Nat Comm 2019; 10: 4283). Identifiziert wurde der Erreger als Ursache schwerer Erkrankungen bei Schafen in einem abgelegenen Gebiet der chinesischen Provinz Jiangsu, berichtet die JLU und erinnert, dass auch Tiere sich mit Listerien infizieren können.

Die Wissenschaftler um Erstautor Professor Yuelan Yin entschlüsselten die Genomsequenz dieser Bakterien und ermittelten so die genetische Grundlage für deren Hypervirulenz. Sie identifizierten die bakteriellen Faktoren, die die Fähigkeit dieses Listerienstamms verstärken, schwere septische Erkrankungen hervorzurufen.

„Diese Isolate sind insofern einzigartig, als dass sie die Virulenzmerkmale verschiedener hochpathogener Listeria-Arten, die entweder Tiere und / oder Menschen infizieren, in einem einzigen Stamm vereinen“, wird Autor Professor Trinad Chakraborty in der Mitteilung zitiert. Da es sich bei der Listeriose um eine durch Lebensmittel übertragene Infektion handelt, seien Maßnahmen zur Identifizierung hochvirulenter Stämme besonders wichtig.

Derzeit gibt es Listeriose-Ausbrüche in Deutschland, den Niederlanden, Litauen, Spanien, Großbritannien, Kanada und den USA, die vor allem die besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen bedrohen. Daher würden aktuelle erhebliche Anstrengungen unternommen, um die Herkunft der Erreger zu identifizieren und weitere Ausbrüche zu verhindern, so die JLU. (eb)

Mehr zum Thema

COVID-19-Patienten in Frankfurt

Fehlende Symptome schließen SARS-CoV-2-Infektion nicht aus

Neuartiges Coronavirus

So (un-)gefährlich ist eine Infektion mit SARS-CoV-2

Schlagworte
Kommentare
Dr. Horst Grünwoldt

Infektionen

Inficere (lat. hineinmachen)!
Insofern machen sich keine Bakterien oder Virus in einen warmblütigen Organismus aktiv hinein; sie können ihn auch nicht aggressiv oder hochpathogen "befallen"!! (Das ist leider die Sprache dramatisierender Mikro- und Molekularbiologen; besonders wenn man diese einsamen guten Labormenschen manchmal mit weit hochgerissenen Augenbrauen wichtigtuerisch einmal im Fernsehstudio als Seuchenprognostiker erlebt...)
Wie auch andere sog."Hochpathogene und hypervirulente Erreger" (lat. hoch krankmachende und höchstgiftigen Bakterien oder Virus-Partikel ?), so wird auch der erst auf geeigneten Nährmedien in Massen (in infektiöser Dosis) angereicherte und geschluckte ubiquitäre Schmutzkeim, das Listerium-Bakterium, in unserem Enterum potentiell krankmachend! Das kann natürlich auf/in einem ungekühlten ("bebrüteten"), schon kontaminierten und danach noch verzehrten Fleisch- oder Milch-Erzeugnis passieren.
Und so haben uns ständige Hygienemaßnahmen (Kühlkette, Händewaschen und Taschentuch vorm Mundhalten) schlicht davor zu schützen, dass es irgendwo zu diesen Massen-Keim-Vermehrungen -in organischen Ausscheidungen oder Schmutz-, zu infektiöser ("hereinmachender") E i n t r a g u n g en durch vergammelte Lebensmittel, oder unsere manuellen Verschmierungen, oder ausgehusteten / ausgenießten, infizierenden Aerosole nicht kommen kann.
Letzteres sind die wahren (vermeidbaren) ansteckenden "Ausbrüche"!
Wie wir alle wissen sollten, kommt es deshalb nicht zum "Ausbruch" (US-Slang "outbreak") einer ansteckenden Krankheit oder eines vermeintlichen Erregers, sondern zunächst schlicht nur zum Apparentwerden eines Krankheitsbildes mit spez. Symptomen, und zur labormäßigen "Feststellung" eines beteiligten Krankheitserregers in irgendeinem Körper oder Material!!
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt (krit. FTA für Hygiene und Mikrobiologie) aus Rostock


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Jens Spahn: Mit gesundem Lebensstil gegen Krebs

Deutscher Krebskongress

Jens Spahn: Mit gesundem Lebensstil gegen Krebs

Ist Chlorthalidon doch nicht besser als Hydrochlorothiazid?

Bluthochdruck-Therapie

Ist Chlorthalidon doch nicht besser als Hydrochlorothiazid?

Evidenz: Bringen Krebsregister Licht ins Dunkel?

„ÄrzteTag“-Podcast

Evidenz: Bringen Krebsregister Licht ins Dunkel?

Diese Website verwendet Cookies. Weitere Informationen zu Cookies und und insbesondere dazu, wie Sie deren Verwendung widersprechen können, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.  Verstanden