Direkt zum Inhaltsbereich

Corona-Therapie

Remdesivir beschleunigt Genesung bei COVID-19

In einer nach hohen Standards durchgeführten Studie ist jetzt eine moderate Wirksamkeit des Virostatikums Remdesivir gegen COVID-19 nachgewiesen worden.

Wolfgang GeisselVon Wolfgang Geissel Veröffentlicht:
Remdesivir auf dem Prüfstand: Die Arznei verkürzt die Krankheitszeit bei COVID-19 um knapp ein Drittel.

Remdesivir auf dem Prüfstand: Die Arznei verkürzt die Krankheitszeit bei COVID-19 um knapp ein Drittel.

© MQ-Illustrations / stock.adobe.c

ACTT-Studie

Im „Adaptive COVID-19 Treatment Trial“ mit Remdesivir ist zum ersten Mal die Wirksamkeit einer Substanz gegen COVID-19 in einer Studie mit höchstem Standard nachgewiesen worden.

Öffentlich gefördert: Die Studie wurde vom US-„Institute for Allergy and Infectious Diseases“ (NIAID) finanziert und weltweit in 68 Zentren durchgeführt.

Einschränkung: Bisher hat das NIAID nur vorläufige Ergebnisse in einer Presse-Erklärung mitgeteilt. Die Publikation in einem Wissenschafts-Journal mit Review-Verfahren steht noch aus.

Neu-Isenburg. Das Virostatikum Remdesivir vom Unternehmen Gilead nützt COVID-19-Patienten offenbar doch. Nach enttäuschenden Ergebnissen aus einer chinesischen Studie hat jetzt das US-„Institute for Allergy and Infectious Diseases“ (NIAID) vorläufige erste positive Ergebnisse des „Adaptive COVID-19 Treatment Trial“ (ACTT) zu dem Medikament mitgeteilt. Die Studiendaten sind allerdings bisher noch nicht publiziert und haben das Review-Verfahren noch nicht durchlaufen.

An der randomisiert-kontrollierten und vom NIAID finanzierten Studie sollten ursprünglich 1063 unterschiedlich schwer erkrankte COVID-19-Patienten teilnehmen. Die Teilnehmer in 68 Zentren weltweit wurden über zehn Tage mit Remdesivir oder Placebo behandelt. Wegen des Erfolgs soll die Studie nun vorzeitig abgebrochen werden, habe das Data Safety Monitoring Board (DSMB) entschieden.

Was war der primäre Endpunkt?

Nach Angaben des NIAID war bei den Patienten der Remdesivir-Gruppe der primäre Endpunkt „Zeit bis zur Genesung“ im Vergleich zu den Patienten der Placebo-Gruppe überlegen. „Genesung“ war dabei als Entlassung aus dem Krankenhaus oder Rückkehr zu einem „normalen Aktivitätsniveau“ definiert worden. Die mediane Dauer bis zur Genesung wird dabei in der Remdesivir-Gruppe mit 11 Tagen und in der Placebo-Gruppe mit 15 Tagen angegeben. Dies bedeute eine um im Schnitt 31 Prozent schnellere Genesungszeit bei Therapie mit dem Virostatikum.

Dem NIAID zufolge deuten diese Ergebnisse zugleich auf einen leichten Überlebensvorteil hin. Die Mortalität betrug in der Remdesivir-Gruppe 8 Prozent verglichen mit 11,6 Prozent in der Placebo-Gruppe. Der Unterschied war allerdings statistisch nicht signifikant (p=0,059).

Die ACTT-Studie ist „bezüglich des primären Endpunktes belastbar und aussagekräftig. Es konnte gezeigt werden, dass COVID-19-Patienten unter einer Therapie mit Remdesivir früher aus dem Krankenhaus entlassen werden konnten beziehungsweise sich schneller erholten“, kommentiert Professor Clemens Wendtner von der München Klinik Schwabing die vorgestellten Ergebnisse in einer Mitteilung des Science Media Centers (SMC).

Publikation der Daten wird sehnsüchtig erwartet

Für den Chefarzt der Infektiologie und Tropenmedizin sowie dem Leiter der Spezialeinheit für hochansteckende lebensbedrohliche Infektionen bleiben jedoch noch viele Fragen offen: Remdesivir zeige zwar einen Trend für ein besseres Überleben für symptomatische COVID-19-Patienten. Trotzdem sterbe aber laut Studie noch jeder zwölfte Patient. „Hier sind die Gründe in der vollständigen Auswertung genau zu betrachten. So stellt sich zum Beispiel die Frage, ob eventuell ein früherer Einsatz der Substanz von Vorteil sein könnte, da Sekundärkomplikationen, wie irreversible Lungen- und Nierenschädigungen, verhindert werden könnten“, betont Wendtner in der Mitteilung.

Für den Infektiologen bleibt zudem noch offen, wie viele Patienten von einer invasiven Beatmung auf der Intensivstation entwöhnt werden und wieder auf die Normalstation verlegt werden konnten. Von Interesse sei darüber hinaus, wie schnell Viruslasten im Nasenrachenraum beziehungsweise in der Lunge unter Remdesivir abnähmen. Wendtners Fazit: „Eine detaillierte Analyse der Sicherheitsdaten mit dem exakten Nebenwirkungsprofil von Remdesivir muss abgewartet werden.“

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Hantavirus und Ebolavirus

Was Patienten brauchen, die Sorge vor einem neuen Virusausbruch haben

Das könnte Sie auch interessieren
Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

© AndreasReh, Ljupco, tinydevil, shapecharge | istock

rHWI

Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

© Dr_Microbe | Adobe Stock

In vitro-Studien

Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Dr. Thomas Georg Schätzler 03.05.202017:22 Uhr

Remdesivir-Ergebnisse und Trumpsche Fehlannahmen kritisch beleuchtet

Eine um 31 % schnellere Genesung als in der Placebo-Gruppe ist mit p < 0,001 fraglos hochsignifikant. Aber wenn im Median die Genesungszeit in der Remdesivirgruppe 11 Tage und in der Placebogruppe 15 Tage beträgt, hilft das wenig, wenn der nur leicht höhere Überlebensvorteil für Remdesivir gar nicht signifikant ist. Die Mortalitätsrate betrug hier 8,0 % gegenüber 11,6 % in der Plazebogruppe (p = 0,059) und ist damit rein statistisch gesehen insignifikant.

Pech auch für Donald Trump, der ja schon mit seinem Anti-Malaria-Mittel, Desinfektionsmittel i. v., Lichttherapie und der Ersteinschätzung eines vorübergehenden "Schnupfens" falsch lag.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Signalkaskade der kardiovaskulären Inflammation

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [9]

Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt

Therapie der kardiovaskulären Inflammation senkt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APONTIS PHARMA Deutschland GmbH & Co. KG

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Abb. 1: Empagliflozin reduzierte auch bei niedriger Ausgangs-eGFR die Progression der chronischen Nierenkrankheit (Test für Heterogenität/Trend: a) 12=0,06, p=0.81; b) 12=6,31, p=0,012)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Chronische Nierenkrankheit

SGLT2-Inhibition: Nephroprotektiv auch bei stark erniedrigter eGFR

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Ko KG, Ingelheim am Rhein
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

„ÄrzteTag“-Podcast

Wie kommuniziert man Zahlen und Risiken verständlich, Dr. Lühnen?

Medizin aus dem Kochtopf

Wie Ernährung die altersbedingte Makuladegeneration beeinflusst

Lesetipps
Schatten eines übergewichtigen Menschen an einer Wand.

© Luluraschi / stock.adobe.com

Fettleibigkeit beginnt im Gehirn

Adipositas: Wechselspiel zwischen Genetik, Hirn und Mikrobiom

Fußballfans im Stadion jubeln.

© Jacob Lund / stock.adobe.com

Anpfiff fürs Herzrasen

Gefährlich emotional: Wenn Fußball aufs Herz geht