Aus acht mach vier

Weniger Chemotherapie bei Hodgkin-Lymphom nötig

Patienten mit fortgeschrittenem Hodgkin-Lymphom, die auf die Standardtherapie sehr gut ansprechen, benötigen offenbar nur vier statt bisher acht Therapiezyklen bei gleichem Heilungserfolg – und vor allem deutlich weniger Nebenwirkungen.

Veröffentlicht: 24.10.2017, 11:31 Uhr
Weniger Chemotherapie bei Hodgkin-Lymphom nötig

Haarausfall gehört zu den häufigen Nebenwirkungen einer Chemotherapie bei Patienten mit Hodgkin Lymphom.

© marvinh / Getty Images / iStock

KÖLN. Die Behandlung des fortgeschrittenen Hodgkin Lymphoms (HD18) basiert auf einer sehr intensiven Chemotherapie. Mit acht Zyklen dieser Chemotherapie liegt das Überleben fünf Jahre nach der Diagnose zwar bei etwa 90 Prozent. Doch die wirksame konventionelle Therapie geht leider häufig mit sehr schweren akuten und langfristigen Nebenwirkungen einher.

In der multizentrischen Studie unter Leitung der Deutsche Hodgkin Studiengruppe (DHSG), ging es darum, die Therapieintensität zu verringern und somit die Verträglichkeit zu verbessern, ohne jedoch einen Verlust der Wirksamkeit in Kauf nehmen zu müssen, wie die Universität Köln mitteilt. Die Ergebnisse wurden nun im renommierten Wissenschaftsjournal "The Lancet" (DOI: 10.1016/S0140-6736(17)32134-7) veröffentlicht.

"Die Ergebnisse der aktuellen HD18-Studie der DHSG haben gezeigt, dass eine deutliche Therapiereduktion auf nur vier Zyklen möglich ist, falls sie bereits nach zwei Zyklen ein gutes Ansprechen auf die Behandlung erreicht haben", erläutert Studienleiter Professor Peter Borchmann, von der Klinik I für Innere Medizin an der Uniklinik Köln in der Mitteilung.

Studie mit rund 2000 Patienten

Die Studie wurde an über 300 Zentren in fünf europäischen Ländern (Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und der Tschechischen Republik) durchgeführt. Insgesamt wurden rund 2000 Patienten zwischen 18 und 60 Jahren mit der Erstdiagnose eines fortgeschrittenen Hodgkin Lymphoms in die Studie eingeschlossen.

Alle Patienten erhielten zunächst zwei Zyklen der aktuellen Standardtherapie (zwei mal eskaliertes BEACOPP). Danach erfolgte eine nuklearmedizinische Untersuchung (PET) zusätzlich zur Computertomografie (CT). So konnte einerseits der Gewebestoffwechsel sichtbar gemacht werden als auch Größe plus Vitalität des Tumors beurteilt werden.

Patienten mit gutem frühen Therapieansprechen (PET-negativ) wurden nach Angaben der Universität anschließend per Zufallsprinzip entweder nach dem Therapiestandard mit sechs weiteren Zyklen oder einer reduzierten Zahl von nur zwei Zyklen weiterbehandelt. Im Anschluss an die Chemotherapie wurden alle Patienten, die noch Tumorreste aufwiesen, nachbestrahlt.

Mehr Lebensjahre mit mehr Qualität

Ergebnis: Eine Therapie mit insgesamt nur vier Zyklen bei diesen Patienten war genauso wirksam wie die mit acht Zyklen. "Wie erwartet, reduzierten sich mit den Zyklen auch die Akut- und Langzeitnebenwirkungen. Insgesamt konnte dadurch das Überleben unserer Patienten nochmals signifikant verbessert werden und liegt nun bei 98 Prozent nach fünf Jahren", so Borchmann.

Zudem verkürze sich die Dauer der gesamten Therapie von ursprünglich 24 auf nun 12 Wochen. Die Patienten könnten somit früher eine Rehabilitationstherapie in Anspruch nehmen und in ihr Leben zurückfinden. Dies trage wesentlich zur Lebensqualität bei.

In der Patientengruppe, die nach zwei Zyklen Chemotherapie noch PET-positiv war, untersuchten die Mediziner in der HD18-Studie darüber hinaus eine Intensivierung der Therapie durch Hinzunahme eines Antikörpers (Rituximab) zum klassischen Chemotherapie-Schema.

Wie die Uni Köln berichtet, hat sich dabei jedoch gezeigt, dass die Tumorkontrolle mit der konventionellen Chemotherapie so gut ist, dass das weitere Medikament keinen zusätzlichen Nutzen hatte. Aufgrund der insgesamt überzeugenden Ergebnisse wollen die Studienautoren nun eine Anpassung der Therapie-Intensität an das frühe Ansprechen als Standard etablieren. (run)

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