Pilotstudie

Screening auf Alzheimer mit Ultraschall?

Transkranielle Sonografie deckt Alzheimer-typische Gewebeveränderungen im Gehirn auf.

Veröffentlicht:

BERLIN. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) haben eine neue Methode zur Diagnose der Alzheimer-Demenz entwickelt. In einer Pilotstudie konnten sie Alzheimer-typische Gewebeveränderungen in einem bestimmten Teil des Gehirns mit transkranieller Sonografie sichtbar machen (Ultraschall in der Medizin 2016, online 7. Juni). Die Forscher wollen diesen Befund nun an größeren Patientengruppen bestätigen und prüfen, inwieweit sich der Hirnultraschall auch als Screening-Instrument zur reihenmäßigen Untersuchung in der Bevölkerung eignet, teilt die DEGUM mit.

In der Alzheimer-Diagnostik kämen bildgebende Verfahren bereits zum Einsatz, erinnert die DEGUM in ihrer Mitteilung. Mit der MRT können Veränderung des Gehirnvolumens durch das Absterben von Zellen im mittleren Schläfenlappen des Großhirns sichtbar gemacht werden, einem Bereich, der für Gedächtnis und Erinnerungsvermögen wichtig ist. Allerdings seien MRT-Untersuchungen aufwändig und teuer, als Screening-Instrument also nicht geeignet.Darüber ließen sich mit nuklearmedizinischer Untersuchungen wie dem "PIB-PET" Alzheimer-typische Eiweißablagerungen erkennen. Diese Technik kommt aber bislang nur im Rahmen von Studien zum Einsatz. Gemeinsam mit ihrem Team hat Professor Daniela Berg, Klinik für Neurologie des Uniklinikums Schleswig-Holstein in Kiel, die neue Methode entwickelt. "Wir haben 32 Alzheimerpatienten und 84 gesunde Probanden mit der transkraniellen Sonografie untersucht und deutliche Unterschiede in der Gewebestruktur erkannt", wird Berg zitiert. "Die Resultate sind mit denen der MRT vergleichbar".

Um die wissenschaftliche Stichhaltigkeit zu belegen, sei es nun nötig, die Ergebnisse durch größere Studien zu bestätigen. "Wir werden nun in Zusammenarbeit mit anderen neurologischen Zentren untersuchen, inwieweit sich der Ultraschall auch zur Früherkennung von Alzheimer eignet", so Berg. Sei dies der Fall, würde sich die Sonografie auch als Screening-Instrument bei ersten kognitiven Einschränkungen anbieten, so die Expertin.

Erwiesen sich neue Therapieansätze, die derzeit in der Entwicklung sind – etwa die Immuntherapie zur Vermeidung der Eiweißakkumulationen – als wirksam, sei die frühe Diagnose eine wichtige Voraussetzung für den Therapieerfolg, so Berg. Ebenso wichtig sei es, dass Patienten und ihre Angehörigen sich mit der Krankheit so früh wie möglich auseinanderzusetzen, wesentliche zusätzliche Risikofaktoren für ein Fortschreiten der Demenz meiden und aktivierende Therapien in Anspruch nehmen. Bislang nutzen Neurologen den Hirnultraschall unter anderem für die Diagnose von Parkinson. "Den Ansatz, die Sonografie auch bei Alzheimer-Demenzen einzusetzen, halte ich gerade als Werkzeug für zukünftige Therapiestudien für vielversprechend", so Professor Martin Köhrmann, Neurologische Klinik am Uniklinikum Essen. Bislang ist der Ultraschall zur Diagnose von Alzheimer jenen Patienten vorbehalten, die an Studien der Uniklinik Kiel und den kooperierenden Zentren teilnehmen. (eb)

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