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Psychotherapeuten

Kaum Zugriff auf Männer-Psychen

Psychotherapeuten klagen: Männer mit Depressionen bleiben oft unbehandelt, weil ihre psychische Erkrankung zu selten diagnostiziert wird. Männersprechstunden könnten Abhilfe schaffen.

Von Sunna Gieseke Veröffentlicht:
Alkohol als Problemlöser? Das Gegenteil ist der Fall. Alkoholsucht kann ein Zeichen für eine Depression sein.

Alkohol als Problemlöser? Das Gegenteil ist der Fall. Alkoholsucht kann ein Zeichen für eine Depression sein.

© photos.com

BERLIN. Männer reagieren anders auf Depressionen als Frauen. Während sich die Krankheit bei ihnen eher in Niedergeschlagenheit äußert, betäuben Männer ihre Gefühle öfter mit Alkohol und neigen zu riskantem Verhalten.

"Männer leiden anders - aber sie leiden auch" lautet daher das Fazit des Symposiums "Mann kriegt die Krise" der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung (DPtV) in Berlin.

Der unterschiedliche Umgang von Männern und Frauen mit der Erkrankung hat laut Experten dramatische Folgen: "Psychische Störungen bei Männern werden zu selten diagnostiziert", sagte Gender-Forscherin Professor Anne Möller-Leimkühler. Männerspezifische seelische Störungen würden in weiten Teilen der Medizin und der Öffentlichkeit kaum beachtet.

Die Folge seien Fehlversorgung und enorme gesellschaftliche Folgekosten: Wenn behandelt werde, dann eher spät, stationär und teuer, statt früh, ambulant und kostengünstig, so Möller-Leimkühler.

Depression bei neun Prozent der Männer

Männer seien jedoch mindestens genauso oft von psychischen Erkrankungen betroffen wie Frauen, betonte Dieter Best, DPtV-Bundesvorsitzender.

Laut Männergesundheitsbericht 2013 ist bei neun Prozent der Männer in Deutschland eine Depression diagnostiziert worden. Die Dunkelziffer sei wahrscheinlich weit höher, heißt es in dem Bericht.

Anne Starker vom Robert Koch-Institut sagte: Sterbefälle nach Suizidversuchen seien bei Männern häufiger als bei Frauen.

Laut RKI gab es bei Männern im Jahr 2011 etwa 7600 Suizide, bei Frauen waren es 2500. In psychotherapeutischen Praxen ist das Verhältnis nahezu umgekehrt. Im Schnitt seien nur 30 Prozent der Patienten männlich, so Best.

Männergerechte Psychotherapien seien Mangelware: Hier seien auch die Psychotherapeuten gefragt, ergänzte der Kieler Psychologe Johannes Vennen. Er plädierte für niedrigschwellige Angebote für Männer. Sinnvoll seien zum Beispiel eigene Männersprechstunden.

Es gehörten auch angepasste Sprechzeiten dazu: Diese sollten der Lebenswelt von Männern entsprechen und sich auch auf die Abendstunden die Wochenenden erstrecken, so Vennen.

Ebenso dazu zählten die Raumgestaltung und auch die Zeitschriften im Wartebereich. Auch die Therapieformen sollten sich von denen für Frauen unterscheiden und Rollenspiele, Präsentationen sowie Übungen wie Konfrontation/Provokation einbeziehen.

Allerdings müsse er mehr Frauen ablehnen, die auch dringend eine Psychotherapie bräuchten, je mehr Männer er in seiner Praxis annehme.

Wartezeiten verkürzen

Noch immer müssten Patienten drei Monate auf ein Erstgespräch beim Psychotherapeuten warten. Diese Situation werde sich auch mit der neuen Bedarfsplanung nicht deutlich verbessern, kritisierte Best.

1350 neue Sitze sollen im ländlichen Raum für Psychotherapeuten entstehen - das spiegle in keinem Fall den tatsächlichen Bedarf wider.

Grünen-Politikerin Maria Klein-Schmeink kritisierte die Bedarfsplanungsreform der schwarz-gelben Koalition daher als nur einen "kleinen Schritt vorwärts". Vor allem im Ruhrgebiet gebe es keine Verbesserungen.

CDU-Politiker Dietrich Monstadt verteidigte die Reform: Damit sei ein wichtiger Prozess angestoßen worden.

TK-Vize Thomas Ballast plädierte für eine Koordination der Therapieplatzvergabe: Ziel müsse eine Versorgung sein, die sich am tatsächlichen Bedarf orientieren müsse.

Auf diese Weise könnten lange Wartezeiten auf einen Therapieplatz verkürzt werden, so Ballast. Vor allem sollten diejenigen eine Psychotherapie erhalten, die tatsächlich eine bräuchten.

Forderung: Psychotherapeuten ins Präventionsgesetz

Best kritisierte den TK-Vorschlag scharf: Damit lasse sich der Mangel an Psychotherapeuten auch nicht besser verwalten. Er forderte die schwarz-gelbe Koalition zudem auf, die Psychotherapeuten in das geplante Präventionsgesetz zu schreiben.

Hier seien bislang nur die Ärzte erwähnt. Wolle man jedoch Volkskrankheiten wie Depression erfolgreich bekämpfen, müssten auch die Psychotherapeuten stärker mit eingebunden werden.

Zudem sei es notwendig, die Befugnisse für Psychotherapeuten auszuweiten. Damit könne man die Versorgung für die Patienten verbessern: Vor allem dann, wenn Psychotherapeuten die Möglichkeit erhielten, Patienten krank zu schreiben beziehungsweise sie an Kliniken zu überweisen, so der DPtV-Vorsitzende.

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