Mancher Sportler wäre zum Gendoping bereit

Gendoping, bei dem genetisches Material modifiziert wird, wird es mittelfristig wohl nicht geben. Allerdings scheint die Bereitschaft unter Sportlern, sich manipulieren zu lassen, schon jetzt hoch zu sein.

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Gendoping: Der gesunde Menschenverstand sagt Nein. Aber etliche Sportler würden heute schon Ja sagen.

Gendoping: Der gesunde Menschenverstand sagt Nein. Aber etliche Sportler würden heute schon Ja sagen.

© dpa

FRANKFURT AM MAIN (ner). In der öffentlichen Diskussion über Gendoping würden viele Begriffe durcheinander gebracht, sagte Dr. Bernd Wolfarth von der Technischen Universität München bei einer Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) in Frankfurt am Main. Medikamente, zum Beispiel Steroidhormone, stimulieren die Genexpression und würden im erweiterten Sinne ebenfalls als Gendoping bezeichnet werden.

Beim Gendoping wird die Gensubstanz verändert

Tatsächlich jedoch müsse unter Gendoping verstanden werden, dass genetisches Material des Sportlers verändert werde, sagte Wolfarth. Da in der klinischen Forschung bisher noch keine etablierte Methode gefunden worden ist, um bei entsprechenden Krankheiten mit gentechnischen Methoden zu behandeln, gebe es bislang auch kein echtes Gendoping.

Wolfarth, der sich nach eigenen Angaben seit zehn Jahren mit den genetischen Grundlagen der körperlichen Leistungsfähigkeit beschäftigt, trat damit immer wieder in der Öffentlichkeit auftauchenden Spekulationen entgegen, es gebe bei internationalen Wettkämpfen bereits Sportler, die sich genetisch hätten manipulieren lassen. Zwar würden dubiose Unternehmen solche Angebote machen, tatsächlich jedoch gebe es Gendoping im engeren Sinne nicht.

Dennoch gelte es, sich darauf einzustellen, so Wolfarth. So hat unter anderem eine deutsche Arbeitsgruppe bereits einen Gendoping-Test entwickelt. Professor Perikles Simon vom Institut für Sportwissenschaft, Abteilung Sportmedizin, der Universität Mainz und seinen Kollegen war es kürzlich gelungen, in Blutproben mit einem sehr geringen Volumen noch Monate nach dem Betrugsversuch körperfremde DNA nachzuweisen.

Nach Ansicht von DGSP-Präsident Professor Herbert Löllgen, niedergelassener Kardiologe in Remscheid, scheint es viele Sportler zu geben, die bereit wären, sich genetisch manipulieren zu lassen. Löllgen berichtete in Frankfurt über eine Publikation von Wissenschaftlern in der britischen Fachzeitschrift "Nature", wonach es gelungen war, mit bestimmten gentechnischen Methoden die Laufleistung von Mäusen um mehr als das Doppelte zu steigern.

Daraufhin habe der Wissenschaftler Hunderte E-Mails von Sportlern erhalten, die bereit gewesen seien, sich einer entsprechenden Behandlung zu unterziehen, egal welche Risiken damit verbunden seien.

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