Interview

"Schon einfache Maßnahmen helfen bei Hämorrhoiden"

Keine Angst vor proktologischen Untersuchungen und Eingriffen müssen Patienten heute haben. Professor Alexander Herold aus Mannheim wird dies beim Praxis Update anhand von Studiendaten untermauern.

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Professor Alexander Herold

© privat

Aktuelle Position: Sprecher des End- und Dickdarm-Zentrums Mannheim

Werdegang / Ausbildung: 1976-1983 Medizinstudium an der Universität Würzburg; 1983 Approbation als Arzt; 1985 Promotion;

1985-1990 Assistent an der Chir. Univ. Würzburg; 1990 Facharzt für Chirurgie; 1993-1997 Oberarzt der Klinik für Chirurgie der Med. Univ. Lübeck; 1997 Facharzt für Viszeralchirurgie;

1997-1999 Leitender Arzt der Abteilung für Chirurgie / Koloproktologie der Deutschen Klinik für Diagnostik, Wiesbaden; 1998 Habilitation; 2000 Qualifikation als Koloproktologe (BCD); 2006 Zusatzweiterbildung Proktologie

Ärzte Zeitung: Herr Professor Herold, welches sind die häufigsten Erkrankungen, die in den Fachbereich des Proktologen fallen?

Professor Alexander Herold: Das sind vor allem Hämorrhoiden - jeder Zweite ist im Laufe seines Lebens davon betroffen. Außerdem treten häufig Analfissuren auf, seltener Analfisteln oder etwa Darmentleerungsstörungen und Stuhlinkontinenz.

Ärzte Zeitung: Welche Fortschritte gab es in den vergangenen Jahren bei der Behandlung dieser Beschwerden?

Herold: Weiterentwickelt wurden hinsichtlich der Therapie schmerzhafter, symptomatischer Hämorrhoiden vor allem die Operationstechniken. Sie werden immer weniger invasiv. Ein neuer Standard ist die Hämorrhoiden-Arterien-Ligatur mit Raffung. Neu ist der Einsatz von Lasertechniken.

Ärzte Zeitung: Was kann der Hausarzt unterstützend bei Patienten mit Hämorrhoiden tun?

Herold: In vielen Fällen helfen bei Hämorrhoiden schon einfache Maßnahmen zur Stuhlregulation und Entzündungs-hemmende Salben. Genügt dies nicht, ist eine Überweisung zum Proktologen angezeigt. Aber auch nach einem Eingriff sollten die Basismaßnahmen beibehalten werden.

Ärzte Zeitung: Wie sieht es bei den Analfisteln aus - sind Operationen noch immer mit dem Risiko einer Stuhlinkontinenz verbunden?

Herold: Auch bei den Analfisteln wird heute viel schonender vorgegangen. Technisch gibt es häufig die Möglichkeit, Schließmuskel erhaltend zu operieren. Das kommt den gewachsenen Ansprüchen der Patienten entgegen.

Ärzte Zeitung: Wie darf man sich das vorstellen?

Herold: Analfisteln müssen nicht mehr komplett gespalten werden, sondern es wird ein "plastischer Verschluss" gemacht. Dabei wird die Fistel um den Schließmuskel herum ausgeschält und dann vernäht. Eine zweite Methode ist die vorsichtigere Spaltung und anschließende Rekonstruktion des Schließmuskels.

Relativ neu ist die dritte Option, das Einbringen eines etwa 10 cm langen "Plugs" aus tierischem oder synthetisch hergestelltem Gewebe. Er verschließt die Fistel wie ein Stöpsel, baut sich allmählich biologisch ab und wird durch körpereigenes Bindegewebe ersetzt.

Die Fragen stellte Simone Reisdorf.

16 CME-Punkte für das Praxis Update

Das Praxis Update findet an vier Orten und zwei Terminen statt: am 27. und 28. April 2012 in Berlin und München, am 4. und 5. Mai 2012 in Wiesbaden und Köln.

Bei den jeweiligen (Landes-) Ärztekammern wird die Zertifizierung als Fortbildung der Kategorie A beantragt.

Für die Teilnahme an beiden Tagen gab es bisher 16 CME-Punkte.

Infos: www.praxis-update.com

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