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Hepatitis B

Reaktivierung unter HCV-Therapie?

Die FDA empfiehlt, vor der Hepatitis-C-Therapie mit direkt wirkenden antiviralen Arzneien eine HBVSerologie durchzuführen.

Von Dr. Christine Starostzik Veröffentlicht:

SILVER SPRING. Nachdem einige Fälle von HBV-Reaktivierungen unter HCV-Therapien gemeldet wurden, empfiehlt die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA, bei allen Patienten mit Hepatitis C vor dem Einsatz direkt wirkender antiviraler Medikamente (DAA) eine HBV-Serologie durchzuführen. Wird eine abgelaufene oder aktuelle Hepatitis-B-Koinfektion festgestellt, sollen die Patienten während und nach der HCV-Therapie mit DAA besonders überwacht werden (wir berichteten kurz).

Auch wenn die Hepatitis klinisch ausgeheilt ist, kann sich in der einen oder anderen Zelle zuweilen doch noch ein HB-Virus verbergen. Immer wieder tauchen Berichte darüber auf, dass diese "Schläfer" im Rahmen bestimmter Therapien, etwa mit immunsupprimierenden Medikamenten, zu neuem Leben erwachen und die HBV-Infektion wieder aufflammt. Nachdem dieses Phänomen aktuell auch bei Patienten beobachtet wurde, die sich einer Hepatitis-C-Therapie ohne Interferon unterzogen hatten, hat die FDA vor dem Risiko einer Hepatitis-B-Reaktivierung im Zusammenhang mit direkt wirkenden antiviralen Wirkstoffen zur Behandlung der Hepatitis C gewarnt. Zu den DAA, die zur Therapie der chronischen HCV-Infektion zugelassen sind, gehören der Arzneimittelkommision der deutschen Ärzteschaft zufolge etwa Daclatasvir, Dasabuvir, Sofosbuvir/Ledipasvir, Simeprivir, Sofosbuvir und Ombitasvir/Paritaprevir/Ritonavir. Diese Wirkstoffe können ohne die weniger gut verträglichen Interferone eingesetzt werden.

Grundlage der Warnung sind Fallberichte von Patienten, die mit HBV und HCV infiziert waren und bei denen es unter der HCV-Therapie mit DAA ohne Interferon innerhalb von vier bis acht Wochen zu einer HBV-Reaktivierung gekommen war. Aus Meldungen an die FDA sowie aus der Literatur sind 24 Fälle einer HBVReaktivierung bei HBV/HCV-koinfizierten Patienten, die zwischen dem 22. November 2013 und dem 18. Juli 2016 mit DAAs behandelt wurden, bekannt. Einer der Patienten benötigte eine Lebertransplantation, zwei starben. Da Menschen mit HBV-Koinfektion als Probanden von den Zulassungsstudien ausgeschlossen worden waren, wurde eine solche Komplikation nicht untersucht. Die Gründe für die Reaktivierung sind noch unklar.

Aufgrund der aktuellen Fälle rät die FDA dazu, alle Patienten vor Therapiebeginn mit DAA nach früheren Leberproblemen zu befragen und auf eine aktuelle oder abgelaufene HBV-Infektion zu testen. Während und nach einer Behandlung mit den entsprechenden Hepatitis-C-Therapeutika sollte der Arzt auf klinische und laborchemische Zeichen einer HBV-Reaktivierung achten und die Patienten über das mögliche Risiko aufklären. Diese sollen sofort einen Arzt aufsuchen, wenn sich Hinweise auf eine Leberschädigung wie Müdigkeit, Schwäche, Appetitverlust, Übelkeit, Erbrechen, Gelbfärbung der Augen beziehungsweise der Haut oder helle Stühle zeigen.

Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) untersucht aufgrund von Studiendaten vom April 2016 derzeit außerdem das Risiko für ein Wiederauftreten des hepatozellulären Karzinoms.

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