Direkt zum Inhaltsbereich

In Wildtieren

Rattenlungenwurm auf Mallorca entdeckt

Der Rattenlungenwurm hat sich von Südostasien aus verbreitet. Nun wurde der Parasit auch auf der Urlaubsinsel Mallorca in zwei Igeln nachgewiesen.

Anne Bäurle Veröffentlicht:

Palma / Berlin. Auf Mallorca haben Forscher in zwei Igeln den Rattenlungenwurm (Angiostrongylus cantonensis) nachgewiesen (Eur Surveill 2019; 24(33):1900489). Die Tiere wurden an zwei verschiedenen Orten auf der Insel gefunden und in einer Auffangstation abgegeben. Den Wissenschaftlern zufolge handelt sich um die ersten beiden Fälle des zoonotischen Parasiten in Wildtieren in Westeuropa.

Die beiden Igel hätten Symptome einer akuten neurologischen Erkrankung gezeigt, in einer Autopsie nach dem Tod der Tiere seien dann die Nematoden im Subarachnoidalraum nachgewiesen worden, berichten die Forscher um Dr. Claudia Paredes-Esquivel von der Universität der Balearen. Es sei anzunehmen, dass der Parasit auf der Insel aktiv übertragen werde, ein möglicher Zwischenwirt des Rattenlungenwurms seien Schnecken.

Vorsicht bei Verzehr von Schnecken

Da diese Teil der mallorquinischen Küche sind, raten die Forscher dazu, keine rohen oder nicht genügend gegarten Schnecken zu verzehren, um Infektionen beim Menschen zu vermeiden. Allerdings sei der Mensch für den Parasiten ein Fehlwirt, die Larven könnten sich im Menschen nicht vollständig entwickeln und sterben nach einigen Monaten ab.

Menschen erkrankten daher nur unter sehr ungewöhnlichen Umständen, erläuterte Professor Tomas Jelinek vom Centrum für Reise- und Tropenmedizin CRM. Von den sehr seltenen, schweren Verläufen mit Meningitis seien eher Menschen mit Abwehrschwäche betroffen.

„Eine Rarität“

Weltweit sind bisher rund 2800 Erkrankungen durch den Wurm aus 30 Ländern beschrieben – „das ist eine Rarität“, betont Jelinek. Ein Schwerpunkt sei Thailand, bekannt sind auch extreme Einzelfälle von Wetten oder Mutproben, bei denen Menschen lebende Schnecken aßen und erkrankten.

Einer Überblicksstudie zufolge komme es in zwei bis drei Prozent der Fälle zum Tod. Mit einem größeren Erkrankungsrisiko für Menschen in Europa rechnet Jelinek daher generell nicht. Allerdings habe sich der Parasit mittlerweile ausgebreitet: „Früher war das ein südostasiatisches Problem“, so Jelinek. Angaben der US-Seuchenbehörde CDC zufolge ist Angiostrongylus cantonensis mittlerweile auch in Afrika, der Karibik und den USA verbreitet. Globalisierung und Klimawandel dürften zur Ausbreitung beigetragen haben. (mit dpa)

Mehr zum Thema

Impfschutz erleichtern

In Thüringen jetzt Schutzimpfung im Gesundheitsamt möglich

Frauen im Nachteil

Körperliche Untersuchung wird bei LUTS oft vernachlässigt

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Thailandpilz, Tierkontakt & Nagelpilz

© Iuliia Petrovskaia | iStock

Dermatophyten-Infektionen

Thailandpilz, Tierkontakt & Nagelpilz

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Folgen einer Fehldiagnose bei Menschen mit einer Seltenen Erkrankung (SE), die angaben, dass ihre SE oder die SE einer von ihnen betreuten Person mindestens einmal falsch diagnostiziert wurde (n=4.756)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Neuromyelitis-Optica-Spektrum-Erkrankungen

Weshalb das rechtzeitige Erkennen und Behandeln wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Abb. 1: Pharmakokinetik von Rezafungin bei einer Dosierung von 400mg, gefolgt von 200mg einmal wöchentlich

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [10]

Invasive Candida-Infektionen

Modernes Echinocandin – optimierte Eigenschaften und klinische Vorteile

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Mundipharma Deutschland GmbH & Co. KG, Frankfurt/Main

Ist das AMNOG bereit für HIV-Innovationen?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Kasuistik

Atypische Stirnfalten: Wo kommen sie her?

Erkrankung des Herzmuskels

Magnetokardiographie zur Kardiomyopathie-Diagnostik?

Lesetipps
Eine Puppe liegt dreckig auf dem Boden.

© fotogeng / stock.adobe.com

Dissoziation

Umgang mit Trauma und PTBS: Was kann die Hausarztpraxis leisten?

Wenn das Bindegewebe im Becken an Spannung verliert oder geschädigt wird, droht ein Descensus genitalis. Wichtig sind Aufklärung und Beratung der betroffenen Frauen.

© H_Ko / Stock.adobe.com

Genitalsenkung

Descensus genitalis: Aktualisierte Empfehlungen auf S3-Niveau