Kopfschmerzen

Prophylaxe klappt auch bei chronischer Migräne

BERLIN (grue). Der Wirkstoff Topiramat kann auch dann vorbeugend gegen Migräneattacken genutzt werden, wenn die Migräne bereits chronisch ist - es also an mehr als 15 Tagen im Monat zu Attacken kommt. Und: Damit die Prophylaxe wirkt, müssen die Patienten zuvor keinen Medikamentenentzug durchmachen.

Veröffentlicht: 18.10.2006, 08:00 Uhr

Bisher wurde angenommen, daß eine medikamentöse Prophylaxe bei Patienten mit chronischer Migräne nichts nützt, besonders dann nicht, wenn die Patienten zuvor keinen Medikamentenentzug gemacht haben.

"Dies gilt für die Migräne-Prophylaxe mit Topiramat nicht mehr uneingeschränkt", sagte Professor Hans-Christoph Diener aus Essen bei einer Veranstaltung von Janssen-Cilag in Berlin. Er wies auf eine Studie bei 59 Patienten mit chronischer Migräne hin. Sie hatten zu Studienbeginn an mindestens 15 Tagen pro Monat Beschwerden. 60 Prozent nahmen übermäßig Analgetika ein (etwa Einnahme von Triptanen an monatlich mehr als zehn Tagen).

Die Migräne-Prophylaxe bestand aus zweimal täglich Topiramat (Topamax® Migräne) bis zu einer Zieldosis von 100 mg pro Tag. Die Kontrollgruppe bekam Placebo. Primärer Studienendpunkt war die Zahl der Migräne-Tage in den letzten vier von 16 Therapiewochen. Sie ging in der Topiramat-Gruppe signifikant von anfangs 15,5 pro Monat auf im Mittel zwölf Tage zurück, sagte Diener.

Noch größeren Nutzen hatten Patienten mit Medikamenten-Übergebrauch. Sie benötigten im Laufe der Topiramat-Behandlung weniger Analgetika. Am Studienende hatten nur noch 28 Prozent einen übermäßigen Medikamentenbedarf. In der Placebo-Gruppe änderten sich Attackenfrequenz und Schmerzmittelverbrauch nicht. Die Ansprechrate auf Topiramat betrug 22 Prozent. Sie war definiert als Rückgang der Attackenfrequenz um mindestens 50 Prozent.

"Die Studie zeigt, daß mit Topiramat die Zahl der Schmerztage bei chronisch migränekranken Patienten gesenkt werden kann", sagte Diener. Weil gleichzeitig der Bedarf an Analgetika sinkt, sei ein vorheriger Medikamentenentzug zumindest bei Migräne-Patienten mit beginnender Chronifizierung offenbar nicht nötig.



STICHWORT

Chronische Kopfschmerzen

Kopfschmerzen werden als chronisch bezeichnet, wenn sie mindestens seit drei Monaten an durchschnittlich mehr als 15 Tagen im Monat bestehen. Früher wurden chronische primäre Kopfschmerzen häufig mit der Diagnose chronischer Spannungskopfschmerz gleichgesetzt. Mit Einführung der neuen IHS (International Headache Society)-Klassifikation 2004 unterscheidet man nun vier Formen von chronischen Kopfschmerzen: Spannungskopfschmerz, chronische Migräne mit Dauerkopfschmerzen und Überlagerung von migränetypischen Attacken, Hemicrania continua, die typischerweise durch einen chronischen halbseitigen Kopfschmerz gekennzeichnet ist, und neu aufgetretene Dauerkopfschmerzen (Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurologie, www.dgn.de). (gwa)

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