PCT-Test stützt Entscheidung für Antibiotikum

Ist eine Atemwegsinfektion viral oder bakteriell bedingt? Mit dem Bluttest auf Procalcitonin (PCT) lässt sich das relativ schnell klären. Der Test hat sich inzwischen auch in einer Studie in Hausarztpraxen bewährt.

Wolfgang GeisselVon Wolfgang Geissel Veröffentlicht:
Auskultation bei Atemwegsinfektion: Mit PCT-gesteuerter Therapie können ohne Nachteil für Patienten Antibiotika eingespart werden.

Auskultation bei Atemwegsinfektion: Mit PCT-gesteuerter Therapie können ohne Nachteil für Patienten Antibiotika eingespart werden.

© Ray / fotolia.com

HANNOVER. Neue diagnostische Tests können helfen, Antibiotika künftig ganz spezifisch gegen Infektions-Erreger zu verwenden. Hiermit lassen sich Medikamente einsparen und Resistenzen vorbeugen. So hilft etwa der Bluttest auf Procalcitonin (PCT) zu klären, ob bei akuten Atemwegsinfektionen ein Antibiotikum nötig ist. Mit dem Test lassen sich nämlich virale von bakteriellen Infektionen gut voneinander abgrenzen.

Die Plasmakonzentration des Akute-Phase-Proteins beträgt bei Gesunden weniger als 0,05 ng/ml. Der PCT-Spiegel steigt bei viralen Infektionen oder nichtbakteriellen Entzündungen im Blut leicht (10- bis 100-fach) und bei schweren bakteriellen stark (1000- bis 100.000-fach). Hohe Spiegel sprechen daher für bakterielle und niedrige Werte für virale Infektionen.

Mit dem PCT-Test lässt sich zudem bei Patienten mit bakteriellen Infektionen das Ansprechen auf eine Therapie abschätzen. Die Dauer von Antibiosen lässt sich so verkürzen. Fachgesellschaften wie die Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie empfehlen in ihren Leitlinien eine PCT-gesteuerte Therapie bei leichter bis mittelschwerer akuter Exazerbation einer chronischen Bronchitis.

 Und bei stationärer Therapie von Patienten mit schwerer ambulant erworbener Pneumonie wird von den Gesellschaften zur Verlaufskontrolle mit dem Biomarker geraten.

Auch bei Hausärzten hat sich der PCT-Test bewährt. So ließen sich in einer aktuellen Studie bei akuten Atemwegsinfektionen ohne Nachteil für die Patienten 42 Prozent der Antibiotikaverordnungen einsparen. An der Hannover-PRO-II-Studie nahmen 550 Patienten mit akuten Atemwegsinfektionen in 45 Allgemeinarztpraxen teil (Eur Resp J 2010; 36: 601).

Sie wurden nach dem Zufallsprinzip entweder nach bisherigem Standard oder basierend auf dem PCT-Test behandelt: Erst ein Procalcitonin-Wert von 0,25 ng/ml und darüber spricht dabei für eine bakterielle Infektion und somit für eine Antibiotikatherapie.

In die endgültige Entscheidung für oder gegen Antibiotika sollte aber auch der klinische Befund und die Anamnese einfließen, betont Professor Thomas Welte, einer der Studienautoren von der Medizinischen Hochschule Hannover.

Obwohl in der Studie also im Zweifelsfall auch bei niedrigeren PCT-Werten Antibiotika gegeben wurden, reduzierte sich ihr Einsatz um relative 42 Prozent: In der PCT-Gruppe erhielten etwa 22 Prozent der Patienten Antibiotika, in der Kontrollgruppe waren es knapp 37 Prozent. Die klinischen Verläufe waren in beiden Gruppen ähnlich. So gab es mit im Mittel neun Krankheitstagen in beiden Gruppen nahezu identische Ergebnisse.

Nach Angaben von Welte bieten bereits viele medizinische Laboratorien den PCT-Test an und stellen das Ergebnis binnen weniger Stunden zur Verfügung. In der Studie gingen die Blutproben per Kurier ins Labor, und das Testergebnis lag binnen zwei Stunden vor, berichtete der Pneumologe auf Anfrage.

Bei Verdacht auf eine bakterielle Infektion bekamen die Patienten ein Antibiotikum-Rezept mit nach Hause und wurden angewiesen, erst bei telefonisch übermitteltem positiven Testergebnis davon Gebrauch zu machen.

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