"Pioglitazon wirkt kardioprotektiv"

DÜSSELDORF (nsi). Ärzte, die bei Diabetes-Patienten mit Glitazonen den Blutzucker senken möchten, sind verunsichert, meint der Kardiologe Professor Erland Erdmann von der Universitätsklinik in Köln. Es stünden "die Problematik eines erhöhten kardiovaskulären Risikos für Rosiglitazon und der Verdacht eines möglichen Klasseneffektes der Glitazone im Raum", sagte Erdmann in Düsseldorf. Jedoch: Pioglitazon senkt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse, erinnerte Erdmann.

Veröffentlicht:

Das belegten die Daten der PROactive*-Studie. An der prospektiven, randomisierten und doppelblinden placebokontrollierten Studie haben 5238 Hochrisiko-Patienten mit Typ-II-Diabetes teilgenommen.

Ein hohes Risiko wurde in den Einschlusskriterien definiert als Hämoglobin A1c-Wert von mehr als 6,5 Prozent und ausgeprägte makrovaskuläre pathologische Veränderungen, etwa ein akutes Koronarsyndrom mindestens drei Monate vor Aufnahme in die Studie oder Schlaganfall, Herzinfarkt oder herzchirurgische Intervention mindestens sechs Monate zuvor. Die Teilnehmer erhielten entweder Pioglitazon (actos®, bis zu 45 Milligramm am Tag) oder Placebo zur bestehenden blutzuckersenkenden Therapie, berichtete Erdmann bei einer Veranstaltung des Unternehmens Takeda.

Beim primären Endpunkt, zusammengesetzt aus Tod, nicht-tödlicher Myokardinfarkt, Apoplexie, akutes Koronarsyndrom, große Beinamputation, koronare Revaskularisierung und Beinrevaskularisierung, gab es keinen signifikanten Unterschied zwischen Verum- und Placebogruppe, erinnerte Erdmann. Bei einer Analyse der Studienergebnisse auf die drei Parameter Tod, Herzinfarkt und Schlaganfall fand sich hingegen ein um 16 Prozent reduzierte Rate bei Pioglitazon, was statistisch signifikant war.

Patienten mit Myokardinfarkt in der Vorgeschichte hatten bei Behandlung mit Pioglitazon eine um dreißig Prozent verminderte Re-Infarkt-Rate im Vergleich mit Placebo, die Rate für ein akutes Koronarsyndrom war um 37 Prozent geringer, wenn die Patienten Pioglitazon statt Placebo erhielten, und die Rate für einen Re-Apoplex war im Verumarm um 47 Prozent vermindert im Vergleich mit Placebo.

"Die Studiendaten belegen, dass Pioglitazon eine kardioprotektive Wirkung hat, zu der die Verbesserung der glykämischen Kontrolle und der Regulierung des Lipidstoffwechsels beitragen können", folgerte Erdmann.

"Auf Grund dieser Studienergebnisse und der insgesamt umfangreichen Datenlage zu Pioglitazon als blutzuckersenkendem Medikament würde ich heute Patienten, bei denen ein Glitazon indiziert ist, Pioglitazon verordnen und die Patienten auch auf dieses Medikament umstellen, wenn sie Rosiglitazon einnehmen", resümierte Erdmann.

Unterschiede in den kardiovaskulären Wirkungen beider Glitazone seien nicht als "Klasseneffekt" zu interpretieren. Die Substanzen müssten als separate antidiabetische Wirkstoffe behandelt werden.

Proactive bedeutet PROspective PioglitAzone Clinical Trial In macroVasular Events

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Treat-to-Target-Strategie

Gicht: Mit der Harnsäure sinkt auch das kardiovaskuläre Risiko

Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3, 17–19]

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Eine ältere Frau bekommt eine Impfung in den rechten Oberarm.

© David Pereiras / Stock.adobe.com

RCTs und Real-World-Evidenz

Wie gut die RSV-Impfung bei Erwachsenen wirkt – und ankommt