Folgeerkrankungen des Typ-2-Diabetes

Diabetischer Fuß: SGLT2-Inhibitoren schneiden etwas besser ab als GLP-1-Rezeptoragonisten.

Neuere Antidiabetika haben über die reine Blutzuckerkontrolle hinaus Vorteile. Gilt das auch für diabetische Fußläsionen? Ein Vergleich zwischen SGLT2-Inhibitoren und GLP-1-Rezeptoragonisten.

Eva BauerVon Eva Bauer Veröffentlicht:
Fußläsion

Fußläsionen zu verhindern ist ein essenzielles Ziel der Diabetestherapie.

© Brauer / stock.adobe.com

Aarhus. SGTL2-Inhibitoren führen im Vergleich zu GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RA) zu einem leicht geringeren Risiko für diabetische Folgeerkrankungen des Fußes, was hauptsächlich auf ein geringeres Neuropathierisiko zurückzuführen ist. Dies legt eine bevölkerungsbasierte dänische Kohortenstudie nahe (Ann Intern Med 2026; online 5. Januar).

SGLT-2-Hemmer und Neuroprotektion

  • SGLT2-Inhibitoren verbessern die Nervenleitgeschwindigkeit und reduzieren neuropathische Schmerzen bei Menschen mit Typ-2-Diabetes.
  • Neben neuroprotektiven werden auch pleiotrope Effekte vermutet, darunter entzündungshemmende Wirkungen und eine Verringerung von oxidativem Stress.
  • SGLT2-Inhibitoren tragen darüber hinaus zur Verbesserung der mikrovaskulären Durchblutung bei und können damit das Fortschreiten der Neuropathie verlangsamen.

Für die Untersuchung wählten die dänischen Forscher die Methode der sogenannten Target-trial-Emulierung (TTE), bei der Beobachtungsdaten aus der Real World nach den Prinzipien einer randomisiert-kontrollierten Studie ausgewertet werden. Eingeschlossen wurden mehr als 84.000 Erwachsene mit Typ-2-Diabetes aus einem nationalen Gesundheitsregister, die eine Behandlung mit SGLT2-Inhibitoren oder GLP-1-RA begannen.

Endpunkte waren neu auftretende Diagnosen von Fußerkrankungen, darunter:

  • periphere Neuropathie
  • periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)
  • Fußulzera oder Amputation der unteren Extremitäten

Signifikant geringeres Risiko für periphere Neuropathie

Über einen Zeitraum von sechs Jahren entwickelten 10,8 Prozent der SGLT2-Hemmer-Anwender Fußläsionen, verglichen mit zwölf Prozent der GLP-1-RA-Anwender (relatives Risiko [RR] 0,90, 95-%-KI 0,84 bis 0,97). Die moderate Risikoreduktion ging hauptsächlich auf ein signifikant besseres Abschneiden der SGLT2-Inhibitoren bei der peripheren Neuropathie zurück (RR 0,78, 95-%-KI 0,68 bis 0,87), während die Ergebnisse für pAVK, Ulzera und Amputationen bei beiden Wirkstoffen vergleichbar waren.

Damit wurde ein erhöhtes Risiko für Amputationen der unteren Extremität, wie es frühere Studien aufgezeigt hatten, nicht bestätigt.

Erhöhtes Amputationsrisiko unter Canagliflozin?

In der Vergangenheit haben Studien zum SGLT2-Hemmer Canagliflozin neben einem geringeren Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse ein erhöhtes Risiko für Amputationen an Beinen und Füßen gezeigt, woraufhin Warnhinweise verhängt wurden (N Engl J Med 2017; 377: 644-657).

Auf Grundlage neuerer Daten kam die US-Zulassungsbehörde FDA jedoch zu dem Schluss, dass das Risiko geringer ist als zunächst vermutet, und zog die Black-Box-Warnung wieder zurück (FDA Drug Safety Communication, 26.08.2020).

Auch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) erachtet das Nutzen-Risiko-Verhältnis von Canagliflozin weiterhin als positiv (Risikoinformation BfArM, 08.05.2017).

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Protektiver Effekt macht sich erst später bemerkbar

Die Unterschiede traten jedoch erst nach dem dritten Jahr der Nachbeobachtung zutage, als 40 Prozent der Teilnehmer in der SGLT2-Inhibitor-Gruppe und 32 Prozent in der GLP-1-RA-Gruppe die ursprüngliche Behandlung abgebrochen hatten, was darauf hindeutet, dass sich der protektive Effekt der SGLT2-Hemmer erst nach einem längeren Zeitraum einstellt. Allerdings könnten häufige Abbrüche der Medikamenteneinnahme und Behandlungswechsel die Ergebnisse auch beeinflusst haben, was den tatsächlichen Unterschied zwischen den Substanzklassen infrage stellen würde.

Dennoch werten die Autoren die Ergebnisse der Studie insgesamt als positiv und sehen die zusätzlichen Vorteile von neueren Antidiabetika bestätigt. Dies solle auch bei Patienten mit einem hohen Risiko für diabetische Fußläsionen berücksichtigt werden.

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