Infektionen

MRSA-Screening wird bald Aufgabe der Vertragsärzte

Bald können niedergelassene Ärzte die Erkennung und Behandlung von Patienten mit Infektionen durch multiresistente Erreger abrechnen. Das ist im Rahmen des Klinikhygienegesetzes geplant.

Von Angela Misslbeck Veröffentlicht: 11.05.2011, 16:08 Uhr
MRSA-Screening wird bald Aufgabe der Vertragsärzte

Händedesinfektion ist eines der wirksamen Mittel gegen MRSA-Keime und deren Verbreitung.

© Nomad_Soul / shutterstock

BERLIN. Multiresistente Erreger (MRE) verursachen im deutschen Gesundheitswesen jährlich Kosten in Milliardenhöhe und stellen ein wachsendes Problem dar. Deshalb will die Bundesregierung nun, dass die Krankenkassen sich die Behandlung im ambulanten Bereich etwas mehr kosten lassen.

Der Entwurf zum Klinikhygienegesetz sieht vor, dass in der Gebührenordnung EBM eine neue Abrechnungsziffer für die Behandlung von Patienten mit MRE-Infektionen geschaffen wird.

Damit will das Bundesgesundheitsministerium (BMG) der Tatsache Rechnung tragen, dass für eine erfolgreiche Behandlung von Patienten mit MRE-Infektionen umfangreiche Sanierungsmaßnahmen und Nachkontrollen nötig sind, an denen auch die ambulante Medizin mitwirken muss.

Ziel ist bessere Bezahlung für die Behandlung

Die Details zur Abrechnung muss nach der Verabschiedung des Gesetzes der Bewertungsausschuss von Ärzten und Krankenkassen regeln. Ausdrückliches Ziel des Ministeriums ist eine bessere Bezahlung für die Behandlung infizierter Patienten im ambulanten Bereich.

Die Infektionsraten mit resistenten Erregern stagnieren in Deutschland laut BMG "auf hohem Niveau". Sie sind hierzulande deutlich höher als in den Nachbarstaaten. So gelten beispielsweise in Holland Patienten, die aus Deutschland kommen als Risikopatienten mit Blick auf eine Infektion mit dem häufigsten resistenten Erreger MRSA.

Das Problem der MRE-Behandlung stellt sich doppelt, denn es gibt immer mehr multiresistente Erreger und gleichzeitig immer weniger Therapieoptionen. Als Hauptursachen für die Zunahme von Resistenzen gelten die unsachgemäße Verordnung von Antibiotika und Hygienemängel.

Nicht nur Krankenhäuser sind mit MRE zunehmend konfrontiert. Die Keime werden oft außerhalb von Kliniken erworben und übertragen. Daher kann keine Strategie gegen MRE auf niedergelassene Ärzte verzichten.

Wie es geht, zeigt die KV Westfalen-Lippe

In der ambulanten Medizin gibt es hier bereits vielfältige Initiativen und Erfahrungen. So befasst sich die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe schon seit 2005 im Rahmen des EU-Projektes EUREGIO-MRSA Twente/Münsterland intensiv mit diesem Thema.

Von 2006 bis 2008 hat sie rund 1000 niedergelassene Ärzte in der Behandlung von MRE geschult. Seit 2009 unterstützt sie die Bildung und Arbeit von Netzwerken. Sie koordiniert auch das Kompetenzzentrum Patientensicherheit in Sachen MRSA, an dem mehrere KVen mitwirken. Nicht zuletzt ist sie Vorreiterin in Sachen Abrechnung.

Denn im Bereich der KVWL gibt es für die Abrechnung der Betreuung, Beratung und Dokumentation von MRSA-Patienten bereits eine Symbolnummer. Sie wurde in den Jahren 2006 und 2007 noch eher selten abgerechnet. Seit Ende 2008 pendelt die Zahl der Abrechnungen pro Quartal jedoch um die 1000er-Marke.

Die Netzwerkidee in Sachen MRE-Bekämpfung hat Schule gemacht. Inzwischen gibt es in vielen KV-Bezirken MRSA-Netzwerke. Anfang 2010 hat sich auch in Berlin ein MRSA-Netzwerk gegründet. In diesem Jahr soll die Zusammenarbeit mit dem ambulanten Sektor ausgebaut werden.

Wichtig: Nur gesundes Personal einsetzen!

Die KV Berlin beteiligt sich mit Informationen für die niedergelassenen Ärzte, sei es auf ihrer Homepage, im KV-Blatt oder bei speziellen Infotagen. Das Berliner Netzwerk hat Daten aus dem ambulanten Bereich ausgewertet und dabei festgestellt, dass vor allem Internisten und Allgemeinmediziner häufig mit MRSA-Patienten zu tun haben.

Konkret empfehlen die Experten, dass nur eingewiesenes und gesundes Praxispersonal ohne Wunden und chronische Hautveränderungen an der Eradikationsbehandlung mitwirkt. Zudem sollten MRSA-Patienten bei Hausbesuchen möglichst als Letzte aufgesucht werden.

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