In Wildtieren

Rattenlungenwurm auf Mallorca entdeckt

Der Rattenlungenwurm hat sich von Südostasien aus verbreitet. Nun wurde der Parasit auch auf der Urlaubsinsel Mallorca in zwei Igeln nachgewiesen.

Von Anne Bäurle Veröffentlicht: 09.10.2019, 13:25 Uhr

Palma / Berlin. Auf Mallorca haben Forscher in zwei Igeln den Rattenlungenwurm (Angiostrongylus cantonensis) nachgewiesen (Eur Surveill 2019; 24(33):1900489). Die Tiere wurden an zwei verschiedenen Orten auf der Insel gefunden und in einer Auffangstation abgegeben. Den Wissenschaftlern zufolge handelt sich um die ersten beiden Fälle des zoonotischen Parasiten in Wildtieren in Westeuropa.

Die beiden Igel hätten Symptome einer akuten neurologischen Erkrankung gezeigt, in einer Autopsie nach dem Tod der Tiere seien dann die Nematoden im Subarachnoidalraum nachgewiesen worden, berichten die Forscher um Dr. Claudia Paredes-Esquivel von der Universität der Balearen. Es sei anzunehmen, dass der Parasit auf der Insel aktiv übertragen werde, ein möglicher Zwischenwirt des Rattenlungenwurms seien Schnecken.

Vorsicht bei Verzehr von Schnecken

Da diese Teil der mallorquinischen Küche sind, raten die Forscher dazu, keine rohen oder nicht genügend gegarten Schnecken zu verzehren, um Infektionen beim Menschen zu vermeiden. Allerdings sei der Mensch für den Parasiten ein Fehlwirt, die Larven könnten sich im Menschen nicht vollständig entwickeln und sterben nach einigen Monaten ab.

Menschen erkrankten daher nur unter sehr ungewöhnlichen Umständen, erläuterte Professor Tomas Jelinek vom Centrum für Reise- und Tropenmedizin CRM. Von den sehr seltenen, schweren Verläufen mit Meningitis seien eher Menschen mit Abwehrschwäche betroffen.

„Eine Rarität“

Weltweit sind bisher rund 2800 Erkrankungen durch den Wurm aus 30 Ländern beschrieben – „das ist eine Rarität“, betont Jelinek. Ein Schwerpunkt sei Thailand, bekannt sind auch extreme Einzelfälle von Wetten oder Mutproben, bei denen Menschen lebende Schnecken aßen und erkrankten.

Einer Überblicksstudie zufolge komme es in zwei bis drei Prozent der Fälle zum Tod. Mit einem größeren Erkrankungsrisiko für Menschen in Europa rechnet Jelinek daher generell nicht. Allerdings habe sich der Parasit mittlerweile ausgebreitet: „Früher war das ein südostasiatisches Problem“, so Jelinek. Angaben der US-Seuchenbehörde CDC zufolge ist Angiostrongylus cantonensis mittlerweile auch in Afrika, der Karibik und den USA verbreitet. Globalisierung und Klimawandel dürften zur Ausbreitung beigetragen haben. (mit dpa)

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