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Falsche Blutzuckerdaten

Nur ausgeschlafen zum Glukosetest

Vor einem oralen Glukosetoleranztest sollten die Testkandidaten nicht nur ausreichend gefastet, sondern auch lange genug geschlafen haben. Forscher haben jetzt einen Zusammenhang zwischen ausreichen Schlaf und dem Bluckzucker gefunden.

Dr. Robert BublakVon Dr. Robert Bublak Veröffentlicht:
Glukosemessung beim Arzt: Messdaten können durch einen kurzen Schlaf falsch ausfallen.

Glukosemessung beim Arzt: Messdaten können durch einen kurzen Schlaf falsch ausfallen.

© Andrey Popov/ Fotolia

ATLANTA. Menschen, die ohnehin relativ wenig, nämlich kürzer als sieben Stunden schlafen, haben ein höheres Risiko für erhöhte HbA1c-Werte. Doch selbst wenn die Konzentration des Glykohämoglobins normal ist, kann der orale Glukosetoleranztest pathologisch ausfallen – dann nämlich, wenn die Schlafdauer in den beiden Tagen vor dem Test in der Summe besonders kurz war.

Das hat ein Team von Forschern um Dr. Donald Bliwise vom Schlafprogramm der Emory University School of Medicine in Atlanta im US-Staat Georgia herausgefunden.

Studie an rund 1500 Menschen

An der Studie von Bliwise und Kollegen nahmen 1559 Erwachsene ohne Diabetesdiagnose im Alter von rund 50 Jahren teil (Am J Med 2017; online 5. Januar). Gemessen wurde ihre HbA1c-Konzentration.

Danach mussten sich die Probanden einem standardmäßigen oralen 75-g-Glukose-Toleranztest (OGTT) unterziehen, wobei die Blutzuckerkonzentration im Plasma zwei Stunden nach der Belastung bestimmt wurde.

Als Schwellen zum Pathologischen galten 6 Prozent für das HbA1c und 140 mg/dl für die 2-Stunden-Glukose. Zudem befragten die Forscher die Studienteilnehmer, wie viel sie für gewöhnlich schliefen und wie lange sie in den zwei Tagen vor dem OGTT geschlafen hatten.

Signifikanter Zusammenhang

Wie sich zeigte, stieg die Wahrscheinlichkeit für erhöhte HbA1c-Werte mit sinkender gewöhnlicher Schlafdauer. Signifikant war der Zusammenhang für weniger als sieben Stunden. Bliwise und Mitarbeiter interessierte aber speziell, wie sich ein kurzer Schlaf unmittelbar vor dem Test bei Personen auswirkt, deren HbA1c-Werte unter 6 Prozent und somit im Normalbereich liegen.

Hier war zu erkennen, dass der OGTT auch bei an sich normoglykämischen Kurzschläfern mit Schlafzeiten von gewöhnlich weniger als sieben Stunden ein pathologisches Ergebnis zeitigen kann – und zwar dann, wenn sie kurz vor dem Test besonders wenig geschlafen hatten.

Probanden, deren Schlafzeit während der beiden Tage vor dem OGTT in der Summe elf Stunden nicht überschritt, hatten ein beinahe verdoppeltes Risiko für eine 2-Stunden-Glukose-Konzentration von 140 mg/dl oder mehr (Odds Ratio je nach Kürze des Schlafs 1,8 bis 3,1).

Bliwise und sein Team betrachten diese Ergebnisse des OGTT als falsch positiv. Gemeint ist damit, dass der Test positiv ausfällt, obwohl der Getestete nicht an Diabetes erkrankt ist.

Verkürzte Schlaf vermindert die Insulinsensitivität

Andererseits ist das Testergebnis mit Blick auf die Insulinresistenz durchaus korrekt, die Konzentration der 2-Stunden-Glukose also nicht fälschlich, sondern tatsächlich erhöht. Denn verkürzter Schlaf kann die Insulinsensitivität vermindern.

Aus den Messdaten lässt sich auch die Möglichkeit herauslesen, wonach ein verglichen mit sonst ungewöhnlich langer Schlaf vor dem OGTT die Chance auf normale Werte erhöht. Zudem legen die Befunde nahe, dass bereits eine halbe Stunde Schlaf mehr oder weniger einen bemerkenswerten Unterschied im Blutzuckerprofil ausmacht.

Mangelnder Schlaf vor dem Test kann laut Aussage der Forscher ähnliche Folgen für das OGTT-Ergebnis haben wie eine zu kurze Nüchternphase. Sie räumen ein, die Ergebnisse müssten erst noch in weiteren Studien bestätigt werden.

Wörtlich: "Bis dahin aber halten wir es für das Mindeste, die Patienten vor einem OGTT nicht nur zu fragen, ob sie ausreichend gefastet, sondern auch, ob sie genügend geschlafen haben."

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