Krebs

Pankreaszyste häufig ein Zufallsbefund

Sollen zystische Tumoren in der Bauchspeicheldrüse operiert oder nur beobachtet werden? Was tun bei beschwerdefreien Patienten? Darüber sind sich derzeit die Experten keineswegs einig.

Von Ingeborg Bördlein Veröffentlicht:
Zum Teil zystische Raumforderung im Pankreaskopf mit Verdacht auf muzinöses Zystadenokarzinom.

Zum Teil zystische Raumforderung im Pankreaskopf mit Verdacht auf muzinöses Zystadenokarzinom.

© www.sonographiebilder.de

HEIDELBERG. "Wir empfehlen bei einer Zyste, die wächst, zu operieren", sagt Professor Jens Werner, Leiter der Sektion Pankreaschirurgie am Europäischen Pankreaszentrum in Heidelberg. Liege nämlich ein zystisches Adenom im T1-Stadium vor, so könne man den Patienten heilen.

Bei zystischen T3-Tumoren seien die Heilungschancen dann ebenso schlecht wie beim "klassischen" Adenokarzinom.

Zu unterscheiden sind dabei seröse und muzinöse Zystadenome, Zystadenokarzinome und intraduktale papilläre muzinöse Neoplasien (IPMNs). Der seröse Typ ist fast immer gutartig.

Muzinöse Tumoren können jedoch bösartig werden. Die Heidelberger Pankreaschirurgen empfehlen deshalb unter bestimmten Bedingungen die Resektion.

Vom guten Adenom zum Krebs

Die IPMNs gelten als Krebsvorstufen, die über mehrere Schritte langsam zum Karzinom entarten: Vom gutartigen Adenom entwickeln sich die schleimproduzierenden Tumoren über den Borderline-Typ als Übergangsform zum bösartigen Tumor.

Nach Angaben von Werner sind die Neoplasien, die im Hauptgang wachsen, sehr aggressiv und in jedem Fall zu resezieren. In 60 bis 70 Prozent der Fälle kommt es zum Karzinom. Die Seitengang-Typen entarten nur in ungefähr 30 Prozent der Fälle.

Pankreaszysten häufig Zufallsbefunde

Häufig ist eine Pankreaszyste ein Zufallsbefund. Die Patienten kommen mit gastrointestinalen Beschwerden zum Arzt, es wird eine Aufnahme mit einem bildgebenden Verfahren gemacht und eine Pankreaszyste entdeckt.

"Etwa die Hälfte der Patienten mit einem zystischen Tumor, die wir operieren, hat bereits Symptome wie eine Pankreatitis oder auch einen Ikterus", so Werner.

Was tun bei Patienten ohne Beschwerden?

Was tun bei beschwerdefreien Patienten? Hier sind die Meinungen geteilt. In vielen Zentren wird "wait and see" empfohlen.

Die Heidelberger Pankreaschirurgen raten indes auch schon bei kleinen IPMNs vom Seitengang-Typ unter drei Zentimetern zur Operation. Allerdings müsse die Entscheidung individuell und mit dem Patienten zusammen nach ausführlicher Aufklärung getroffen werden, rät Werner.

Über Wachstum zystischer Tumoren noch zu wenig bekannt

Zur Zeit sei über das Wachstumsverhalten der zystischen Tumoren noch zuwenig bekannt. "Bei einem 40-jährigen Patienten mit einer Zyste im Pankreas, die ich potenziell als maligne einschätze, würde ich operieren".

Ein anderer Fall: "Bei einer 80-jährigen Dame mit Zyste im Pankreasschwanzbereich würde ich nicht operieren, denn diese Patientin kann damit noch sehr alt werden."

Schon allein deshalb, weil weder mit bildgebenden Verfahren noch mit endoskopischen Untersuchungen eine sichere Entscheidung zwischen "gut" und "böse" zu treffen sei, wird in Heidelberg die Operation empfohlen.

Das Operationsrisiko sei gering und ein bösartiger Verlauf dann definitiv ausgeschlossen. Nach den Erfahrungen in Heidelberg liegt bei jedem vierten Patienten mit einer verdächtigen Zyste bereits ein Karzinom vor.

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