Morgen ist Weltmalariatag

In Deutschland gibt es immer mehr importierte Infektionen

Malaria ist nicht nur ein Problem weit entfernter Reiseländer: In Deutschland war die Zahl der importierten Erkrankungen im Jahr 2015 so hoch wie noch nie seit Beginn der Meldepflicht.

Anne BäurleVon Anne Bäurle Veröffentlicht:
Stechmücken, vor allem Anopheles gambiae, übertragen die Malaria-Erreger auf den Menschen.

Stechmücken, vor allem Anopheles gambiae, übertragen die Malaria-Erreger auf den Menschen.

© Henrik Larsson / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Malariafälle häufen sich immer wieder in Risikoländern, aktuell etwa in Venezuela, Kolumbien und auch in Nordnamibia – ein Land, das auch viele deutsche Touristen anzieht. So berichtet das Centrum für Reisemedizin CRM, seit Dezember des vergangenen Jahres seien in Namibia rund 12.000 Infektionen und 18 Todesfälle gemeldet worden.

Doch auch in Deutschland zeichnet sich ein ungünstiger Trend ab: Während sich zwischen 2004 und 2014 die Zahl der eingeschlepptem MalariaInfektionen fast halbiert hatte – von mehr als 1000 auf 600 Fälle im Jahr – , gab es 2014 und 2015 jeweils wieder mehr als 1000 Fälle. Insgesamt meldete das Robert Koch-Institut (RKI) 1068 Malaria-Fälle für das Jahr 2015 – die bisher höchste Fallzahl seit Bestehen der Meldepflicht. Zwei Männer im Alter von 24 und 70 Jahren starben an einer Infektion mit dem Erreger Plasmodium (P.) falciparum.

Höchste Inzidenz bei Jugendlichen

Die höchste Inzidenz trat dabei mit 5,1 Fällen / 100.000 Einwohnern bei Jugendlichen im Alter von 15 bis 19 Jahren auf, gefolgt von der Altersgruppe der 20- 24-Jährigen (3,4 Fälle / 100.000 Einwohner). Jungen und Männer infizierten sich dabei 3,5-mal häufiger als Mädchen.

"Die Unterschiede zwischen den Inzidenzen bei Männern und Frauen (..) sind vermutlich auf ein unterschiedliches Reise- und Präventionsverhalten beziehungsweise auf unterschiedliche Personengruppen unter den nach Deutschland neu Einreisenden zurückzuführen", merkt das RKI dazu im Infektionsepidemiologischen Jahrbuch 2015 an.

In 80 Prozent der Infektionsfälle seien Personen mit Migrationshintergrund betroffen – eine Gruppe, die bei Vorsorgemaßnahmen nur schwer angesprochen werden kann.

Probleme bereitet immer wieder die korrekte Diagnose: "Auch in Deutschland werden leider immer wieder Fehldiagnosen gestellt und dadurch schwerwiegende, gegebenenfalls sogar tödliche Verläufe möglich, da die Erkrankung zumeist unspezifische Symptome zeigt", schreiben Dr. Martin Alberer und seine Kollegen von der Ludwig-Maximilian-Universität München in einem Fortbildungsbeitrag (Monatsschrift Kinderheilkunde 2016; 164:705-718).

Mehr Fälle von Malaria tertiana

Bei 1030 von 1068 der im Jahr 2015 gemeldeten Fälle gibt es Angaben zur Erregerspezies: Der Erregertyp P. falciparum wurde bei mehr als der Hälfte der Infektionen als Erregertyp diagnostiziert.

Mit 30 Prozent lag P. vivax an zweiter Stelle (2001-2013 im Mittel nur 11 Prozent), gefolgt von P. malariae (drei Prozent aller gemeldeten Fälle).

P. falciparum löst die gefürchtete Malaria tropica aus, P. vivax die Malaria tertiana. "Der höhere Anteil von Malaria tertiana im Vergleich mit den Jahren vor 2014, sowie vergleichsweise viele Fälle in Verbindung mit dem Infektionsland Eritrea sprechen dafür, dass die höhere Zahl von Fällen zu einem großen Teil durch aus dem nordafrikanischen Raum nach Deutschland einreisenden Personen bedingt ist", so das RKI.

Mit Mosquirix® ist im Jahr 2015 ein erster Impfstoff gegen Malaria von der Europäischen Arzneimittelbehörde zugelassen worden, allerdings mit Einschränkungen: Verfügbar ist er nur für Kleinkinder in Endemiegebieten, sodass er in der Reisemedizin nicht eingesetzt werden kann. "Die Erfolge sind aber nicht so gut wie man sich das erhofft hat", sagte Professor Tomas Jelinek bei einer Veranstaltung aus Anlass des 18. Forums Reisen und Gesundheit in Berlin. Die protektive Effektivität habe in den Studien nur bei 30 Prozent über 18 Monate gelegen.

Eine aktuelle Studie über sieben Jahre habe zudem ergeben, dass die Impfung Kindern in Hochrisikogebieten sogar eher schade. "Die geimpften Kinder weisen bei einer Infektion mit dem Malaria-Erreger schwerere Krankheitsverläufe auf", sagte Jelinek. "Grund ist wahrscheinlich, dass die Kinder bei einer frühen Impfung keine natürliche Teilimmunität entwickeln können."

Der Impfschutz werde sowieso recht bald wieder abgebaut und dann fehle diesen Kindern auch noch die Teilimmunität. Dementsprechend verlaufe eine Infektion mit dem Malaria-Erreger schlimmer.

Mehr zum Thema

Turbulente Debatte

Brandenburger Landtag berät über Corona-Ausschuss

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Jürgen Windeler im Interview

„Das Gesundes-Herz-Gesetz ist völlig gaga!“

Schon im ersten Trimester

Frühere Diagnostik des Gestationsdiabetes gefordert

Nächste Woche erste Lesung im Bundestag

Linkes Bündnis nennt Lauterbachs Klinikpläne Etikettenschwindel

Lesetipps
Hört die KI künftig in Praxis- und Klinikalltag mit? Beim Healthcare Hackathon in Berlin wurden gleich mehrere Szenarien getestet, bei denen eine Art Alexa etwa bei der pflegerischen Aufnahme unterstützt.

© Andrey Popov / stock.adobe.com

Healthcare Hackathon

Wie KI zur echten Praxis- und Klinikhilfe wird

Professor Ferdinand Gerlach

© Wolfgang Kumm/dpa/picture alliance

Interview

Gerlach: „Es gibt keinen allgemeinen Ärztemangel und keine generelle Überalterung“

Gemälde von Menschen auf einer tropischen Insel, die um eine übergroße Mango tanzen.

© Preyanuch / stock.adobe.com

Kinetose

Mango, Musik, Medikamente – was gegen Reisekrankheit hilft