Mit Depot-Spritze weniger Rückfälle bei Schizophrenie-Kranken

BERLIN (grue). Patienten mit Schizophrenie brechen medikamentöse Therapien oft ab. Dadurch steigt ihr Rückfallrisiko. Ein Ausweg sind Depot-Präparate in Spritzenform und spezielle Betreuungsmodelle. Damit lassen sich bis zu 50 Prozent der Klinikeinweisungen verhindern.

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Die Behandlung mit Antipsychotika in Depot-Formulierungen wird in der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) für die Langzeitbehandlung von Schizophrenie-Kranken grundsätzlich empfohlen. Vorteile sind die sichere Applikation und gute Bioverfügbarkeit, heißt es in der kürzlich aktualisierten Leitlinie.

Die Chancen einer solchen Depot-Therapie werden aber noch zu selten genutzt, sagte Dr. Thomas Kohler bei einer Veranstaltung des Unternehmens Janssen-Cilag in Berlin. Die intramuskulär zu injizierenden Medikamente sind für die Langzeittherapie vorgesehen. Die Therapie sollte nach einer ersten schizophrenen Episode mindestens ein Jahr dauern. "Dafür eignen sich Depot-Präparate, denn sie sind gut verträglich, garantieren eine kontinuierliche Freisetzung des Wirkstoffs und verringern so das Risiko für Rückfälle", berichtete Kohler, der am Zentrum für Psychiatrie Weissenau in Ravensburg tätig ist. Diese Forderung erfüllen am ehesten atypische Neuroleptika, von denen bislang nur Risperidon in Depot-Formulierung (Risperdal® Consta®) angeboten wird.

Das Behandlungsschema eigne sich auch für erstmals an Schizophrenie erkrankte Patienten. Bei ihnen gehe es darum, durch eine gesicherte regelmäßige Aufnahme antipsychotisch wirksamer Substanzen eine Chronifizierung der Erkrankung zu verhindern, so Kohler.

Für die vermehrte Anwendung von Depot-Antipsychotika plädierte auch Dr. Werner Kissling von der Technischen Universität München. Für bis zu 40 Prozent der Patienten seien sie die richtige Therapieform. An Kisslings Klinik wurde bereits eine Depot-Spezialambulanz eingerichtet, die zum Compliance-Programm eines integrierten Versorgungsvertrags gehört. Für Maßnahmen, die die Compliance fördern, werden im Münchener Modellprojekt 20 Stunden pro Patient und Jahr aufgewendet. Eine erste Auswertung zeigt, dass sich dank der intensiven Betreuung und Information der Patienten über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren voraussichtlich mehr als die Hälfte der stationären Wiederaufnahmen verhindern lassen.

Eine Kurzversion der neuen Leitlinie gibt es unter www.dgppn.de und unter http://leitlinien.net/



STICHWORT

Schizophrenie

Etwa ein Prozent der Bevölkerung bekommen im Laufe ihres Lebens eine Schizophrenie. Frauen erkranken häufiger als Männer. Der Häufigkeitsgipfel bei Frauen liegt zwischen 25 und 34 Jahren. Bei Männern liegt zwischen 15 und 24 Jahren. Zwei Prozent aller Erkrankungen kommen bereits in der Kindheit vor. Die Ätiologie der Erkrankung ist bisher nicht geklärt. Prognostisch günstig sind ein akuter Beginn und der Nachweis eines auslösenden Ereignisses. (eb)

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