Das sagen Patientenvertreter

Primärarztsystem: „So eine Anlaufstelle darf nicht zum Flaschenhals werden“

Der Fachdialog im Ministerium läuft, Verbände streiten bereits über die Ausgestaltung der Primärversorgung. Dr. Martin Danner von der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe sagt, was aus Patientensicht wichtig ist und wo die No-Goes liegen.

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Abstraktes Bild, das einen labyrinthischen Pfad mit einer Miniaturfigur darstellt, die sich zwischen zahlreichen bunten Pfeilen bewegt.

Versorgungspfade: Lotsen für Patienten in einem „komplizierten Gesundheitssystem“ gesucht.

© primopiano / stock.adobe.com

Berlin. Zuerst zum Hausarzt gehen und dann, sofern medizinisch geboten, zum Facharzt: Die Debatte um die geplante Primärversorgung läuft auf Hochtouren. Wie aber blicken Patientinnen und Patienten auf das geplante Modell?

„Zunächst einmal ist es so, dass wir in Deutschland ein extrem komplexes Gesundheitswesen haben und sich die meisten Patienten Orientierung wünschen“, sagt Dr. Martin Danner, seit 2008 Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Selbsthilfe, im Gespräch mit der Ärzte Zeitung.

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Insofern sei die „Grundidee“, dass es Lotsinnen und Lotsen im System gibt, richtig und zielführend. Am Ende komme es darauf an, wie die Primärversorgung ausgestaltet sei. „So eine Anlaufstelle darf nicht zum Flaschenhals werden, bei der die weitere Versorgungskette quasi gekappt wird“, warnt Danner.

„Patienten mäandern nicht im System umher“

Dort, wo Patienten – chronisch oder psychisch kranke Menschen – bereits fachärztlich gut „angebunden“ seien, dürfe Primärversorgung nicht zu einer weiteren Hürde werden. „Dann wäre nichts gewonnen, im Gegenteil: Wir würden Versorgung nur verschlechtern“, erklärt Danner, der auch Sprecher der Patientenvertretung beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) ist.

Danner widerspricht auch dem Eindruck, Patientinnen und Patienten würden durch das hiesige Gesundheitssystem umher mäandern und müssten deshalb irgendwie diszipliniert werden. „Das kann nicht der Kern von Primärversorgung sein.“

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Und was ist stattdessen der Kern? „Es geht darum, eine kooperative Versorgung zu etablieren“, sagt Danner. „Mit einer Hausarztpraxis als erster Anlaufstelle, die den Weiterbehandlungsbedarf abklärt und bei Bedarf eine Überweisung an den Facharzt einleitet.“

Freilich, setzt Danner hinzu, müsse der Hausarzt als Primärbetreuer nach der Überweisung weiter am Ball bleiben. „Es darf nicht dabei stehen bleiben, dass der Hausarzt dem Patienten vier oder fünf Überweisungen in die Hand drückt und sagt, schauen wir mal, was draus wird. Es braucht eine gewisse Kontinuität in der Begleitung durch den Hausarzt.“

„Primärarztsystem nicht abrupt einführen“

Patientenorganisationen, darunter die BAG Selbsthilfe, haben eine Sieben-Punkte-Agenda zur Reform der ambulanten Versorgung aufgesetzt. Darin heißt es: „Angesichts von bereits heute rund 5.000 fehlenden Hausärztinnen und Hausärzten sowie einer stark überlasteten hausärztlichen Versorgung ist klar, dass ein abrupt eingeführtes Primärarztsystem ohne flankierende Maßnahmen die Versorgung weiter zu verkomplizieren droht statt sie zu verbessern.“ Patientensteuerung ist auch Thema eines Schulungs- und Abstimmungstreffens der Patientenvertreter im G-BA, das am 17. und 18. April in Erkner stattfindet.

Eine „wichtige Gelingensbedingung“, so Danner weiter, seien digitale Eingangstools zur Versorgung. Hier müsse man sich allerdings ein Stück weit ehrlich machen. „Ich denke, die digitale Ersteinschätzung kann im besten Fall die Dringlichkeit einer Versorgungsanfrage feststellen.“

Denkbar sei aber auf jeden Fall eine digitale Terminvergabe, wobei die Gretchenfrage darin liege, wer diese steuere: Ärzteschaft oder Krankenkassen? „Da sind noch viele Fragen offen.“ (hom)

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