Multiple Sklerose

Interferon-beta-Mittel sind bei MS ähnlich gut wirksam

KÖLN (nsi). Bei Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose (MS) sind die verfügbaren Interferon- beta-Präparate in einem Therapie-Zeitraum von zwei Jahren ähnlich gut wirksam. Fast 50 Prozent der Patienten, die dabei intramuskuläres IFN-beta-1a (Avonex®) als Initialtherapie erhalten, haben innerhalb von zwei Jahren keine neuen MS-Schübe.

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Mit der i.m.-Therapie sind über 80 Prozent der Patienten nach zwei Jahren noch ohne Krankheitsprogression, haben sich also im Score EDSS - er spiegelt den Behinderungsgrad bei MS wider - um weniger als einen Punkt verschlechtert. Das ist eines der Ergebnisse der Beobachtungsstudie QUASIMS (Quality Assessment in Multiple Sclerosis Therapy).

Fast 5000 Patienten nahmen an der retrospektiven Studie teil

In die retrospektive Studie wurden 4475 Patienten mit schubförmiger MS aufgenommen. Sie sollte Informationen zur Effektivität der IFN-beta-Präparate in der Praxis bringen, aber auch dazu, ob die Patienten davon profitieren, wenn sie von einem Medikament auf ein anderes wechseln. Das hat Privatdozent Volker Limmroth von der Neurologischen Klinik der Städtischen Kliniken in Köln bei einer Veranstaltung von Biogen Idec in Köln berichtet.

Verglichen wurden intramuskulär injiziertes IFN-beta-1a, subkutan injiziertes IFN-beta-1a in den Dosierungen 22 µg und 44 µg und subkutan injiziertes IFN-beta-1b. Nach zwei Jahren gab es keine signifikanten Unterschiede in der Wirksamkeit der IFN-beta-Präparate, weder bei Patienten, die von Anfang an nur mit einem der vier IFN-beta-Mittel behandelt wurden, noch bei den Patienten, die von einem IFN-beta-Präparat auf ein anderes umgestellt wurden.

Die mittlere jährliche Schubrate betrug im Beobachtungszeitraum von zwei Jahren 0,48 MS-Schübe pro Jahr für das i.m. angewandte Mittel und lag für die anderen IFN-beta-Präparate zwischen 0,52 und 0,65 neuen Schüben pro Jahr. Unter der i.m.-Therapie blieben mit 48 Prozent auch etwas mehr Patienten schubfrei als bei Initialbehandlungen mit anderen Präparaten - hier lag der Anteil von Patienten ohne erneuten Schub innerhalb von zwei Jahren zwischen 35 und 46 Prozent.

Ein Wechsel der Präparate brachte im Verlauf von zwei Jahren keine Besserung des klinischen Verlaufs. Unterschiede könnten sich aber bei längerer Beobachtung noch zeigen, sagte Limmroth. Mit dem i.m.-Präparat gab es ferner auch signifikant weniger Therapieabbrüche wegen Hautreaktionen als mit den anderen Präparaten.

Offenbar begünstigt das intramuskuläre MS-Mittel auch die Therapietreue, wie Daten der GAP-Studie (Global Adherence Project) belegen. Die Daten hat Professor Bernd Kieseier von der Neurologischen Klinik der Universität Düsseldorf vorgestellt. 2566 Patienten wurden gefragt, ob sie in den vergangenen vier Wochen eine Dosis der vier Interferon-Präparate ausgelassen hatten.

Für das i.m.-Mittel war die Zahl der Patienten, die alle Injektionen vorgenommen hatten, mit 85 Prozent am höchsten. Bei den übrigen IFN-beta-Präparaten lag der Anteil der therapietreuen Patienten zwischen 70 und 78 Prozent. Die Therapie mit intramuskulärem IFN-beta-1a biete günstige Voraussetzungen für eine konstant wirksame Langzeittherapie, folgert Kieseier.

Weitere umfangreiche Informationen zu Multipler Sklerose gibt es im Internet unter http://www.dgn.org



STICHWORT

EDSS

Die Skala EDSS (Expanded Disability Status Scale) informiert über den Grad der Behinderung eines MS-Patienten. Sie reicht von 0,0 (keine neurologischen Defizite) bis 10 (Tod infolge MS). Die Einordnung des Behinderungsgrades eines MS-Patienten in der EDSS beruht auf der Untersuchung der Funktionellen Systeme. Dazu gehört etwa die Untersuchung von Pyramidenbahn (etwa Lähmungen), Kleinhirn (etwa Ataxie, Tremor), Blasen- und Mastdarmfunktionen (etwa Urininkontinenz) und der Sehfunktionen (etwa eingeschränktes Gesichtsfeld). (eb)

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