Diabetes mellitus

Vorteil für frühe orale Kombitherapie bei Diabetes

LEIPZIG (hbr). Eine frühe orale Kombitherapie optimiert bei Typ-2-Diabetikern Nüchternglukose und HbA1c-Werte. Außerdem fallen die gefäßschädigenden postprandialen Blutzuckerspitzen flacher aus.

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Die postprandial erhöhten Blutzuckerwerte sind ein unabhängiger Risikofaktor für kardiovaskuläre Mortalität. Dabei können sie schon im prädiabetischen Stadium der gestörten Glukosetoleranz makrovaskuläre Schäden anrichten - also in einem Stadium, in dem nur die Werte nach dem Essen zu hoch ausfallen, aber die Nüchtern-Blutzuckerwerte normal sind.

Bereits dann sollte man therapeutisch eingreifen, empfahl Professor Petra-Maria Schumm-Draeger vom Krankenhaus München-Bogenhausen. Denn das mikro- und makrovaskuläres Risiko von Diabetespatienten ist hoch: Wer mit 40 Jahren einen Diabetes bekommt, hat eine um 12 bis 14 Jahre verkürzte Lebenserwartung.

"Wir müssen die Patienten nüchtern und postprandial optimal einstellen", betonte sie. "Nur eine gute Stoffwechselkontrolle kann die Komplikationsraten senken." Die Diabetologin empfahl bei einem Symposium von Merck Pharma beim Diabeteskongreß in Leipzig als Höchstwerte nüchtern 100 mg/dl und zwei Stunden nach dem Essen 140 mg/dl.

Wenn das mit einer Umstellung des Lebensstils nicht zu erreichen ist, bietet sich als erster Schritt der oralen Therapie für übergewichtige Typ-2-Patienten Metformin (vom Unternehmen als Glucophage® angeboten) an. Es verringert die hepatische Glukoseproduktion und verbessert die Nüchternwerte. In der UKPDS-Studie hatten Patienten dadurch eine signifikant niedrigere Rate von Herzinfarkten, verglichen mit einem Sulfonylharnstoff, so Schumm-Draeger.

Als optimal stellte sich eine Dosis von zwei mal 1000 mg täglich heraus: Damit wurde in einer Studie mit 302 Teilnehmern die stärkste Abnahme des Nüchternblutzuckers erreicht, und zwar um 78 mg/dl . Der HbA1c sank mit dieser Dosis ebenfalls am deutlichsten: um zwei Prozentpunkte.

Werden die Therapieziele damit nicht ganz erreicht, kann frühzeitig prandial mit Nateglinid (Starlix®) kombiniert werden. Das Glinid sorgt für eine sehr schnelle, glukoseabhängige Stimulation der Inselzellen. Dadurch fallen besonders die postprandialen Blutzuckerwerte niedriger aus. In der Kombination mit Metformin ergänzen sich deshalb die beiden Wirkstoffe - sogar der Nüchternblutzucker sank in einer Studie mit der Kombination doppelt so weit wie mit Metformin allein. Auch der HbA1c wurde damit am erfolgreichsten reduziert.

Zudem ist mit Nateglinid offenbar auch das Unterzuckerungsrisiko geringer. Das belegt eine zwei Jahre dauernde Studie mit Typ-2-Patienten, die Metformin mit Nateglinid oder einem Sulfonylharnstoff kombinierten. Mit Nateglinid war die Hypoglykämierate trotz vergleichbarer HbA1c-Werte nur halb so hoch, sagte Schumm-Draeger. Der Unterschied war signifikant.

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