Was HNO-Ärzte von Kardiologen lernen können

In der Kardiologie ist die Ballondilatation seit Jahrzehnten etabliert. Aber auch bei Ohren-Erkrankungen kann sie helfen, wie das Beispiel der chronisch obstruktiven Tubenventilationsstörungen zeigt.

Von Andreas Fischer Veröffentlicht:
Druckgefühl auf dem Ohr und dumpfes Hören - Symptome einer Tubenbelüftungsstörung.

Druckgefühl auf dem Ohr und dumpfes Hören - Symptome einer Tubenbelüftungsstörung.

© Lea Paterson/SPL/Agentur Focus

MAINZ. Zur Tubendilatation bei Druckabfall hilft der Ballon. Den nicht-invasiven Eingriff, der in kurzer Larynxmaskennarkose vorgenommen wird, hat Dr. Stefanie Schröder, vom Klinikum Bielefeld auf der Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für HNO-Heilkunde in Mainz vorgestellt.

Transnasal platziert der Operateur ein Tubenendoskop im Tubenwulst. Unter zusätzlicher Sichtkontrolle mit der starren 30 / 45°-Hopkins-Optik (um eventuell ein Umbiegen des Katheters zu erkennen) wird der Ballonkatheter mit einer Länge von 2 cm in die Tube eingeführt. Die Dilatation erfolgt dann mit einem Druck von 10 bar über zwei Minuten.

Schröder präsentierte Langzeitdaten von 199 erwachsenen Patienten im Durchschnittsalter von 52 Jahren. Ausgeschlossen waren Patienten, bei denen die Arteria carotis interna nicht knöchern bedeckt oder endoskopisch kein Tubeneingang sichtbar war. Patienten mit starken Septumdeviationen oder -leisten wurde zuvor eine entsprechende Operation empfohlen.

Signifikant besserer Tubenscore

Der Eingriff erfolgte in der Regel ab einem Tubenscore von 5. Dieser Score setzt sich zusammen aus der Wahrnehmung des "Knackens im Ohr" durch den Patienten beim Schlucken, dem Valsalva-Manöver sowie der Latenz zwischen Druckapplikation im Nasopharynx und der darauf folgenden Druckänderung im Gehörgang bei 30, 40 und 50 mbar.

Nach zwei Monaten wurden die Daten von 171 der insgesamt 300 erfolgten Dilatationen ausgewertet. Der Tubenscore hatte sich von präoperativ 2,27 auf postoperativ 5,33 signifikant gebessert. Die Kontrollen nach einem Jahr (52 von 123 Dilatationen) ergaben einen signifikanten Anstieg von 1,85 auf 6,10 Punkte.

Bei den Zwei-Jahres-Nachuntersuchungen waren 16 von 18 Dilatationen auswertbar; hier war ebenfalls ein deutlicher Anstieg von 1,06 auf 5,31 zu verzeichnen.

Als Nebenwirkungen zeigten sich vereinzelt leichte Epistaxis und bei zwei Patientinnen ein temporär verstärkter Tinnitus. Eine "klaffende Tube" als Komplikation war bei keiner Dilatation aufgetreten.

Mehr zum Thema

Halitosis

Was hinter Mundgeruch stecken kann

Das könnte Sie auch interessieren
Praxisfall im Podcast: Atemwegsinfekt

© Bionorica SE

Phytoneering-Akademie

Praxisfall im Podcast: Atemwegsinfekt

Anzeige | Bionorica SE
Antibiotika – Fluch und Segen

© Bionorica SE

Podcast

Antibiotika – Fluch und Segen

Anzeige | Bionorica SE
Brauchen wir noch Antibiotika?

© deepblue4you | iStock

Content Hub

Brauchen wir noch Antibiotika?

Anzeige | Bionorica SE
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Off-Label-Use möglich

Long-COVID-Therapie: So schätzt Hausarzt Maibaum den G-BA-Beschluss ein

Lesetipps
Ei Spiegelei in einer Pfanne

© Kevsan / stock.adobe.com

Gastbeitrag

Sind Eier wirklich so gefährlich für Herz und Gefäße?