Diabetes-Screening

Kein Effekt auf Sterberate

Macht ein Screening auf Diabetes Sinn? Britische Forscher präsentieren dazu neue, überraschende Daten: Sie zeigen: Die Sterberate lässt sich dadurch nicht signifikant senken.

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Ein Tropfen Blut: rasch gewonnenes Material für die Blutzuckermessung.

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© Klaro

CAMBRIDGE / UK (BS). Der Nutzen von Reihenuntersuchungen zur frühen Diagnose eines Diabetes ist fraglich. In einer randomisierten Studie führten sie nicht zum Rückgang der 10-Jahres-Mortalität.

An der britischen Studie hatten sich 33 Allgemeinarztpraxen beteiligt: 28 Praxen hatten Einladungen zum Diabetes-Screening verschickt, die anderen dienten als Vergleichsgruppe.

Berücksichtigt wurden Patienten zwischen 40 und 79 Jahren, die aufgrund von Faktoren wie BMI, Familienanamnese, Steroidgebrauch oder Bluthochdruck als Patienten mit hohem Diabetes-Risiko identifiziert worden waren (Lancet 2012; online 4. Oktober).

Kein signifikanter Unterschied

Von 16.047 Risikopatienten aus Screening-Praxen wurden 94 Prozent zwischen 2001 und 2006 zu einer einmaligen Früherkennungsuntersuchung eingeladen.

11.737 Patienten (73 Prozent) kamen der Aufforderung nach, und bei 466 Patienten (3 Prozent) wurde Diabetes festgestellt und eine Therapie eingeleitet.

In den Praxen ohne Screening waren 4137 Patienten als Risikopatienten eingestuft.

Während der folgenden knapp zehn Jahre starben 1532 Patienten der Screening-Gruppe und 377 Kontroll-Patienten (10,50 versus 9,89 Todesfälle pro 1000 Personenjahre).

Der Unterschied war nicht signifikant. Auch bei den Todesfällen durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs oder in Zusammenhang mit Diabetes hatte das Screening keinen Einfluss.

Überraschendes Ergebnis

Dieses Ergebnis kam auch für die Studienautoren unter Leitung von Dr. Simon Griffin vom Institute of Metabolic Science in Cambridge unerwartet.

Sie waren davon ausgegangen, dass durch ein Screening für gefährdete Personen die diabetesbezogene und die Gesamtmortalität sinken würden.

Warum jedoch blieb dieser Effekt aus? Griffin vermutet, dass es sich um einen Verdünnereffekt handeln könnte: Da das Screening erstaunlicherweise nur 3 Prozent der Risikopatienten als Diabetiker enttarnte, hatte die Verbesserung ihrer Prognose möglicherweise einen zu geringen Einfluss auf das Gesamtergebnis.

Vorstellbar ist auch, dass durch "opportunistisches" Screening in der Kontrollgruppe der Unterschied zur Interventionsgruppe geschmälert wurde. Auch die insgesamt bessere Überwachung und Kontrolle von kardiovaskulären Risikofaktoren könnte dazu beigetragen haben.

Quelle: www.springermedizin.de

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Gute Argumente sind keine Beweise

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