Multiple Sklerose

Neue Studiendaten: Venöse Insuffizienz kein Grund für MS

Eine venöse Abflussstörung kranialer und zervikaler Gefäße soll bei Multipler Sklerose von großer Bedeutung sein, behauptet ein italienischer Arzt. Inzwischen gibt es immer mehr Studien, die diese Theorie widerlegen.

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Magnetresonaztomografische Aufnahme des Gehirns mit Läsionen durch Multiple Sklerose.

Magnetresonaztomografische Aufnahme des Gehirns mit Läsionen durch Multiple Sklerose.

© NAS / Scott Camazine / Okapia

DALLAS (mut). Multiple Sklerose wird durch einen Rückstau des venösen Blutflusses im Gehirn verschlimmert oder gar ausgelöst - mit dieser Hypothese sorgte der italienische Gefäßchirurg Dr. Paolo Zamboni vor zwei Jahren für Aufsehen.

Der Arzt behauptet, dass er per Ultraschall praktisch bei allen MS-Patienten eine "chronische zerebrospinale venöse Insuffizienz" (CCSVI) diagnostizieren kann.

Darunter versteht er einen Reflux mit Stenosen in den Jugular- und Vertebralvenen sowie im intrakraniellen Venensystem. Per Ballondilatation lassen sich viele der Stenosen beheben und die Schubrate reduzieren - davon ist Zamboni überzeugt.

In entsprechenden Studien hat der Experte seine These zu untermauern versucht. Allerdings konnte bislang niemand die Ergebnisse reproduzieren. Neurologische Gesellschaften warnen daher vor chirurgischen Eingriffen, zumal die Zahl derjenigen Studien wächst, die keine nennenswerten Unterschiede zwischen den Gefäßen von MS-Kranken und Gesunden finden konnten.

US-Forscher: An Zambonis These nichts dran

Ein solche Studie hat nun auch ein Team um Dr. Olaf Stüve aus Dallas in den USA veröffentlicht. Die Neurologen untersuchten 18 Patienten mit unterschiedlichen MS-Formen sowie 11 Gesunde mit diversen Sonografie-Verfahren, unter anderem mit vier dimensionalem Farbdoppler (Arch Neurol. 2011; 68: 1521-1525).

Geschaut wurde, wie viele der Teilnehmer eines der fünf Kriterien erfüllten, die Zamboni für eine CCSVI aufgestellt hatte.

Das erste Kriterium, einen Reflux in den Jugular- und Vertebralvenen, fanden sie bei keinem der Teilnehmer. Das zweite Kriterium, einen Reflux in den tieferen Zerebralvenen, diagnostizierten sie bei einem MS-Patienten. Eine Stenose der Jugularvenen - das dritte Kriterium - war ebenfalls bei keinem Teilnehmer nachzuweisen.

Eine fehlende Ableitung von Dopplerfrequenzverschiebungen in den Jugularvenen, wie sie das vierte Kriterium erfordert, trat zwar bei einem MS-Patienten auf, aber ebenso bei zwei gesunden Probanden. Schließlich erkannten die Ärzte sowohl bei zwei MS-Patienten als auch bei zwei Gesunden das fünfte Kriterium - eine Umkehrung der lageabhängigen Hämodynamik.

Stüve und seine Mitarbeiter weisen darauf hin, dass es trotz zahlreicher Bemühungen bisher keiner Arbeitsgruppe gelungen ist, Zambonis Daten zu reproduzieren. Es spreche also alles dafür, dass an der Theorie nichts dran ist.

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