"Kein Bewußtsein für die Gefahr"

WITTEN (jgr). Medizinstudenten der privaten Universität Witten/Herdecke engagieren sich im Kampf gegen HIV und Aids in der Ukraine. Die angehenden Ärzte wollen mit Kommilitonen der National Medical University Kiev die Aufklärung über HIV in der Ukraine vorantreiben und darüber hinaus Präventionskonzepte entwickeln.

Veröffentlicht:

Die Ukraine hat weltweit die höchste HIV-Neuinfektionsrate. Von 48 Millionen Einwohnern waren dem jüngsten Aids-Bericht der Vereinten Nationen zufolge im Jahr 2004 zwischen 350 000 und 600 000 Menschen HIV-positiv. Jeden Tag kommen schätzungsweise 150 bis 200 Infektionen hinzu.

Diese Zahlen waren für Wittener Medizinstudenten der Anstoß, den sogenannten Students-Health-Dialogue (SHD) zu gründen. Die Mitglieder dieser Initiative wollen Kontakt zu Kommilitonen in anderen Ländern aufnehmen, um sich mit ihnen über medizinische Fragen auszutauschen. An erster Stelle steht die Zusammenarbeit mit Studenten in Kiew gegen die Verbreitung von HIV.

"Es gab in der Ukraine lange kein Bewußtsein für die Gefahr", erklärt der SHD-Vorsitzende Janosch Dahmen. "Zudem gibt es eine sehr große Tabuisierung der Krankheit." Vielen Aids-Patienten werde von Ärzten die Behandlung verweigert - aus Angst vor Ansteckung oder auch aus dem Glauben heraus, ohnehin nicht helfen zu können.

Um gegen solche Mißstände anzugehen, arbeiten die deutschen und ukrainischen Medizinstudenten an einer Aufklärungskampagne für Schulen und Universitäten. In Workshops sollen die teilnehmenden Studenten Wissen über HIV und Aids erwerben, das sie an andere Studenten oder Schüler weitergeben.

Zehn Medizinstudenten aus Kiew waren in Witten, um Aids-Beratungsstellen zu besuchen und Vorträge von Experten, etwa von der Weltgesundheitsorganisation, zu hören. Der SHD setzt sich auch dafür ein, daß die Beschäftigung mit dem HI-Virus in das medizinische Curriculum ukrainischer Universitäten aufgenommen wird.

Mit ihrem Engagement gewannen die Wittener Studenten beim Wettbewerb "startsocial" den ersten Preis im Bereich "Medizinische Hilfe im Ausland". Der Wettbewerb wird unter anderem von Siemens ausgeschrieben und zeichnet das beste soziale Projekt aus.

Mehr zum Thema

Fortschritte in der HIV-Impfstoffforschung

B-Zellen im Fokus der HIV-Immunisierung

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Dr. Michael Noetel von der Universität Queensland in St. Lucia und sein Team resümieren, dass Sport eine wirksame Behandlung für Depressionen ist, wobei Gehen oder Joggen, Yoga und Krafttraining besser wirken als andere Aktivitäten, insbesondere wenn sie intensiv sind.

© ivanko80 / stock.adobe.com

Metaanalyse

Diese Sportarten können Depressionen lindern