Hepatitis C-Virus

Ursache von Kopf-Hals-Tumoren?

Bei chronisch HCV-infizierten Patienten muss außer mit bestimmten Lymphomen auch mit weiteren nicht die Leber betreffenden Tumoren gerechnet werden. Dazu zählen manche Kopf-HalsTumoren, wie eine Studie vermuten lässt.

Von Peter LeinerPeter Leiner Veröffentlicht:
S-Onkologen empfehlen, Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren auf HCV zu testen.

S-Onkologen empfehlen, Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren auf HCV zu testen.

© jarun011 / fotolia.com

HOUSTON. Es gibt immer mehr Berichte über Zusammenhänge zwischen der Infektion mit Hepatitis C-Virus (HCV) und der Entstehung von nicht hepatischen Malignomen.

Da ihnen aufgefallen war, dass in ihrer 2009 eingerichteten Klinik für Krebspatienten mit HCV-Infektionen vermehrt Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren versorgt werden mussten, überprüften die Ärzte am MD Anderson Cancer Center in Houston in den USA, ob HCV-Seropositivität mit dem Auftreten von oropharyngealen und nicht oropharyngealen Kopf-HalsTumoren assoziiert ist.

Nicht oropharyngeale Tumoren waren Malignome der Mundhöhle, des Naso- und des Hypopharynx sowie des Kehlkopfes.

Für ihre retrospektive Studie standen die Befunde von 34.545 Krebspatienten zur Verfügung, die in der Dekade zwischen 2004 und 2014 an dem Zentrum auf Antikörper gegen HCV getestet worden waren (J Natl Cancer Inst 2016; 108: djw035).

Als Kontrollgruppe wählten die Ärzte 694 Patienten, die Tumoren hatten, welche im Zusammenhang mit Rauchen stehen: Lungenkrebs (n = 378), Ösophaguskarzinom (n = 168) und Blasenkrebs (n=148). Alle Tumordiagnosen waren histopathologisch bestätigt. Weil der Zusammenhang mit B-Zell-Lymphomen bereits bekannt ist, blieben solche Patienten in der Studie unberücksichtigt.

Dem Team um Dr. Parag Mahale standen die Befunde von 409 Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren zur Verfügung. 164 von ihnen hatten ein Oropharynx-Karzinom, die übrigen Patienten eines der vier nicht oropharyngealen Karzinome.

Den Angaben der Ärzte zufolge lag die Prävalenz HCV-positiver Krebspatienten in der Gruppe mit Oropharynx-Karzinomen bei 14 Prozent, in der Kontrollgruppe dagegen bei 6,5 Prozent. In der Gruppe mit nicht oropharyngealen Karzinom betrug die Prävalenz 20 Prozent, in der mit HPV-positiven Oropharynxkarzinomen 16,9 Prozent.

Im Vergleich zur Kontrollgruppe war bei HCV-Infizierten, bestätigt durch den Nachweis der Virus-RNA, das Risiko für Mundhöhlenkrebs um das 2,43-Fache (95%-Konfidenzintervall zwischen 1,17 und 5,08; p = 0,02) und für ein Oropharynxkarzinom um das 2,04-Fache (95%-Konfidenzintervall zwischen 1,04 und 4,01; p = 0, 04) erhöht.

Das Risiko für ein Larynxkarzinom war sogar um das 4,96-Fache erhöht. Bei diesen Berechnungen wurden das Alter zum Zeitpunkt der Krebsdiagnose, Geburt zwischen 1945 und 1965 (die Zeit, in der die HCV-Prävalenz hoch war), höchster Bildungsstand, Rauchen und Alkoholkonsum berücksichtigt.

Die Ergebnisse der Studie sind nach Ansicht von Mahale und seinen Kollegen klinisch relevant, weil sie eine Bestätigung dafür lieferten, dass eine HCV-Infektion außer mit der Entstehung eines B-Zell-Lymphoms auch mit anderen nicht hepatozellulären Karzinomen wie manchen Kopf-Hals-Tumoren assoziiert ist.

 Sie gehen sogar so weit zu empfehlen, Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren auf HCV zu testen, um frühzeitig eine antivirale Therapie einleiten zu können und somit ein Fortschreiten der Lebererkrankung zu verlangsamen.

Ob sich durch eine frühzeitige HCV-Therapie die Entstehung von Kopf-Hals-Tumoren verhindern lässt, sei unklar, ebenso, ob sich die Prognose der Krebserkrankung verbessern lässt, wie es bei Patienten mit HCV-assoziierten Non-Hodgkin-Lymphomen beobachtet worden sei.

Dass auch eine Assoziation zwischen HCV-Infektion und HPV-positiven Oropharynx-Karzinomen beobachtet wurde, könnte nach Ansicht der Onkologen ein Hinweis auf einen riskanten Lebensstil sein.

Während HPV vornehmlich sexuell übertragen wird, ist das bei HCV extrem selten der Fall, das Virus wird am häufigsten über intravenösen Drogengebrauch übertragen. Allerdings konnten die Ärzte diesen Zusammenhang in ihrer Studie nicht überprüfen. Schließlich halten sie es für möglich, dass beiden Virusarten bei der Krebsentstehung einen synergistischen Effekt haben.

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