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Schilddrüsenkrebs

Immer mehr Erkrankungen

In den vergangenen Jahrzehnten zeigt sich weltweit ein Trend zu mehr Schilddrüsenkarzinomen. Forscher haben nun untersucht, woran das liegt.

Peter LeinerVon Peter Leiner Veröffentlicht:
Als Ursache für den Anstieg der Inzidenz von Schilddrüsenkarzinomen sehen Forscher unter anderem die verbesserte Diagnostik.

Als Ursache für den Anstieg der Inzidenz von Schilddrüsenkarzinomen sehen Forscher unter anderem die verbesserte Diagnostik.

© AlexRaths / iStock / Thinkstock

SHEFFIELD. In vielen Ländern ist innerhalb der vergangenen vier Dekaden ein Trend zu einem Anstieg der Inzidenz an Schilddrüsenkarzinomen zu erkennen. Das geht aus insgesamt 53 von 60 Studien hervor, die britische Ärzte und Gesundheitsforscher um Joseph J. Wiltshire von der Universität von Sheffield analysiert haben (Thyroid 2016; 26:1541-1552).

In sechs Studien habe sich die Inzidenz nicht verändert. In einer Studie sei eine Abnahme der Rate an Neuerkrankungen beschrieben worden.

60 Studien genügten strengen Einschlusskriterien.

Um mehr Klarheit über die Entwicklung der Zahl der Neuerkrankungen beim Schilddrüsen-Ca zu bekommen, haben die Forscher mehr als 4700 wissenschaftliche Veröffentlichungen dazu bis zum Jahr 2014 etwas genauer angeschaut. Insgesamt 60 Studien genügten schließlich ihren strengen Einschlusskriterien.

Die Dauer der Studien reichte von weniger als zehn bis zu 65 Jahre. Mit 31 Studien wurden die meisten in Europa unternommen, 13 in den USA und die übrigen in Asien, Ozeanien und Südamerika. Keine einzige Studie stammte aus einem Land Afrikas.

Am stärksten sei der Anstieg der Inzidenz von Schilddrüsen-Ca in Korea gewesen. Dort sei die altersstandardisierte Inzidenz bei Frauen von 10,4 im Jahr 1999 auf 96,8 im Jahr 2011 – jeweils pro 100.000 Einwohner – gestiegen. Das entspreche einem jährlichen Anstieg um 35,3 Prozent.

Wie sehen die Zahlen für Deutschland aus?

In Deutschland dagegen, von wo eine Studie stammte, die zwischen 1981 und 1995 gelaufen ist, habe es in diesem Zeitraum keine signifikanten Veränderungen gegeben, so die Forscher.

Die Ärzte aus Deutschland hätten angegeben, dass es durch verbesserte Jodversorgung zu einer Verschiebung bei den histologischen Subtypen des Schilddrüsenkarzinoms gekommen sei, ohne die Inzidenz insgesamt zu verändern. Deutschland und Bosnien sind der aktuellen Studie zufolge die einzigen europäischen Länder mit gleichbleibender Inzidenz.

Aus der Auswertung der Daten geht hervor, dass das papilläre Karzinom, das einen Anteil von 60 bis 70 Prozent unter den Schilddrüsenkarzinomen hat, am stärksten am Anstieg der Inzidenz beteiligt ist. In den meisten Studien sei das der Fall gewesen.

Als häufigsten Grund für den Anstieg wird in den entsprechenden Studien die Exposition gegenüber ionisierenden Strahlen angegeben, wie die Wissenschaftler berichten. Die aktuelle Studie bestätige Beobachtungen in früheren Untersuchungen.

Trend zur Behandlung kleinerer Tumoren

Als primäre Ursache für den Anstieg der Inzidenz von Schilddrüsen-Ca in einigen Ländern sehen Wiltshire und seine Kollegen die verbesserte Diagnostik sowie die Behandlung von Patienten mit subklinischen Erkrankungen in den vergangenen Dekaden.

In mehreren Untersuchungen, die für die Studie berücksichtigt worden waren, sei von einem Trend hin zur vermehrten Entdeckung und Behandlung kleinerer Tumoren (< 1 cm) berichtet worden. Mit der Zeit müsste die Zahl der entdeckten großen Tumoren abnehmen.

Dagegen habe allerdings in einer ganzen Reihe der berücksichtigten Studien die Zahl der entdeckten großen Tumoren (bis = 4 cm) zugenommen, so die Wissenschaftler, was für einen realen Anstieg der Schilddrüsenkarzinominzidenz spreche. Dies treffe zumindest für einige Regionen der Welt zu. Der Grund dafür sei unklar, außer etwa in Weißrussland in der Region um das Kernkraftwerk in Tschernobyl.

Wiltshire und seine Kollegen plädieren dafür, sich noch mehr als bisher in der Forschung darauf zu konzentrieren, den Zusammenhang zwischen der Diagnostik von Schilddrüsenerkrankungen und der Schilddrüsenkarzinominzidenz aufzuklären und Risikofaktoren für die Krebsentstehung aufzudecken.

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