Koloskopie

Neue Daten heizen Debatte über Kontrollintervalle an

Ein Koloskopie-Screening senkt die Zahl der Todesfälle durch kolorektale Karzinome. Wird ein High-risk-Adenom entfernt, scheint das krebsspezifische Sterberisiko trotzdem erhöht zu bleiben. Die norwegische Studie befeuert damit die Diskussion über Kontrollintervalle.

Veröffentlicht: 05.11.2014, 06:31 Uhr
Neue Daten heizen Debatte über Kontrollintervalle an

Bei Hochrisiko-Adenom-Patienten können sich gezielte Nachsorge-Koloskopien lohnen.

© Klaus Rose

OSLO. Einer norwegischen Registerstudie zufolge kann die Resektion eines High-risk-Adenoms das Risiko, an den Folgen von Darmkrebs zu sterben, nicht bannen. Während eines knapp achtjährigen Follow-up hatten die betroffenen Patienten eine um 16 Prozent höhere Mortalität als das Bevölkerungsmittel (N Engl J Med 2014; 371: 799-807).

Bei Patienten mit Low-risk-Adenomen lag die krebsspezifische Sterberate dagegen um 25 Prozent unter dem Durchschnitt. In Norwegen gibt es im Unterschied zu Deutschland allerdings kein Screening-Programm, und Kontrollkoloskopien werden nur für Adenome mit hohem Risiko und auch nur alle zehn Jahre empfohlen.

Für die Untersuchung hatten Ärzte um Magnus L¢berg von der Universität Oslo das gesundheitliche Schicksal von 40.826 Patienten dokumentiert, bei denen zwischen 1993 und 2007 ein kolorektales Adenom entfernt worden war.

In den median 7,7 Jahren nach dem Eingriff war bei 1273 Patienten ein kolorektales Karzinom diagnostiziert worden, das bei 383 Patienten zum Tode führte. Diese Zahl war nicht signifikant verschieden von den 398 in der Allgemeinbevölkerung zu erwartenden Todesfällen.

Nach Niedrigrisiko-Adenomen - in der Studie mangels Informationen zu Polypenzahl und -größe als einzelne tubuläre Adenome definiert - gab es signifikant weniger Krebstodesfälle als zu erwarten, nämlich 141 statt 189.

Keine Nachsorge-Koloskopien

Beachtenswert an dieser 25-prozentigen Risikoreduktion ist, dass sie ohne Nachsorge-Koloskopien erreicht wurde - diese sind in Norwegen bei Niedrigrisiko-Adenomen nämlich nicht vorgesehen. "Der Anstieg des Krebstodrisikos, den ein Niedrigrisiko-Adenom mit sich bringt, wird durch die Polypektomie eliminiert", lautet daher die Schlussfolgerung der Studienautoren.

Eine koloskopische Kontrolle im Abstand von fünf Jahren, wie sie unter anderem die deutsche Leitlinie vorsieht, ist ihrer Einschätzung nach von so geringem Nutzen, dass das damit verbundene Komplikationsrisiko wahrscheinlich nicht aufgewogen wird.

Ob die Nachsorge bei diesen Patienten tatsächlich überflüssig sei, müsse nun in randomisierten Studien geprüft werden. Anders das Ergebnis bei Hochrisiko-Adenom-Patienten, nach der Studiendefinition Patienten mit mindestens zwei Adenomen oder einem Adenom mit villöser Histologie oder hochgradiger Dysplasie:

Sie hatten eine erhöhte Darmkrebsmortalität, mit 242 statt der zu erwartenden 209 Todesfälle. "Diese Zahl hätte durch eine intensivere Überwachung vielleicht gesenkt werden können", meinen L¢berg und Kollegen.

Insofern ist das Studienergebnis eine gewisse Bestätigung für die in Deutschland geltende Empfehlung, solche Patienten schon nach drei Jahren neu zu endoskopieren. Allerdings fehlen auch hier noch Beweise, ob und mit welchen Kontrollintervallen die Darmkrebssterberate am besten gesenkt wird. (BS)

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