Sportmedizin

Mit Faustschlägen heraus aus dem sozialen Abseits

WEIMAR (ddp). Er holt Kinder und Jugendliche aus Problemfamilien von der Straße, schult sie im Boxring, macht aus ihnen regionale und nationale Meister: Thomas Elke, Leiter des Boxvereins Weimar, betreibt erfolgreich Sozialarbeit.

Veröffentlicht: 09.11.2006, 08:00 Uhr

Die Tür ins Büro steht offen. "Guten Tag, Herr Elke", sagt jeder der zehn jungen Sportler und reicht dem Trainer die Hand. "Es darf hier niemand kommen ohne Begrüßung oder Verabschiedung", sagt Thomas Elke. Mit seinen Ansprüchen an das Training und die Entwicklung der Persönlichkeit seiner Sportler hat er inzwischen weit über Weimar hinaus Maßstäbe gesetzt. 28 Thüringenmeister, 15 Regionalmeister, vier Deutsche Meister, drei Deutsche Vizemeister und drei Nationalmannschaftskader stammen aus dem Weimarer Boxstall.

Jeden Morgen wird die Boxhalle um acht Uhr aufgeschlossen. Außer Elke, dem einzigen Festangestellten des Vereins, sind noch drei weitere Trainer da. Sie machen die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen ehrenamtlich. Jeden Tag mehr als zehn Stunden und an den Wochenenden sind Trainingslager oder Wettkämpfe angesagt. "Das funktioniert nur, weil sie Hartz IV bekommen", erzählt Elke und fordert, daß diese Arbeit endlich anerkannt und auch bezahlt werden müsse.

Der Stadtteil Weimar West ist bekannt als ein Problemviertel Weimars: Kriminalität, Rechtsradikalismus, Vandalismus, Probleme mit Jugendlichen, mit Aussiedlern und Ausländern machten in den vergangenen Jahren Schlagzeilen. "Inzwischen ist es hier relativ ruhig", sagt der Oberbürgermeister der Stadt Weimar, Stefan Wolf (SPD), und sieht als einen der wichtigsten Gründe die Arbeit des Boxvereins. Beim Boxen werden täglich Athletik, Koordination und Ausdauer trainiert. Disziplin wird eingefordert. Alkohol, Drogen und Zigaretten sind absolutes Tabu und ein Grund für den Ausschluß.

An der Wand in Elkes Büro hängt ein Zettel mit Telefonnummern von Lehrern aus verschiedenen Schulen. Gibt es Probleme, fahren die Trainer in die Schule. "Das sind alles meine Kinder, ich habe alle gern, aber ich bin sehr streng zu ihnen", sagt der dreifache Vater Elke.

Hausaufgabenhilfe, Arbeit für die Eltern, Wohnungen für Asylbewerber, Behördengänge, Gespräche mit Schule und Eltern, Lehrstellen besorgen - für die Jungs ist den Trainern nichts zuviel. Das Geheimnis des Erfolges benennt Elke so: "Wir behandeln alle gleich. Wir zeigen jedem, daß wir ihn schätzen. Und wir Trainer leben den Kindern und Jugendlichen auch vor, was wir von ihnen verlangen."

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