Typ-2-Diabetes

Unterzuckerung erhöht Gefahr für Verkehrsunfälle

Für insulinpflichtige Diabetiker ist die Hypoglykämie ein tägliches Risiko. Dass die Therapie mit oralen Antidiabetika ähnliche Gefahren bergen kann, wird bislang zu wenig beachtet.

Von Dr. Christine Starostzik Veröffentlicht: 11.03.2013, 06:38 Uhr
Hypoglykämien trüben die Sinneswahrnehmungen im Straßenverkehr.

Hypoglykämien trüben die Sinneswahrnehmungen im Straßenverkehr.

© Andreas G. Karelias/shutterstock

BOSTON. Wie häufig sind Hypoglykämien bei Typ-2-Diabetikern und wie beeinträchtigen die Episoden die Sicherheit im Verkehr?

Um dies zu klären, haben jetzt US-Forscher Daten von Patienten unter oralen Antidiabetika aus der Zeit von 1998 bis 2010 analysiert (Diabetes, Obesity and Metabolism 2012; online 22. November).

Unter anderem wurden Unfallstatistiken von 5582 Patienten ausgewertet, bei denen es zu Hypoglykämien gekommen war. Die Ergebnisse wurden dann mit Daten von 27.910 in ähnlicher Weise behandelten Diabetikern ohne Unterzuckerepisoden verglichen.

Dabei zeigte sich, dass Typ-2-Diabetiker mit Hypoglykämieerfahrung häufiger Sulfonylharnstoffe einnahmen (38,2 vs. 25,3 Prozent) und im Vergleich deutlich mehr Komorbiditäten aufwiesen.

Unfallrate um 39 Prozent erhöht

Das Problem von Hypoglykämien unter oralen Antidiabetika ist nicht zu vernachlässigen, betonen die Forscher. Immerhin mussten 5,5 Prozent der Patienten mit Hypoglykämien wegen Unfällen stationär behandelt werden. In der Gruppe der Typ-2-Diabetiker ohne Unterzuckerungen waren es nur 2,8 Prozent.

Auch wenn der Einfluss von Alter, Geschlecht, Komorbiditäten, Medikation und anderen Faktoren herausgerechnet wurde, war die Unfallrate bei Hypoglykämien signifikant erhöht, und zwar um 39 Prozent im Vergleich zu Patienten ohne Unterzuckerungen.

Auch gab es bei Patienten mit Hypoglykämien 36 Prozent mehr Stürze und fast doppelt so viele Auto-Unfälle.

Jüngere Typ-2-Diabetiker (unter 65 Jahre) mit Hypoglykämien waren 2,3-mal häufiger in Verkehrsunfälle verwickelt als Altersgenossen ohne Hypoglykämien. Über 65-Jährige hatten ein um 52 Prozent erhöhtes Sturzrisiko infolge Unterzuckerung.

Patienten über Gefahren von Hypoglykämien aufklären

Dass ältere Diabetiker trotz Hypoglykämien viel weniger Unfälle im Straßenverkehr erlitten als jüngere, verwunderte die Studienautoren nicht. Denn bereits frühere Untersuchungen mit älteren insulinpflichtigen Diabetikern haben gezeigt, dass diese ihre Fahrweise den nachlassenden Fähigkeiten anpassen.

So steuern sie ihr Auto etwa nur noch bei Tag, fahren keine langen Strecken mehr und steigen bei schlechter Witterung lieber auf öffentliche Verkehrsmittel um.

Fazit: Nicht nur Insulinpatienten, auch Typ-2-Diabetiker, die ausschließlich orale Antidiabetika erhalten, müssen von ihren Ärzten über die Gefahren von Hypoglykämien aufgeklärt werden, so die Autoren.

Sulfonylharnstoffe steigern das Hypoglykämierisiko deutlich, und die zusätzliche Einnahme eines Glitazons verstärkt das Problem weiter.

Patienten mit entsprechender Medikation sollten die Symptome einer Unterzuckerung sowie mögliche Maßnahmen zur Vorsorge kennen, um Verkehrsunfälle und Stürze zu vermeiden.

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Egon Manhold

FAZIT:

IQWiG und G-BA sollten das endlich zur Kenntnis nehmen bzw. akzeptieren und den T2-Diabetikern in ausreichender Menge BZ-Teststreifen zugestehen, d.h. rezeptierbar stellen.


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