Schwerhörigkeit

Menschen schätzen ihr Hörvermögen oft falsch ein

Zwischen der Selbsteinschätzung des Hörvermögens und audiometrischen Befunden kann es große Unterschiede geben. Das hat eine britische Studie bei knapp 10.000 Erwachsenen ergeben.

Von Joana Schmidt Veröffentlicht: 14.10.2020, 15:05 Uhr
Schwerhörig: 30 Prozent der Probanden, bei denen ein Hörverlust von mehr als 35 dB bei 3 kHz gemessen wurde, hatten dies in den Fragebögen nicht so eingeschätzt.

Schwerhörig: 30 Prozent der Probanden, bei denen ein Hörverlust von mehr als 35 dB bei 3 kHz gemessen wurde, hatten dies in den Fragebögen nicht so eingeschätzt.

© fpic/stock.adobe.com

Manchester. In der Querschnittsanalyse der britischen ELSA-Studie zu Problemen im Alter verglichen Forscher die Eigenangaben zum Hörvermögen von knapp 10.000 Erwachsenen zwischen 50 und 89 Jahren mit audiometrischen Messungen durch Krankenschwestern (JAMA Netw Open 2020; online 27. August).

Die Teilnehmer ordneten ihre Hörfähigkeit auf einer Fünf-Punkte-Skala ein und gaben an, ob und wie sehr Hintergrundgeräusche sie dabei beeinträchtigten, einem Gespräch zu folgen. Die Personen, die sich durch Nebengeräusche nur leicht gestört fühlten, wurden ausgeschlossen.

Die Eigenangaben wurden durch ein Hörscreening überprüft, bei dem den Teilnehmern zwei standardisierte Töne (1 und 3 kHz) in jeweils drei Lautstärken vorgespielt wurden.

Nichthören von 55dB: mittelschwerer bis schwerer Hörverlust

Das Team um Dr. Dialechti Tsimpida von der Universität Manchester teilte die Probanden in zwei Gruppen: Wer Töne von 35 dB mit dem besser hörenden Ohr nicht mehr wahrgenommen hatte, wurde als mäßig schwerhörig eingestuft, als mittelschwerer bis schwerer Hörverlust galt das Nichthören von 55 dB, teilweise hatten diese Personen auch einen Ton von 75 dB nicht mehr wahrgenommen.

30 Prozent der Probanden, bei denen ein Hörverlust von mehr als 35 dB bei 3 kHz gemessen wurde, hatten dies in den Fragebögen nicht so eingeschätzt. Nachdem die Teilnehmer ausgeschlossen wurden, die sich bei Unterhaltungen durch Hintergrundgeräusche nur leicht beeinträchtigt fühlten, verbesserte sich die Klassifizierungsgenauigkeit: Die Anzahl der unentdeckten Hörschäden sank um rund neun Prozent auf 21 Prozent.

Weibliches Geschlecht verdoppelte das Risiko dafür nahezu

Mehrere Faktoren waren mit einer falschen Eigenwahrnehmung bei Personen mit mäßiger Schwerhörigkeit assoziiert: Weibliches Geschlecht schien das Risiko dafür fast zu verdoppeln, ein niedriges Bildungsniveau erhöhte es um 37 Prozent und eine einfache berufliche Tätigkeit erhöhte es um 43 Prozent.

Tabakkonsum ging mit einem Anstieg um 14 Prozent, regelmäßiger Alkoholkonsum mit einer Steigerung von 13 Prozent und ein Mangel an körperlicher Aktivität mit einer Zunahme um 25 Prozent einher.

Eine besonders starke Assoziation beobachteten die Forscher zwischen Alter und unbemerkter mittlerer bis starker Schwerhörigkeit: Verglichen mit den 50- bis 64-jährigen Teilnehmern war das Risiko dafür bei den 65- bis 74-Jährigen fast fünfmal und bei den 75- bis 89-Jährigen mehr als sechsmal so hoch.

Alkoholkonsum mit deutlicher Steigerung assoziiert

Auch folgende Faktoren gingen mit einem Anstieg des Risikos, eine mittlere bis starke Schwerhörigkeit nicht zu bemerken, einher: Ein niedriges Bildungsniveau oder ein einfacher Beruf schienen es jeweils etwa zu verdoppeln, Rauchen war mit einem Anstieg um 46 Prozent und regelmäßiger Alkoholkonsum mit einer Steigerung um 86 Prozent assoziiert.

„Das begrenzte Übereinstimmen von Eigenangaben und objektiven Hörtests unterstreicht die Bedeutung einer wirksamen und nachhaltigen Screeningstrategie für die Früherkennung von Schwerhörigkeit bei Erwachsenen“, resümieren Tsimpida und Kollegen.

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