Direkt zum Inhaltsbereich

Im Alter tickt die Schilddrüse anders

Die Symptome einer Hyperthyreose sind im höheren Lebensalter anders als bei jüngeren Patienten. Bei älteren Patienten zeigt sich die Überfunktion häufig allein durch Herzrhythmusstörungen, Gewichtsverlust und Müdigkeit.

Veröffentlicht:
Kontrolle der Schilddrüsengröße und der Schilddrüsenmorphologie mittels Sonographie.

Kontrolle der Schilddrüsengröße und der Schilddrüsenmorphologie mittels Sonographie.

© Klaro

DÜSSELDORF (eb). Schilddrüsenhormone regulieren den Zellstoffwechsel und sind somit maßgeblich in den verschiedenen Lebensphasen eines Menschen an der Thermogenese, Alterungsprozessen besonders des Gehirns und des Herzens beteiligt.

Funktionsstörungen der Schilddrüse treten häufig im Zusammenhang mit bestimmten Lebensphasen oder "Hormonanpassungsphasen" wie Pubertät, Schwangerschaft und Wechseljahre auf, so Privatdozentin Beate Quadbeck von der Praxis für Endokrinologie Düsseldorf.

Bestimmte Schilddrüsenerkrankungen kommen eher bei jungen Menschen vor (Autoimmunität der Schilddrüse), während Schilddrüsenknoten und die damit assoziierten Funktionsstörungen (Überfunktion der Schilddrüse) eher mit dem Lebensalter steigen.

Wie bei vielen Alterungsprozessen in unserem Körper komme es auch bei den Hormonen zu einer Abnahme der Synthese und Sekretion (zum Beispiel die Östrogenproduktion der Frau in der Menopause).

Längere T4-HWZ im Alter

Auch bei Schilddrüsenhormonen sei mittlerweile bekannt, dass TSH und das biologisch aktive Trijodthyronin (T3) im Alter weniger synthetisiert werden, sagte die Endokrinologin aus Anlass eines Kongresses in Düsseldorf.

Auch komme es zu einer Verminderung der Jod-Clearance. Die Halbwertszeit von T4 hingegen ist im Alter verlängert. Aus Studien bei Hundertjährigen sei bekannt, dass T3 verbunden mit einem verminderten Stoffwechsel und niedrigem Körpergewicht besonders niedrig ist.

Die Symptome einer Hyperthyreose sind bei älteren Patienten anders als bei jüngeren Menschen. Häufig ist diese Art der Funktionsstörung im Alter allein durch Herzrhythmusstörungen, Gewichtsverlust und Müdigkeit gekennzeichnet.

Vorhofflimmern ist eine typische Komplikation einer Schilddrüsenüberfunktion bei Älteren und kommt bei jungen Menschen so gut wie nie vor.

Eine Monosymptomatik kognitiver Veränderungen wie Konzentrationsstörung, Depression oder Müdigkeit im Alter lässt häufig nicht an eine Schilddrüsenfunktionsstörung denken und ist häufig für das späte Erkennen der zugrunde liegenden Ursache verantwortlich, so Quadbeck.

Vorsichtige und niedrige Dosierung

Die Therapie einer Hypothyreose bei älteren Patienten mit Schilddrüsenhormonen ist aufgrund möglicher kardialer Nebenwirkungen vorsichtig und niedrig dosiert zu beginnen.

Insbesondere kognitive Prozesse, aber auch die Progression einer Atherosklerose können durch den gering dosierten Einsatz von Schilddrüsenhormonen bei älteren Patienten positiv beeinflusst werden.

Die Therapie einer Hyperthyreose im Alter sollte in Abwägung mit weiteren Krankheiten erfolgen - häufig kommt die Radiojodtherapie erfolgreich zum Einsatz.

Eine ungezielte Gabe von Schilddrüsenhormonen, um dem Alterungsprozess des Zellstoffwechsels eines ansonsten Schilddrüsengesunden entgegenzuwirken, ist nicht hilfreich und sogar eher kontraproduktiv, warnte Quadbeck.

Die Schilddrüsen-Initiative Papillon ruft auch dieses Jahr wieder zur Schilddrüsenwoche vom 23. bis 27. April auf; mehr Informationen dazu gibt es im Internet unter: www.schilddruese.de

Mehr zum Thema

DEGAM-Leitlinie

So sollten Sie bei Schilddrüsenknoten vorgehen

Kommentare
Sonderberichte zum Thema

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Abb. 1: Empagliflozin reduzierte auch bei niedriger Ausgangs-eGFR die Progression der chronischen Nierenkrankheit (Test für Heterogenität/Trend: a) 12=0,06, p=0.81; b) 12=6,31, p=0,012)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Chronische Nierenkrankheit

SGLT2-Inhibition: Nephroprotektiv auch bei stark erniedrigter eGFR

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Ko KG, Ingelheim am Rhein
Abb. 2: Sekundärer Endpunkt der BOREAS-Studie: Veränderung der Lungenfunktion unter Dupilumab versus Placebo

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Typ-2-Inflammation bei COPD

Bessere Lungenfunktion und mehr Lebensqualität durch IL-4/-13-Hemmung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Berlin, und Regeneron GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Pseudoresistenzen

Therapieresistente Hypertonie ist oft gar keine

Interimsanalyse der TRIM-Studie

Nachsorge von Melanomen: Bildgebung womöglich nutzlos

Lesetipps
Bakterien im Blutgefäß

© Artur / stock.adobe.com

Update der S3-Leitlinie

Neue Empfehlung in der Sepsis-Therapie