Direkt zum Inhaltsbereich

Inhalierbares Insulin - Zusatznutzen wird in Studie geprüft

HAMBURG (ple). Mit inhalierbarem Insulin gibt es seit kurzem eine völlig neue Therapie-Option für Typ-1- und Typ-2-Diabetiker. Unklar ist allerdings, ob sie im Vergleich zur subkutanen Insulintherapie zusätzlichen Nutzen bietet. In einer großen Studie wird das derzeit überprüft.

Veröffentlicht:

In einer Metaanalyse der Ergebnisse von elf Studien stellte sich heraus, dass sich durch die Therapie mit inhalierbarem Insulin (Exubera®) der HbA1c-Wert bei Diabetikern genauso gut senken lässt wie durch die subkutane Therapie. Daran hat Privatdozent Burkhard L. Herrmann aus Bochum erinnert. Andererseits erreichten in den Zulassungsstudien für inhalatives Insulin nur 22 Prozent der Patienten nach 24 Wochen einen HbA1c-Wert unter sieben Prozent, von Patienten mit subkutaner Therapie in der "Diabetes Control and Complications"-Studie jedoch 65 Prozent. Ein Nachteil der inhalativen Therapie seien zudem die Kosten. Sie lägen mit subkutaner Insulintherapie bei 1,50 Euro pro Tag, mit inhalierbarem Insulin bei etwa 3,50 Euro pro Tag, so Herrmann beim Diabetes-Kongress in Hamburg.

Für Professor Stephan Martin aus Düsseldorf hat das inhalierbare Insulin klare Vorteile. So gebe es Hinweise, dass die Patienten mit der Therapie weniger zunehmen als Patienten, die sich Insulin spritzen. Außerdem belegten erste Daten, dass die periphere Wirkung von inhalativem Insulin, die muskuläre Glukoseaufnahme, größer als von subkutan verabreichtem Insulin ist. Zudem würden nach Aufnahme von Insulin über die Lunge niedrigere Nüchtern-Blutzucker-Werte erreicht als nach dem Spritzen. Schließlich seien die Patienten mit dem inhalativen Insulin zufrieden: "Wer in den Studien Insulin inhaliert hatte, wollte auch dabei bleiben", so Martin bei einer Veranstaltung des Unternehmens Pfizer.

Um Klarheit über den Zusatznutzen von inhalierbarem Insulin zu erhalten, läuft derzeit die Studie EXPERIENCE mit 739 Typ-2-Diabetikern über insgesamt ein Jahr. Die Patienten sprachen zuvor nicht ausreichend auf orale Antidiabetika an. Wie Professor Nick Freemantle aus Birmingham berichtet hat, erhält die eine Hälfte der Patienten die Standard-Therapie (auch subkutan verabreichtes Insulin), die Vergleichsgruppe zusätzlich inhalierbares Insulin. Primärer Endpunkt der Studie sei die Differenz der HbA1c-Werte zwischen den Gruppen nach sechs Monaten. Noch 2007 werden die Ergebnisse der Studie erwartet.

Infos zum Kongress: www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Risikogruppen bei Prädiabetes

Wem nützt die bariatrische Chirurgie am meisten?

Deutliche Geschlechterunterschiede

Typ-2-Diabetes verschlechtert Prognose von Männern mit frühem Melanom

Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Abb. 1: Empagliflozin reduzierte auch bei niedriger Ausgangs-eGFR die Progression der chronischen Nierenkrankheit (Test für Heterogenität/Trend: a) 12=0,06, p=0.81; b) 12=6,31, p=0,012)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Chronische Nierenkrankheit

SGLT2-Inhibition: Nephroprotektiv auch bei stark erniedrigter eGFR

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Ko KG, Ingelheim am Rhein
Abb. 2: Sekundärer Endpunkt der BOREAS-Studie: Veränderung der Lungenfunktion unter Dupilumab versus Placebo

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Typ-2-Inflammation bei COPD

Bessere Lungenfunktion und mehr Lebensqualität durch IL-4/-13-Hemmung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Berlin, und Regeneron GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Krisenresilienz

Stromausfall in Reutlingen: Eine Ärztin schildert ihre Erfahrungen

Fußball-Weltmeisterschaft

WM-Kolumne: Wie das Hotel die Leistungsfähigkeit im Spiel beeinflusst

Lesetipps
In der Schwangerschaft soll eine medikamentöse Blutdrucktherapie ab Werten 140/90 mmHg initiiert werden.

© Dragana Gordic - stock.adobe.com

Gestationshypertonie und Co.

Bluthochdruck in der Schwangerschaft: So gehen Sie therapeutisch vor