Direkt zum Inhaltsbereich

Vulvakarzinom

Immer mehr jüngere Frauen erkranken

Die Zahl der Frauen, die an einem Vulvakarzinom erkranken, steigt offenbar, wie eine aktuelle Analyse über einen Zeitraum von 20 Jahren ergab. Dabei lässt vor allem die altersgruppenspezifische Auswertung aufhorchen.

Von Dr. Dagmar Kraus Veröffentlicht:
Ein verändertes Sexualverhalten und eine damit einhergehende steigende HPV-Prävalenz vermuten die Onkologen als Ursache für die steigende Zahl der Vulva-Karzinome.

Ein verändertes Sexualverhalten und eine damit einhergehende steigende HPV-Prävalenz vermuten die Onkologen als Ursache für die steigende Zahl der Vulva-Karzinome.

© fotoliaxrender - stock.adobe.com

SYDNEY. Im Vergleich zum Brustkrebs gehört das Vulvakarzinom ja zu den eher seltenen bösartigen Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane. Doch die Erkrankungszahlen scheinen gerade in den Industrienationen kontinuierlich zu steigen, wie aktuell auch australische Onkologen und Gynäkologen berichten.

Dr. Yoon-Jung Kang vom Cancer Counsil NSW in Sydney und seine Kollegen haben die Entwicklung der Erkrankungszahlen aus 13 Industrienationen über einen Zeitraum von 20 Jahren ausgewertet und anhand des ermittelten Trends eine Voraussage für die Zukunft gewagt (Int J Cancer 2017; online 30. August).

Mehr Erkrankungsfälle als früher

Für ihre Studie griffen die australischen Wissenschaftler auf die Zahlen der CI5 (Cancer Incidence in Five Continents)-Datenbank der International Agency for Research zurück, in der die Daten aus allen verfügbaren nationalen Krebsregistern zusammengeführt und in einem Fünf-Jahres-Rhythmus als Monografie veröffentlicht werden.

Für die Inzidenzbeurteilung herangezogen haben Kang und Kollegen schließlich die Daten aus den Zeiträumen 1988 bis 1992 sowie 2003 bis 2007, gesammelt in den Ländern Kanada, USA, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Island, Irland, Schweden, Schweiz, Niederlande, Großbritannien, Australien und Japan. Innerhalb des Beobachtungszeitraums von 20 Jahren waren die Inzidenzraten für Vulvakarzinome insgesamt um 14 Prozent (standardisierte Rate Ratio [SRR] = 1,14, 95%-KI 1,11-1,18) gestiegen, für die Gruppe der Frauen unter 60 Jahre sogar um 38 Prozent (SRR = 1,38, 95%-KI 1,30-1,46).

Bei den über 60-Jährigen hingegen sind die Erkrankungsraten stabil geblieben (SSR = 1,01, 95%-KI 0,97-1,05). Der durchschnittliche prozentuale Anstieg alle fünf Jahre (5-Jahres-AvPC) belief sich für die Gesamtheit aller Frauen auf 4,6 Prozent (p=0,005). Für die Gruppe der jüngeren Frauen betrug er 11,6 Prozent (p = 0,02). Bei Frauen über 60 Jahre wiederum war kein Anstieg zu beobachten (5-Jahres-AvPC = 0,1 Prozent; p = 0,94).

Somit zeichnet vor allem die Zunahme der jüngeren Patientinnen für die insgesamt steigenden Inzidenzraten verantwortlich. Die länderspezifische Auswertung ließ zudem erkennen, dass vor allem in Ländern Europas und Asiens der Anteil der jungen Patienten mit 51 Prozent und 69 Prozent überproportional gestiegen ist.

HPV-Infektion als Risikofaktor

Die Ergebnisse dieser Erhebung stimmen weitgehend mit denen vorausgegangener Studien überein, wie Kang und seine Kollegen festhalten. Die Zunahme der Erkrankungszahlen sehen die australischen Onkologen in einem veränderten Sexualverhalten und einer damit einhergehenden steigenden HPV-Prävalenz begründet. Das HP-Virus gilt als signifikanter Risikofaktor für die Entstehung eines Vulvakarzinoms.

Die Wissenschaftler prognostizieren, dass sich der Trend in Zukunft fortsetzen werde, nicht zuletzt aufgrund der demografischen Entwicklung und wachsender Bevölkerungszahlen. Sie räumen aber auch ein, dass die HPV-Impfung gerade jüngeren Frauen einen gewissen Schutz biete und mit einer hohen Impfquote der Trend aufgehalten werden könne.

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Körperliches Training

Mit einer Stunde mehr Sport die Brustkrebsmortalität senken?

Metastasen und Mortalität

Studie: Cribriforme Histologie erhöht das Risiko bei Prostatakrebs

Das könnte Sie auch interessieren
Wie Haus- und Fachärzte gemeinsam Impflücken schließen

© Vladimir Vladimirov | iStock (Symbolbild mit Fotomodellen)

Round-Table-Gespräch

Wie Haus- und Fachärzte gemeinsam Impflücken schließen

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Die häufigsten Praxisfragen zur Influenzaimpfung

© Aitor Diago | Getty Images

Wer, wann, womit?

Die häufigsten Praxisfragen zur Influenzaimpfung

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Hohe Verantwortung, moderate Impfquote

© FatCamera | Getty Images (Symbolbild mit Fotomodellen)

Impfstatus Klinikpersonal

Hohe Verantwortung, moderate Impfquote

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

© AndreasReh, Ljupco, tinydevil, shapecharge | istock

rHWI

Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

© Dr_Microbe | Adobe Stock

In vitro-Studien

Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Podcast Dr. Nele Frerksen-Kirschner

© Porträt: Dr. Nele Freerksen-Kirschner, Universitätsklinik Aachen | Hirn: grandeduc / stock.adobe.com

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Wechseljahresbeschwerden individuell behandeln

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gedeon Richter Pharma GmbH, Köln
Abb. 1: Aktuelle explorative Ad-hoc-Analysen der Studien SPOTLIGHT und GLOW: mOS vor und nach Zensierung†

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

CLDN18.2+, HER2− Adenokarzinom des Magens/gastroösophagealen Übergangs

Mit optimiertem Therapiemanagement den Behandlungserfolg mit Zolbetuximab unterstützen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Astellas Pharma GmbH, München
Abb. 1: OS von Patientinnen mit Endometriumkarzinom und Mismatch-Reparatur-Profizienz bzw. Mikrosatellitenstabilität

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Primär fortgeschrittenes/rezidivierendes Endometriumkarzinom

Nachhaltiger Überlebensvorteil durch Immuntherapie plus Carboplatin-Paclitaxel

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

„ÄrzteTag“-Podcast

Wie kommuniziert man Zahlen und Risiken verständlich, Dr. Lühnen?

Körperliches Training

Mit einer Stunde mehr Sport die Brustkrebsmortalität senken?

Lesetipps
Die deutsche Nationalelf bei einem Training.

© picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann / SVEN SIMON

Fußball-Weltmeisterschaft

WM-Kolumne: Wie das Hotel die Leistungsfähigkeit im Spiel beeinflusst

Eine Reihe von Holzfiguren steht nebeneinander.

© MidJen / stock.adobe.com / Generiert mit KI

Beschäftigung von Menschen mit Beeinträchtigung

Inklusiver Arbeitsplatz? Warum Praxen von Vielfalt im Team besonders profitieren