Wenn Diabetiker im Ramadan fasten, ist die Therapie anzupassen

Einige Muslime mit Diabetes mellitus wollen nicht auf das Fasten während des aktuellen Ramadan verzichten. Besonders Hypoglykämien können Betroffene gefährden.

Veröffentlicht:
Gläubige Muslime und darunter auch viele Diabetiker verzichten im Fastenmonat Ramadan von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf Essen und Trinken.

Gläubige Muslime und darunter auch viele Diabetiker verzichten im Fastenmonat Ramadan von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf Essen und Trinken.

© Foto: Bilderbox

NEU-ISENBURG. Der Fastenmonat Ramadan dauert in diesem Jahr vom 21. August bis zum 19. September. Für gläubige Moslems heißt das: von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nicht essen, nicht trinken, nicht rauchen und keinen Geschlechtsverkehr. "Eigentlich sind Diabetiker nicht zum Fasten verpflichtet, doch viele gläubige Muslime mit dieser Erkrankung bestehen darauf, den Ramadan einzuhalten", sagt Dr. Batuhan Parmakerli aus Mannheim (DMW 134, 2009, 1669). Der Facharzt für Allgemeinmedizin ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Migranten in der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).

Die Verschiebung des Essrhythmus und das teilweise übermäßige Essen und Trinken während der Nachtstunden können bei Diabetikern zu Problemen führen. Man müsse fastenwillige Diabetiker daher begleiten, betont der türkischstämmige Mediziner. Zu berücksichtigen ist zum Beispiel, dass es während des Fastenmonats in der Regel nur zwei statt drei Hauptmahlzeiten gibt. Vor allem sei darauf zu achten, dass Medikamente und Insuline, die Hypoglykämien verursachen können, in den Morgenstunden reduziert werden, um die Patienten nicht zu gefährden. Aufgrund der sommerlichen Temperaturen rät der Allgemeinmediziner zudem, Fastenden besonders die Aufnahme von viel Flüssigkeit vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang zu empfehlen.

Zudem sei darauf zu achten, dass die Patienten ihre Tabletten regelmäßig einnehmen und der Einnahmezeitpunkt dabei verschoben wird: Denn fastende Patienten dürfen während des Tages auch keine Tabletten schlucken, da dies als Fastenbruch gewertet würde. Während des Ramadan darf darüber hinaus auch parenteral nichts zugeführt werden, Injektionen sind daher tagsüber nicht erlaubt. Da in diesem Jahr der Ramadan in die Zeit der Grippe-Impfung fällt, bietet der Mannheimer Hausarzt seinen fastenden Patienten spezielle Sprechstunden nach Sonnenuntergang an, damit sie ihren Impfschutz bekommen können.

Diabetikern, bei denen der Arzt das Fastenrisiko zu hoch einschätzt, rät er davon ab. Kranke Gläubige können alternativ für jeden im Ramadan versäumten Fastentag einen Bedürftigen speisen (die so genannte Fidya). Zudem können sie sich auch an örtliche Moscheen wenden und für Bedürftige Geld spenden. (eis)

www.diabetesundmigranten.de unter "Diabetes und Ramadan"

Mehr zum Thema

Visusminderndes diabetisches Makulaödem (DMÖ)

Brolucizumab ist neue Option beim DMÖ

Das könnte Sie auch interessieren
Therapie mit GLP-1-RA: Mehr als nur Zuckerkontrolle

© Lilly Deutschland GmbH

Typ-2-Diabetes

Therapie mit GLP-1-RA: Mehr als nur Zuckerkontrolle

Anzeige | Lilly Deutschland GmbH
Fallbeispiel: HbA1c 9,3 trotz Metformin: Wie Therapie intensivieren?

© Lilly Deutschland GmbH

Typ-2-Diabetes

Fallbeispiel: HbA1c 9,3 trotz Metformin: Wie Therapie intensivieren?

Anzeige | Lilly Deutschland GmbH
Kommentare
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden »Kostenlos registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Krankschreibungen wegen Corona haben zuletzt deutlich zugenommen, so eine aktuelle Analyse der BARMER.

© Goldmann/picture alliance

Pandemie

BARMER verzeichnet steilen Anstieg bei Corona-AU