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Kommentar zu Ebola

Verpasste Chancen

Von Thomas Müller Veröffentlicht:

Es ist für Ärzte nicht einfach, mit ansehen zu müssen, wie Patienten sterben, ohne dass sie etwas tun können. Der Druck, irgendetwas zu geben, in der Hoffnung, dass es hilft, ist immens.

Selbst die WHO ist dagegen nicht immun: Sie hat im August vergangenen Jahres sämtliche wissenschaftlichen Standards über Bord geworfen und der Verwendung ungeprüfter Wirkstoffe bei Ebola-Patienten zugestimmt.

Eine Folge: Derzeit werden in Westafrika zwei Virustatika ohne jegliche Kontrollgruppe verwendet. Ebolakranken könne man aus ethischen Gründen keine Placebos geben, lautet eine Begründung.

Doch das Gegenteil ist der Fall: Solange nicht bewiesen ist, dass die neuen Mittel den Patienten mehr nutzen als schaden, muss es eine Placebo-Kontrollgruppe geben.

Andernfalls riskiert man, den Tod der Patienten zu beschleunigen, und wird nie erfahren, ob die Mittel tatsächlich wirken. Auch im Mittelalter gab es Ärzte, die glaubten, ihre Kräuter würden gegen die Pest helfen. Eine kontrollierte Studie hätte sie rasch widerlegt.

Die WHO täte gut daran, schnell wieder auf den Pfad der Evidenz zurückzufinden. Dringend nötig wären Standards, um Medikamente während einer Epidemie zu testen.

Diese Chance hat man nun verpasst. Doch Ebola wird wieder kommen. Dumm nur, dass wir dann wohl immer noch keine Waffen haben, von denen wir wissen, dass sie funktionieren.

Lesen Sie dazu auch: Ebola-Epidemie: Die Zeit für Impfstofftests wird knapp

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